Juwelen der Lüfte

Rückblick auf die Führung vom Sonntag, den 25. Juli 2004

Tintenfleck-Weißling (Klicken zum Vergrößern, 24 kByte )

Der Juli ist die hohe Zeit im Tagfalter-Jahr. Mit etwas Glück können im Raum Schorndorf zu dieser Jahreszeit über 30 verschiedene Tagfalterarten beobachtet werden. Gute Voraussetzungen dafür bietet der Hungerberg bei Winterbach mit seinem reichhaltigen Mosaik an Waldflächen und mehr oder weniger intensiv genutzten und gepflegten Weinbergen und Streuobstwiesen. Aus diesem Grund trafen sich 18 Schmetterlingsfreunde am Fuße des Hungerbergs, um nach den "Juwelen der Lüfte" Ausschau zu halten. Das Wetter war optimal und so machte sich die Gruppe hoffnungsvoll auf den Weg.

Bereits nach wenigen Metern gab es dann die erste Begegnung mit den ersten Faltern: An den intensiv gefärbten Blüten des Blutweiderichs labten sich mehrere Dickkopffalter und am Hang dahinter schwirrte ein Taubenschwänzchen durch die Vegetation. Da es dort keine geeigneten Nektarblüten gab, dafür aber umso mehr Wiesenlabkraut, der Nahrungspflanze seiner Raupe, war schnell klar, dass es sich um einen weiblichen Falter bei der Eiablage handelte. Gleich drei Arten von Weißlingen tummelten sich im angrenzenden, mit Blutweiderich und Mädesüß bewachsenen Graben: Kleiner Kohlweißling, Grünaderweißling und Tintenfleck-Weißling. Die Falter labten sich vor allem an den Blüten des Blutweiderichs, wobei sie ihre Flügelunterseite darboten. Anhand dieser können die drei Arten gut unterschieden werden, so dass wir das Bestimmen von Weißlingen ausgiebig üben konnten.

Kaisermantel (Klicken zum Vergrößern, 23 kByte )

Der schattige Waldweg, der uns gemächlich auf die Anhöhe hinauf führte, bot allerlei interessante Beobachtungen: Faulbaum-Bläuling und Großes Ochsenauge bei der Eiablage, C-Falter, Kaisermantel und Grünaderweißling bei der Nahrungsaufnahme. Etwas ratlos standen wir vor zwei Mönchsraupen, die sich am Rainkohl labten. Ein Waldbrettspiel-Männchen beobachteten wir, wie es einen sonnenbeschienenen Fleck inmitten des schattigen Walds als Revier beansprucht hatte und energisch alle eindringenden Insekten vertrieb. Auf einer kleinen Lichtung flatterten zahlreiche Große Ochsenaugen - ein Pärchen sahen wir in Kopulation - und mehrere Rostfarbige Dickkopffalter.

Der Rückweg durch Weinberge und Streuobstwiesen in verschiedenen Pflegezuständen und unterschiedlichen Stadien der Sukzession brachte wenig Neues. Während mehrere Kleine Sonnenröschen-Bläulinge ( die Falter zeigten die typischen Merkmale und konnten auf Grund ihres Verhaltens eindeutig als Männchen identifiziert werden, was die Bestimmung einigermaßen sicher macht) die meisten der Teilnehmer nicht so recht mitreißen konnten, lösten die wenigen Schachbrettfalter regelrechte Begeisterungsstürme aus. Als wir schon fast wieder bei den Fahrzeugen angelangt waren - einige suchten Abkühlung im Schatten einer Linde - und sich fast schon ein wenig Enttäuschung ob der doch recht spärlichen Ausbeute breit machen wollte, gab es dann doch noch einen Höhepunkt: Auf einer nur wenige Quadratmeter großen, mit Dost bewachsenen Fläche flatterten und schwirrten zahlreiche Falter durcheinander: Große Ochsenaugen, Kleine Wiesenvögelchen, Dickkopffalter, Bläulinge, Weißlinge und mitten drin mehrere Kleine Feuerfalter. Diese kleinen, feurig orangerot glänzenden Falter zogen die ganze Schar in ihren Bann und wurden dem Motto der Führung mehr als gerecht, denn darin waren sich alle einig: Das sind wahre Juwelen der Lüfte.

Auch wenn wir "nur" etwa 15 Tagfalterarten zu Gesicht bekamen, so waren sich doch alle einig, dass es eine gelungene Veranstaltung war. Wir hatten nicht nur die Tagfalter intensiv studiert, sondern auch zahlreiche botanische Kleinode gesehen: Acker-Rittersporn und Gauchheil, Bleitblättrige und Violette Ständelwurz, Weg- und Moschusmalve, um nur einige zu nennen.

M. Rommel
Bericht in den Schorndorfer Nachrichten vom 2. August 2004.

Am Montag, den 26.07.2004 erreichte uns folgende Nachricht:

Sehr geehrte Damen und Herren,
ich muß Ihnen ein ganz großes Lob aussprechen für die Wanderung entlang des Schmetterlingsweges im Urft-Tal am gestrigen Sonntag, 25.07.2004. Bei soviel geballtem Fachwissen, was zu dieser Wanderung gekommen war, hat wohl fast jeder noch ein gutes Stück Wissen und Fachkenntnis hinzugewonnen.
Herzlichen Glückwunsch zu dieser Leistung und bitte : weiterhin so lehrreiche und natur-begeisternde Wanderungen.
Dazu wünsche ich Ihnen gutes Gelingen ...
Liste der beobachteten Tagfalter-Arten
Grünader-Weißling Kleiner Kohlweißling Tintenfleck-Weißling Weißklee-Gelbling
Faulbaum-Bläuling Kleiner Sonnenröschen-Bläuling Hauhechel-Bläuling Kleiner Feuerfalter
Großes Ochsenauge Kleines Wiesenvögelchen Schachbrett Waldbrettspiel
Kaisermantel C-Falter Rostbrauner Dickkopffalter Braunkolbiger Braundickkopffalter
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