Der Buntspecht und seine Verwandten

Rückblick auf den Diavortrag vom 21. November 1997

Buntspecht-Männchen
Foto: G. Becker

Vom Vogel des Jahres 1997 und manches über ihn, was selbst erfahrene Vogelkundler nicht wussten, erzählte Dr. Klaus Ruge in seinem Lichtbildervortrag: Dabei war deutlich zu spüren, dass Dr. Ruge seine Forschungsarbeit den Spechten widmete und als ehemaliger Leiter der Vogelwarte Radolfzell nun in der Umweltbildung tätig ist und Hörfunkarbeit betreibt.
Ein seltener oder gar vom Aussterben bedrohter Vogel ist der Buntspecht keineswegs. Man findet ihn  in jedem Wald, ja sogar im Garten und im Stadtpark.  Mitunter zerschlägt er sogar an den Häusern die Vollwärmedämmung, weil sie ihm morsches Holz vortäuscht. Im Ludwigsburger Favoritenpark zählte man auf 100 ha rund 30 Brutpaare, in anderen Gebieten, wie dem schönen Engadiner Bergwald, hingegen nur 2 bis 5 Paare. Der Buntspecht hat nämlich sein Hauptverbreitungsgebiet gerade in unseren strukturreichen Laubmischwäldern. Darum kommt uns eine besondere Verantwortung für diese Vogelart zu.
Der Buntspecht ist zurecht Symbolvogel unserer Wälder; zusammen mit den anderen Spechten erschließt er den Wald für viele andere Tierarten: Wo brüteten Sperlingskauz und Kleiber ohne den Buntspecht? Wo Wiedehopf und Steinkauz ohne Grünspecht? Wo die Hohltaube, gäbe es nicht den Schwarzspecht?
Wie Dr. Ruge den gut 40 Zuhörern in der Aula des Burg-Gymnasiums vor Augen führte, sucht der Buntspecht seine Nahrung weniger hinter der Rinde alter Baumstämme, sondern hauptsächlich an jungen Bäumen. Dort liest er Raupen von den Blättern, welche auch die Hauptnahrung der Jungen darstellen. Doch auch am Boden finden Spechte ihre Nahrung, so zum Beispiel holen die Buntspechte mit der bis zu 14 cm langen Zunge Ameisen aus ihren Gängen.
Einen verwaisten Jungschwarzspecht zog eine Schwäbin im Bodenseeraum mit Spätzle auf - sie waren so ziemlich das einzige, was der Jungvogel zu sich nahm, und hatten zumindest für ihn wohl das Aussehen leckerer Raupen. Jedenfalls wuchs der "Spätzlespecht" zu einem besonders großen und prächtigen Exemplar heran, das anschließend viele Jahre sein Zuhause bei Dr. Ruge in der Vogelwarte Radolfzell hatte.
Schließlich zeigte Dr. Ruge Stücke von "geringelten" Baumstämmen. Dort hatte der Specht rings um den Stamm herum Löcher in die Rinde geschlagen, um den kurze Zeit später austretenden Saft aufzunehmen. Dieses Ringeln ist durchaus typisch für die Spechte, wenngleich man es an den Bäumen in unseren Wäldern und Wiesen nur selten zu Gesicht bekommt.

Manfred Stephan


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