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Stand: 17.03.2010
Autor: Schorndorfer Nachrichten
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Schorndorfer Nachrichten
vom 23. Dezember 2008

Wie parken im absoluten Halteverbot

... wäre ein Baugebiet entlang der Flotowstraße aus Sicht des Naturschutzbundes

Von unserer Mitarbeiterin Sabine Reichle
Schorndorf. In eine fragwürdige Hitliste haben es die Schorndorfer gebracht: Sie gehören zu den zehn Kommunen, die bei der Umsetzung der "Natura 2000"-Richtlinien offenbar so ihre Probleme haben. So sieht es jedenfalls der Naturschutzbund (Nabu) und protestiert heftig gegen das Vorhaben der Stadt, an der Flotowstraße in Schorndorf zu bauen.
Sicher gibt es drastischere Fälle, in denen der Schutz der Natur den Interessen von Bauherren und Kommunen weichen muss, aber die Streuobstwiese, die in Schorndorf bedroht ist, ist eines jener Beispiele, wo "in kleinen Schritten immer mehr an den Schutzgebieten geknabbert wird", wie Wolfgang Bogusch, Kreissprecher des Nabu, und Dr. Martin Dieterich vom Institut für Landschaftsökologie in Singen sagen. Das Gebiet an der Flotowstraße ist Vogelschutzgebiet. Hier zu bauen sei "wie im absoluten Parkverbot zu parken", sagt Bogusch unter Berufung auf die Natura-2000-Richtlinien. Mit Natura 2000 wird ein europaweit einheitliches Schutzgebietsystem ausgeschrieben. Das Besondere an Natura 2000 ist, dass eine systematische, an den Bedürfnissen der Natur ausgerichtete Gebietsauswahl erfolgt und keine politische oder wirtschaftliche Einflussnahme bei der Meldung möglich war.
Aufnahme in den Flächennutzungsplan war der erste Fehler
Folge man den Vogelschutzrichtlinien, dann, so Dieterich, sei an dieser Stelle "überhaupt nichts möglich". Auf dem Papier haben die Politiker beschlossen, dass es nicht mehr so einfach möglich sein soll, "Gebiete plattzumachen". Auch dann nicht, wenn es ein öffentliches Interesse gebe. Mit der Umsetzung vor Ort gibt es freilich noch Probleme. Der erste Fehler, sagen die Naturschützer, sei schon geschehen, als das Regierungspräsidium die Fläche in den Flächennutzungsplan aufgenommen habe. Das Gebiet zwischen den letzten Häusern an der Ecke Johannesstraße und Flotowstraße bietet sich durchaus an: Die kleine Straße ist schon da, die Stadtgärtnerei in Sicht und der mögliche Bauplatz hier im Grünen natürlich höchst attraktiv. "Abrundung ist das große Thema", sagt Wolfgang Bogusch. Die Bebauung frisst sich so Stück für Stück immer mehr hinein in die Obstwiesen.
Die EU-Kommssion habe aber in ihrer Habitat-Richtlinie festgeschrieben, dass kumulative Effekte berücksichtigt werden müssen. Das heißt: Auch das kleinste Stück Naturschutzgebiet, das den Baggern zum Opfer fällt, muss in die große Rechnung mitaufgenommen werden. Für den Raum Schorndorf heißt das konkret: Knabbert man an der Flotowstraße ein bisschen, muss das Gebiet ums Urbacher Freibad mitberücksichtigt werden, Plüderhausen und Lorch gehören ebenfalls dazu. Naturschutz lässt sich eben nicht auf Gemeindegrenzen beschränken.
Dabei habe Schorndorf überhaupt keine Bauplatznot, sagt Wolfgang Bogusch. 40 Hektar stehen in Gebieten zur Vefügung, die nicht so sensibel sind. Man hoffe jetzt, dass "die Stadt Schorndorf zur Vernunft kommt". Oberbürgermeister Mathias Klopfer habe noch vor seiner Wahl "Verständnis gezeigt". "Jetzt ist ihm das Verständige offenbar abhanden gekommen", klagen die Naturschützer. Die Alternativen, die vonseiten der Stadt als Ausgleich angeboten werden, nennen die Fachleute "stümperhaft". So sei vorgesehen, im Falle einer Bebauung die Hecke am Rande der Wiese stehen zu lassen. Das Problem dabei ist nur, sagen Dieterich und Bogusch: Halsbandschnäpper, Wendehals, Mittel- und Grauspecht und auch der Neuntöter, die hier nisten und leben, brauchen keine Hecke, sie brauchen die Obstbäume. Man habe gerade hier im Remstal, erinnern die Nabu-Leute, die besondere Verpflichtung, das zu schützen, was für unseren Raum so einzigartig ist: Die Streuobstwiesen und ihre angestammten Bewohner.