Schillerfalter & Co

Rückblick auf die Führung vom Sonntag, den 26.06.2005

Am Sonntag, den 26.6., hatten sich kurz vor 13 Uhr knapp 20 Personen auf dem P&R-Parkplatz in der Heinkelstraße eingefunden. Gemeinsam wollten sie sich aufmachen, um in einem der vielen kleinen Bachtäler, die der Schurwald zu bieten hat, waldbewohnende Tagfalterarten zu beobachten.

Nur wenige Wolken trübten den strahlend blauen Sommerhimmel bei Temperaturen von fast dreißig Grad. Ideale Voraussetzunge für Schmetterlingsbeobachtungen sollte man meinen, aber unser Hauptinteresse galt den beiden im Schurwald vorkommenden Schillerfalter-Arten und diese mögen es nicht so heiß. Die männlichen Falter, die gerne auf Waldwegen und Bachrändern an übelriechenden Stoffen - wie Aas oder Exkrementen - saugen, legen bei so hohen Temperaturen gern eine Siesta ein. Die Weibchen halten sich meist in den Baumkronen auf - sie bekommt man ohnehin nur sehr selten zu Gesicht. Doch das konnte uns nicht abhalten, schließlich erwarteten wir auch noch andere interessante Beobachtungen machen zu können.

Kleiner Schillerfalter (Klicken zum Vergrößern, 38 kByte )

Bereits am Waldrand, nach nur kurzer Wegstrecke konnten wir dann die ersten beiden "Waldbewohner" feststellen: Ein Großer Fuchs verzog sich bei unserem Anblick sofort in die Baumkrone einer Erle, von wo aus er das ungewohnte Treiben beobachtete, während ein feurig-rotes Kaisermantel-Männchen die Gruppe mehrfach umflog.

Als wir die Tiere ausgiebig beobachtet hatten, machten wir uns auf den Weg, dem angenehm schattigen Weg zu folgen. Da, plötzlich ein blau-violetter Schimmer in der Luft! Keine Frage, ein Schillerfalter. Unsere Gruppe hatte ihn aufgescheucht. In schnellem Flug umrundete er uns in einem Wirbel aus Farben und ließ sich in sicherer Entfernung wieder nieder. Es handelte sich ein Männchen des Kleinen Schillerfalters. Sehr schnell merkten die Teilnehmer, dass diese Tiere sehr scheu sind, aber zum Glück hatten die meisten ein Fernglas dabei. Um auf dem Rückweg vielleicht einen genauen Blick auf eines dieser wunderschönen Tiere werfen zu können, legten wir einen mitgebrachten Käseköder aus, um ihn auf dem Rückweg zu kontrollieren.

Auf dem weiteren Weg beobachten wir Grünader-Weißlinge und C-Falter. An einer schattigen Brennnessel-Gruppe fanden wir gleich mehrere Eier des C-Falters und an einer Sal-Weide eine Gruppe fast erwachsener Raupen vom Großen Fuchs. Daneben sahen wir Nahrungspflanzen von weiteren Tagfaltern: Faulbaum (Zitronenfalter), Knoblauchrauke (Aurorafalter, Grünader-Weißling), Brennnesseln (Landkärtchen, C-Falter, Admiral).

Großer Schillerfalter (Klicken zum Vergrößern, 37 kByte )

An einer Wegkreuzung erspähten wir einen auffallend großen Falter auf dem Weg. Im Halbschatten saugte er an der vom nächtlichen Regen noch feuchten Erde. Im Fernglas war gut zu erkennen, dass es sich um die zweite Schillerfalterart handelte: ein Großer Schillerfalter. Vorsichtig näherte sich die Gruppe. Immer wieder schlug er kurz mit den Flügeln, die je nach Betrachtungswinkel ihr irisierendes Blau zeigten. Als wir ihn fast erreicht hatten, entschwand er in den Baumkronen und wurde nicht mehr gesehen.

Nur wenige Meter weiter tummelten sich gleich mehrere Schönbären, eine tagaktive Nachtfalterart. Während beim ruhenden Falter nur die schwarzen Vorderflügel mit gelben Punkten sichtbar sind, zeigen sich im Flug die leuchtend roten Hinterflügel. Zwei weitere Große Füchse wurden erspäht. Bei unserem Anblick erschreckt flogen sie auf und zeigten ihr arttypisches Verhalten: Sie setzten sich in etwa vier Meter Höhe kopfüber an einen Baumstamm, wo sie warteten, bis die Luft wieder rein war.

Wir beschlossen, uns auf den Rückweg zu machen und noch den ausgelegten Köder zu kontrollieren. Dieser hielt zum Abschluss noch einen ganz besonderen Anblick bereit. Ein "Rotschiller" war von ihm angelockt worden und labte sich an ihm. Der Kleine Schillerfalter kommt in zwei unterschiedlichen Formen vor: Die Nominatunterart hat dunkelbraune Flügeloberseiten, die beim Männchen blau schillern, der Rotschiller besitzt eine ockerbraune Flügelgrundfarbe, die strahlend violett schillert. Eben diesen Schiller zeigte uns das ganz frisch geschlüpfte Männchen. Der sonst so scheue Falter war vom Geschmack unseres Köders so angetan, dass er die Fotografen bis auf wenige Zentimeter an sich heranließ.

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