Heimliche SchönheitenRückblick auf die Veranstaltung vom Samstag, den 02.07.2005Lediglich eine kleine Gruppe von nur neun Personen hatte sich zur Nachtfalter-Beobachtung eingefunden. Es war kurz vor 22 Uhr und obwohl die Sonne längst untergegangen war und es langsam dunkel wurde herrschten immer noch angenehme Temperaturen von fast 20°C. Dank des bedeckten Himmels wurde es rasch dunkler. Zudem war es relativ windstill. Ideale Bedingungen, um Nachtfalter anzulocken. Wir schalteten unsere Lampen - eine UV-Lampe und zwei superaktinische Röhren - ein. Und nun hieß es abwarten, was sich alles am Licht zeigen würde. Damit das Warten nicht zu lang wurde, hatte T. Götz allerhand Anschaungsmaterial mitgebracht, das er jetzt vorstellte: Leere Puppenhüllen vom Totenkopf-Schwärmer, Kokons vom kleinen Nachtpfauenauge, einen Kokon vom Großen Gabelschwanz und mehr. Auch leere Raupenhäute vom Eichenprozessionsspinner waren dabei. Die Raupen dieser Art sind wegen ihren Brennhaaren gefürchtet, die bei Berührung zu starken allergischen Reaktionen führen. Da dies auch noch nach Jahren der Fall ist, waren die Behälter mit den Raupenhäuten gut verschlossen und gegen versehentliches Öffnen gesichert. Auch ein Falter konnte bereits begutachtet werden: Ein Weibchen des Weidenbohrers. Götz hatte es bei der Generalprobe am Vortag gefangen. Die Raupe lebt im Inneren von Laubhölzern, meist Weide, wo sie Gänge ins Holz frisst. Mehrere Jahre dauert es, bis die Raupe ausgewachsen und verpuppungsreif ist. In der Zwischenzeit hatten sich unzählige Kleinschmetterlinge und andere Insekten am Licht eingefunden. Neben mehreren recht großen (nicht näher bestimmten) Eulenarten waren Flechtenbären und eine ganze Reihe von Spannerarten erschienen. Auch ein Zimtbär hatte sich anlocken lassen. Immer neue Arten von Kleinschmetterlingen und Spannern erschienen auf der Bildfläche und ließen sich auf den Tüchern oder in deren Umgebung nieder. Einige waren sehr farbenfroh gemustert, andere waren auf dem Mauerwerk der Schinderhütte derart gut getarnt, dass sie selbst im Lichtkegel der Taschenlampen kaum zu sehen waren. Kurz vor Mitternacht flatterte dann ein auffallend großer, sehr heller Falter im Licht: ein Nachtschwalbenschwanz. Er setzte sich auf den Boden und ließ sich eingehend betrachten und fotografieren. Kurz vorher schon war ein weiterer besonders hübscher Falter eingetroffen, ein Rosen-Flechtenbär. Das ganz frische Tier fiel wegen seiner Färbung auf: Zartrosa Flügel mit schwarzen Flecken und intensiv rosenroter Randbinde. Und obwohl wir keine so spektakulären Gäste hatten wie im Vorjahr, waren wir mit dem Anflug recht zufrieden. An den zahlreichen Spannern, Eulen und den vielen Kleinschmetterlingen ließ sich die Farben- und Formenvielfalt der Nachtfalter gut zeigen. Und in einem waren sich alle einig: Auch unter diesen waren wahre Schönheiten.
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