Exkursion nach Brandenburg

Rückblick

Donnerstag, 26. Mai 2005

Die Morgendämmerung kündet das Ende der achtstündigen Busfahrt ins Land Brandenburg an. Beinahe endlose Wiesen und Felder säumen den Weg. Ein Denkmalsturm erinnert an die legendäre Schlacht bei Fehrbellin im Jahre 1675. Von diesem Turm herab sieht man, wie strukturiert die Landschaft ist: Wälder, Feldhecken und Gewässer machen sie für eine vielfältige Vogelwelt attraktiv.

Die restliche Fahrt zur Unterkunft verläuft durch malerische Alleen, welche die Morgensonne in ein zauberhaftes Licht taucht, und durch den als Storchendorf bekannten Ort Linum. Die typischen Storchennester befinden sich auf Hausdächern, Schornsteinen und Masten; ihre Bewohner machen in stolzer Haltung einen erhabenen Eindruck.

Hotel Kremmener Luch (Klicken zum Vergrößern, 44 kByte )

Die Unterkunft "Hotel Kremmener Luch" steht weit außerhalb von Kremmen auf Stelzen direkt am Kremmener See, der zum Gebiet "Rhinluch" gehört. Luch ist die norddeutsche Bezeichnung für Moor- und Teichlandschaften. Vom Hotel aus geht es am Nachmittag zu Fuß einen Betonplattenweg entlang, gesäumt von Weidenbäumen, Erlen, Schilf und Wiesen. Immer wieder sind Drossel- und Teichrohrsänger zu hören und dann ein Schlagschwirl mit anhaltendem Schwirrton. Es klingt ähnlich wie eine Grille und für die Fachleute natürlich völlig anders. Der Schlagschwirl - ein Vogel, den man selten hört und nie sieht. Intensiv wird nach ihm Ausschau gehalten - mit allen verfügbaren Ferngläsern. Und bald ist er entdeckt: Auf einem Heuständer sitzt er aufrecht, sperrt den Schnabel weit auf und lässt seinen Schwirrton ausdauernd erklingen mit bebendem Körper bis in die Schwanzspitze hinein.

Der weitere Weg führt an vielen Dadschas mit Privatbooten vorbei - von hier aus kann man über die Flüsse, Seen und Kanäle bis nach Berlin kommen. Der Tag klingt auf der Seeterrasse des Restaurants "Kremmener Luch" aus bei mildem Sonnenschein, Quaken der Frösche und Gesang des Drosselrohrsängers mit Maischolle und Holunderblütenparfait.

Freitag, 27. Mai 2005

Die Busfahrt zu den Linumer Fischteichen findet eine abrupte Unterbrechung: Auf der Wiese neben der Straße wurden zwei Kraniche gesichtet. Mit gestrecktem Hals und langen, würdigen Schritten bewegen sie sich durchs Gras. Den beiden Altvögeln folgt jeweils ein wuscheliges Küken. Plötzlich gibt es Aufruhr; ein Kranich breitet seine schwarzgebänderten Flügel aus und nimmt mit gut zwei Metern Spannweite Drohgebärde ein: Kein Fuchs - ein Hase mit langen Löffeln wird verscheucht und macht sich eilends davon.

Baumpieper (Klicken zum Vergrößern, 13 kByte )

Auf dem Weg durch die Linumer Fischteiche sitzen auf einer abgestorbenen Birke ein Baumpieper und eine Goldammer in hellem Licht. Dann steigt der Baumpieper in seinem charakteristischen Singflug mit schnellen Flügelschlägen steil empor und lässt sich anschließend im ebenso charakteristischen Sinkflug mit regungslos ausgebreiteten Flügeln wie ein Papierflieger herabgleiten, um auf einer Stromleitung über der Schilfwiese Platz zu nehmen. Wasserfrösche geben ein unaufhörliches Konzert dazu - bei dieser Froschart handelt es sich laut Gernot Becker um eine Kreuzung von See- und Teichfrosch, deren Artausbildung wohl noch ein paar tausend Jahre dauern wird.

Vogelbeobachtung im Rhinluch (Klicken zum Vergrößern, 42 kByte )

Ein Pirol ruft von links; sein Ruf wird imitiert, um ihn zur Antwort zu reizen - doch die Antwort kommt von rechts: da gibt es also noch einen Pirol. Zwei aufeinanderfolgende Fischadler ziehen ohne Flügelschlag dicht über die NABU-Gruppe hinweg. Aus allen Richtungen ertönt der Kuckucksruf - dieses Sumpf- und Schilfgebiet ist in der Tat ein "Kuckucksland", denn dort gibt es Schilfvogelnester zu Hauf, in die der Kuckuck seine Eier vorzugsweise legt.

Kuckuck (Klicken zum Vergrößern, 13 kByte )

Am Abend gewährt ein Beobachtungs-Hochstand im Havelländischen Luch den Überblick über weites Grasland, durchsetzt mit Kornfeldern. Auf Anhieb sind zwei Großtrappen-Männchen zu sehen, eines davon in voller Balz. Sein Prachtgefieder plustert und faltet er dermaßen auf, dass man nicht mehr erkennen kann, wo vorne und hinten ist. Schließlich verdreht sich der Hahn um sich und in sich, wodurch er nur noch als große, weiße Federkugel erscheint. Doch Großtrappen-Hennen sind zu diesem Zeitpunkt noch keine zu sehen. Dafür posieren direkt am Beobachtungsstand Braunkehlchen und Grauammern ausdauernd und selbst ein Kuckuck zeigt sich mit seinem schiefergrauen Gefieder auf einem nahegelegenen Pfosten. Den krönenden Abschluss des Abends bildet jedoch eine Großtrappen-Prozession, bei der sieben Hennen einem imposanten Hahn mit zügigem Schritten folgen.

Samstag, 28. Mai 2005

Vogelbeobachtung bei der Brandenburg-Exkursion (Klicken zum Vergrößern, 36 kByte )

Am Bahnhof Radensleben beginnt ein herrlicher Spaziergang auf Wiesen- und Sandwegen durch enge Alleen, sonnenbeschienene Kornfelder und grüne Wiesen. Als ein Triebwagen in den Bahnhof einfährt, steigt eine Heidelerche auf und zieht minutenlang direkt über der NABU-Gruppe ihre Kreise. Pausenlos flötet sie ihr Lied und ebenso pausenlos schlägt sie mit den Flügeln. Lichtdurchflutet zeichnet sie sich gegen den stahlblauen Himmel ab mit markant kurzem Schwanz und breiten Flügeln. Die Gruppe zieht weiter, noch bevor die Heidelerche ihre eindrucksvolle Vorstellung durch das charakteristische "Herabfallen vom Himmel" beendet.

Die Mittagszeit (Sonne pur und 32 Grad) wird mit einer Schifffahrt durch die Rheinsberger Seenlandschaft genutzt; dazu gibt es Zanderfilet mit Salzkartoffeln und buntem Salatteller. Die Fahrt geht vorbei am Schloss Rheinsberg, an schilfbestandenen Ufern und an mehreren Haubentauchern, von denen einer seine Küken auf dem Rücken über das Wasser schaukelt.

Auf dem Weg zurück ins Hotel hält der Bus an einem früheren Militärfluggelände. Ein Steinschmätzer-Paar bezieht auf verschiedenen Schotter- und Sandhügeln Aussichtspositionen, in denen sie gut zu beobachten sind. Auf der Birke neben dem wallförmigen Erdbunker sitzt eine Grauammer; Mehlschwalben holen Baumaterial aus dem aufgerissenen Rollfeld.

Die ornithologische Exkursion endet - was bleibt, sind faszinierende Beobachtungen und Erlebnisse, welche die Herzen höher schlagen ließen, und respektvoller Dank an die Organisatoren Gernot Becker sowie Heike und Christoph Haller.

Manfred Stephan

Artenliste:

An diesen schönen, erlebnisreichen 4 Tagen sahen, manches Mal hörten wir auch nur, folgende 104 Vogelarten:

ZwergtaucherHaubentaucherRothalstaucher
KormoranRohrdommelGraureiher
WeißstorchHöckerschwanGraugans
StockenteSchnatterenteKnäkente
TafelenteKolbenenteReiherente
SchellenteFischadlerRotmilan
SchwarzmilanRohrweiheWiesenweihe
MäusebussardTurmfalkeBaumfalke
RebhuhnWachtelFasan
WasserralleTeichhuhnBlässhuhn
KranichGroßtrappeKiebitz
LachmöweFlussseeschwalbeRingeltaube
TürkentaubeKuckuckMauersegler
GrünspechtGrauspechtBuntspecht
KleinspechtWendehalsFeldlerche
HaubenlercheHeidelercheRauchschwalbe
MehlschwalbeWiesenpieperBaumpieper
BachstelzeSchafstelzeZaunkönig
RotkehlchenNachtigallGartenrotschwanz
HausrotschwanzSteinschmätzerBraunkehlchen
SingdrosselWacholderdrosselAmsel
GartengrasmückeMönchsgrasmückeKlappergrasmücke
DorngrasmückeFeldschwirlSchlagschwirl
RohrschwirlTeichrohrsängerSumpfrohrsänger
DrosselrohrsängerGelbspötterFitis
WaldlaubsängerZilpzalpGrauschnäpper
KohlmeiseBlaumeiseSumpfmeise
SchwanzmeiseBeutelmeiseGartenbaumläufer
NeuntöterElsterEichelhäher
RabenkräheNebelkräheKolkrabe
StarPirolHaussperling
FeldsperlingBuchfinkBluthänfling
StieglitzGrünfinkGirlitz
GimpelRohrammerOrtolan
GoldammerGrauammer

An Hand dieser Artenliste wird einem bewusst, dass wir hier in Süddeutschland in einer mehr oder weniger verbauten Landschaft mit einzelnen, oft viel zu kleinen Inseln von Naturschutzgebieten leben. Vögel zu hören wie den Pirol, den Ortolan und einige andere, die man bei uns, wenn man Glück hat, noch auf dem Durchzug zu sehen und hören bekommt, war ein schönes Erlebnis.

Claudia Barth


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