Exoten im Rosensteinpark

Rückblick auf die Exkursion vom Sonntag, 29. Januar 2006

Auf der Suche nach bunten Papageien: Führung im Rosensteinpark Stuttgart

Die Wintermonate sind auf den ersten Blick sicherlich etwas außergewöhnlich für vogelkundliche Führungen. Doch die Vogelart, auf die sich über 40 Teilnehmer der Exkursion am Sonntag, den 29. Januar 2006 machten, ist es ebenso: die Gelbkopfamazone (Amazona ochrocephala). Seit über 20 Jahren brütet sie in den Stuttgarter Parkanlagen, bevorzugt im Rosensteinpark. Mitte der 1980er Jahre flog erstmals eine Gelbstirnamazone hier und in der angrenzenden Wilhelma umher. Verschiedene Legenden ranken sich um das Entstehen dieser auf mittlerweile wohl über 80 Vögel angewachsenen Freilandpopulation. Vermutlich wurden anfänglich einige Tiere "ausgewildert". Dabei handelte es sich auch um eine weitere Unterart aus der Amazona ochrocephala-Gruppe, die aus ca. 11 Unterarten besteht: der Gelbkopfamazone (Amazona o. oratrix). Es ist also nicht ganz geklärt, welchen Ursprung diese grünen Gesellen nun haben, belegt ist allerdings eine erste erfolgreiche Brut zweier Gelbstirnamazonen im Jahr 1986 mit drei Jungvögeln. Zwei Drittel aller heute in Stuttgart lebenden Amazonen sind allerdings Vögel, die zumindest optisch der Unterart Gelkopfamazone angehören.

Es gibt 38 Amazonenarten, die ausnahmslos in Mittel- und Südamerika beheimatet sind. Das heißt natürlich nicht ganz ausnahmslos, denn die Stuttgarter Amazonen sind vermutlich die weltweit einzige Brutpopulation außerhalb dieser Länder! Viele Zufälle und glücklichen Umstände führten wohl dazu, dass sie sich hier ansiedelten. Ausschlaggebend war wohl in erster Linie der Baumbestand des Parks, der diesen höhlenbrütenden Vögeln genügend geeignete Brutmöglichkeiten bot und die Vielfalt der Nahrungspflanzen. Und wenn es ganz hart kam, konnte man ja auch mal in die Wilhelma ausweichen, dort ist der Tisch für früchte-, samen- und beerenfressende Vögel ganzjährig immer reichlich gedeckt. Da Papageien zu den intelligentesten Vögeln gehören, konnten sie wohl auch geeignete Anpassungs- und Überlebensstrategien für die Lebensverhältnisse in Stuttgart entwickeln.

Amazonen leben in Einehe, außerhalb der Brutzeit auch in kleinen, losen Trupps und Verbänden. Typisch für sie ist ein fester Tagesablauf. Die Hauptaktivitäten finden morgens und am späten Nachmittag statt. Doch am Sonntag ließen sie lange auf sich warten. Um 17 Uhr wurde das Warten dann belohnt: ungewohnte Vogelstimmen ließen die Blicke nach oben schnellen, wo ca. 20 Meter über dem Rosensteinmuseum ein Paar Richtung Stadtmitte flog. Kurz danach konnten wir noch zwei weitere Paare über der Wilhelma und über dem Neckar fliegen bzw. gleiten sehen. Auffallend und unverkennbar ist, dass die Paare immer synchron fliegen, d.h. im gleichen Abstand zueinander, stets die gleichen Bewegungen ausführend. Drei Stunden vergeblichen Suchens, steife Genicke vom Absuchen der hohen Baumkronen des Parks und kalte Füße wurden reichlich belohnt!

Reiherente (Klicken zum Vergrößern, 13 kByte )

Bleibt noch die Antwort darauf, wieso sich die Amazonen in Stuttgart im Winter besonders gut beobachten lassen. Schlichtweg sind die Vögel wenn die Bäume im Frühjahr belaubt sind aufgrund ihrer grünen Farbe nicht mehr zu sehen! Aber auch viele andere Beobachtungen waren an diesem Wintertag im Rosensteinpark möglich. Beeindruckend die vielen Saatkrähen, Ringeltauben, ein beuteverzehrender Turmfalke auf einem Ast über unserer Gruppe, ein am Himmel kreisender Mäusebussard und der erste singende Star. Auf dem Neckar zeigten sich Lachmöwen, Kormorane, Reiherenten, ein Zwergtaucher und ein Mittelsäger. Mit dem Zug fuhren wir zurück nach Schorndorf mit der Erkenntnis, dass der Rosensteinpark ein lohnendes Ziel für Vogelbeobachter ist.

Liste der beobachteten Arten



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