Bei warmem aber sehr windigen Wetter und bedecktem Himmel fand sich im Hohbachtal bei Urbach eine Gruppe von 22 Personen ein, um bei einem Rundgang durch den Lebensraum des Zitronenfalters mehr über diesen und andere in Waldnähe lebende Schmetterlinge zu erfahren.
Zuerst wiesen wir anhand von Fraßspuren und verlassenen Sitzpolstern von Zitronenfalter-Raupen nach, dass wir uns tatsächlich im Larvalhabitat des Zitronenfalters befanden. Unerwartet kam dann bereits der erste Höhepunkt: Direkt am Wegrand fanden wir einen ganz frischen, ruhenden Kleinen Weinschwärmer. Mit seiner farbenprächtigen Zeichnung zog der schöne Falter alle in seinen Bann. Kaum einer hatte diesen gar nicht so seltenen Falter schon in natura gesehen.
Wenige Meter weiter fanden wir eine Jungraupe des Kleinen Eisvogels auf der von ihr gebauten Kotrippe auf einem Blatt der Roten Heckenkirsche, seiner wichtigsten Nahrungspflanze im Raum Schorndorf.
Ein sonniges Fleckchen inmitten des schattigen Waldes beanspruchte ein Waldbrettspiel-Männchen als Revier. Seinen Anspruch machte es deutlich, indem mehrere durchfliegende Falter sofort inspiziert und "vertrieben" wurden. Nicht so die C-Falter-Raupe, die sich direkt daneben an einer Brennnessel gütlich tat. In einem zusammengerollten Brennnesselblatt fanden wir die dattelkernartige Puppe eines Brennnessel-Zünslers. Eine frische und eine schon etwas ältere Puppe des Aurorafalters und mehrere Eier des Grünader-Weißlings
entdeckten wir an Knoblauchrauke, direkt am Wegrand.
Beim anschließenden Rundgang um eine mit Hochstauden bewachsene Waldlichtung beobachteten wir Falter bei der Nahrungsaufnahme, darunter Zitronenfalter, Admiral, Landkärtchen, C-Falter und Faulbaum-Bläuling.
Foto: G. Becker
Ein Teilnehmer fand eine "Raupe" an einem Schachtelhalm. Bei genauer Betrachtung zeigte sich jedoch, dass es sich bei dem Tier um eine Blattwespen-Larve handelte. Dies war der willkommene Anlass für eine kurze Einführung in den Körperbau von Schmetterlingsraupen.
Aber auch andere Beobachtungen kamen nicht zu kurz: Höhepunkt, vor allem bei den jüngeren Teilnehmern, war eine junge, etwa 30 cm lange Ringelnatter, die sich durch eine mit Wasser gefüllte Wagenspur schlängelte. Weiterhin sahen wir mehrere blühende Exemplare der Breitblättrigen Ständelwurz, Tausendgüldenkraut, Prachtlibellen und einen flüggen Jungbussard, der vergeblich seine Eltern anbettelte, um nur einige zu nennen.
Zum Abschluss beschauten wir uns noch kurz die typischen Tagfalterarten der Hohbachwiesen: Schachbrettfalter, Kleines Wiesenvögelchen, Brauner Feuerfalter. Den herrlichen Schwalbenschwanz konnte leider nur ein kleiner Teil der Gruppe sehen, aber ihm hatten wir im Jahr 2000 ja schon eine eigene Exkursion gewidmet.
Obwohl die meisten Falterarten wegen des bedeckten Himmels und des sehr starken Windes nicht besonders aktiv waren, waren wir mit unserer Ausbeute doch sehr zufrieden. Besonders die Tatsache, was sich an Schmetterlings-Eiern, Raupen und Puppen alles direkt am Wegrand finden lässt, wenn man nur einen Blick unter die Blätter wagt, war für viele der Teilnehmer doch überraschend.