Im Anflug: Schwärmer, Spanner und andere NachtgestaltenRückblick auf die Nachtfalterbeobachtung am Mittwoch, den 19. Mai 2004Unter dem Motto "Schwärmer, Spanner und andere Nachtgestalten" wollten wir am 19. Mai 2004 einen Einblick in die Nachtfalterfauna in der Umgebung der Schinderhütte gewähren. Dazu hatten wir die Leuchtanlage von Thorsten Götz aufgebaut, die aus einer Schwarzlicht-Röhre und zwei 'superaktinischen' Röhren besteht. Letztere sind für das Anlocken von Insekten besonders geeignet, da sie Licht erzeugen, das ein breites Spektrum abdeckt und zudem einen hohen UV-Anteil besitzt. Die Bedingungen waren ausgezeichnet: Neumond und relativ warme und windstille Witterung. Daher hofften wir auf eine reiche Ausbeute und 12 Augenpaare schauten voller Erwartung auf die aufgespannten Leintücher, als wir kurz nach 21 Uhr die Lampen einschalteten. Da es immer noch ziemlich hell war, beobachteten wir zuerst ein Schauspiel, das abseits des Lichtkegels unserer Lampen statt fand: Im Schein der Taschenlampen pendelten zahlreiche Wurzelbohrer-Männchen über dem Gras und an einer Stelle, an der es regelrecht von ihnen wimmelte, fanden wir dann auch ein lockendes Weibchen. Außerdem konnte sich die kleine Gruppe stattliche Birkenspinner-Raupen und gift-grüne Eier vom Abendpfauenauge anschauen.
Es wurde rasch dunkler und am Licht fanden sich die ersten Gäste ein: Einige Pfaffenspanner flogen in zitterndem Flug um die Lichtquellen. Daneben zeigten sich zahlreiche Klein- und Kleinst-Insekten. Ein weiterer Spanner wurde gefangen und Christian von der NAJU bestimmte ihn mit Hilfe eines Bestimmungsbuchs völlig korrekt als Bapta bimaculata. Immer mehr Falter wurden angelockt und die interessantesten und markantesten wurden bestimmt und gezeigt: Sichelspinner, Sichelflügler, ein Mondfleck-Spanner, ein Gitterspanner. Dabei beantwortete Thorsten Götz ruhig und geduldig die vielen Fragen:
Kurz nach 22 Uhr geriet dann Bewegung in die Gruppe. Ein Kleiner Weinschwärmer hatte sich an einem der Leintücher festgesetzt und wurde ausgiebig bestaunt, als plötzlich ein ausgesprochen großer Falter im Licht erschien: Ein Pappelschwärmer. Er setzte sich über einer der Lampen fest, wo er den Rest des Abends verbrachte. Kaum hatten sich die Teilnehmer von ihrem Schreck erholt, da erschien die dritte Schwärmerart des Abends: ein Lindenschwärmer. Ein weiterer Kleiner Weinschwärmer umrundete in rasantem Flug die Lampen, gerade so, als wollte er die ausgezeichneten Flugkünste dieser Falter-Familie unter Beweis stellen. Plötzlich war ein tiefes Brummen zu hören, als ein ebenfalls vom Licht angelockter Maikäfer durch die Gruppe flog. In steter Unruhe flog er an den Leintüchern entlang und scheuchte unser Beobachtungsmaterial auf. Damit er unsere Beobachtungen nicht störte, wurde der Störenfried eingefangen und in einiger Entfernung hinter einer Baumgruppe wieder auf freien Fuß gesetzt. Die Bat-Detektoren, die zwei Teilnehmer dabei hatten, zeigten, dass wir nicht als Einzige auf Nachtfalter aus waren: Zwergfledermäuse jagten über unser Köpfe hinweg und labten sich am reich gedeckten Tisch. Im Schein der Taschenlampen konnte man sie deutlich sehen. Während wir uns auf diese Jäger konzentrierten, hatte sich eine weitere bemerkenswerte Nachtfalter-Art eingefunden, ein Pergamentspinner. Diese recht große und seltene Zahnspinner-Art saß mit typischer Körperhaltung bewegungslos auf einem der Tücher. Inzwischen ging es langsam auf Mitternacht zu und einige der Teilnehmer begannen zu frösteln. Da wir mit der Ausbeute sehr zufrieden waren, beschlossen wir, die Veranstaltung zu beenden und machten uns, begleitet vom Konzert der Frösche in den nahen Teichen, an den Abbau. M. Rommel
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