Naturkundliche Exkursion zum Neusiedler SeeRückblick auf die Exkursion von 1996BerichtListe der beobachteten Vogelarten. Liste der wichtigsten Pflanzenarten BerichtNeusiedler See - ein Paradies für Vögel und Vogelfreunde gleichermaßen. Da lohnt sich selbst eine 10stündige Busfahrt von Schorndorf ins Burgenland nach Österreich, so geschehen am 21. Mai 1998. Da ist zunächst der Neusiedler See selbst, mit rund 300 km² etwa halb so groß wie der Bodensee, aber völlig flach, so dass ihn die etwas längeren Menschen überall durchqueren könnten. Damit bietet er ausgedehnte Ufer- und Flachwasserzonen - eben ein Paradies für Wat- und Wasservögel. Und dann schließt sich im östlichen Bereich der sogenannte Seewinkel an, ein ausgedehntes Feuchtgebiet mit unzähligen Wasserstellen, Seen und Salzlacken, eingerahmt von der ebenen Steppenlandschaft der Puszta - schließlich gehört der Südzipfel des Neusiedler Sees bereits zu Ungarn. In Illmitz, wo für die 30 Teilnehmer der Exkursion Zimmer in Frühstückspensionen reserviert sind, beeindrucken die zahlreichen Storchennester auf den Dächern der gastfreundlichen Häuser, die oft zugleich Weinbauhöfe sind. Storchenjunge gibt es jetzt noch nicht; in manchem Nest steht ein einzelner Storch und wartet auf den Brutpartner; das typische Begrüßungsklappern ist also nur dort zu hören, wo sich das Paar bereits gefunden hat. Schon der erste Beobachtungsgang zur "Zicklacke" zeigt die Fülle der Region: In der Uferzone leuchten langbeinige Vögel mit ihrem kontrastreichen, schwarzweißen Federkleid hervor und die nach oben gebogenen Schnäbel lassen sofort erkennen, worum es sich handelt: die Säbelschnäbler suchen im flachen Wasser nach Nahrung. Andere sitzen auf kleinen Sandbänken und lassen sich durchs Spektiv genauestens beobachten. Dann geschieht das Besondere: Ein brütender Säbelschnäbler steht auf und gibt den Blick durchs Spektiv frei auf sein Gelege, 4 ziemlich große, sandfarbene Eier mit dunklem Klecks obenauf. Löffler pendeln mit ihren langen, breiten Schnäbeln rhythmisch durchs Wasser; zum Verschlucken der Beute heben sie den Kopf und dann ist die Löffelform ihres Schnabels klar zu erkennen. Weiter hinten im Brackwasser schwimmt die Kolbenente - die einzige Entenart mit schwarzem Bauch. Dann beeindrucken Rotschenkel die Teilnehmer mit ihrem Balzflug, lassen dabei die leuchtend orangeroten Beinchen hängen und zeigen deutlich den weißen Flügelhinterrand, der bei der Bestimmung sehr hilfreich ist. Der Rotschenkel bleibt für mich mit seinem markantem Gesang als "Vogel Düdülüt" in Erinnerung. Am Abend dann eine Wanderung durch die Zitzmannsdorfer Wiesen, wo im dichten Schilf der dumpfe Ruf der Rohrdommel zu hören ist, was sich anhört, wie wenn man über eine leere Bierflasche pfeift. Wer bislang die Unkenrufe nur von notorischen Pessimisten kennt, darf sie jetzt von echten Rotbauchunken hören. Und schließlich stimmen zwei Schwirle in das Konzert ein, so daß man den Dauergesang des Rohrschwirls direkt mit dem höher und heller tönenden Gesang des Feldschwirls vergleichen kann. Der erste Höhepunkt des nächsten Tages findet sich in der urtümlichen Flußlandschaft der March: Eine Storchenkolonie auf hohen, alten Eichen. In manchen der Nester haben schon etliche Generationen von Weißstörchen das Licht der Welt erblickt; in den stabilen Bauwerken wohnen jetzt auch Untermieter, hauptsächlich Spatzen. Auf dem Weg durch den Auenwald entdecken wir immer wieder botanische Raritäten bis schließlich die Aufmerksamkeit zwei fast nebeneinander sitzenden Schwarz- und Braunkehlchen gilt. Den zweiten Tageshöhepunkt bietet das ungarnnahe Hansàggebiet: Großtrappen, mit bis zu 18kg Gewicht Europas schwerste Vögel. Ein Trappenhahn stolziert behäbig mit seinen sechs Hennen auf einer Wiese, zunächst ragen nur die aufrechten Hälse und grauen Köpfe aus dem Gras heraus, aber dann behindert nichts mehr den Blick auf diese imposanten und seltenen Vögel. Manche vom Schorndorfer NABU waren schon oft im Hansàg, so gut wie jetzt konnten sie die Großtrappen noch nie beobachten. Absoluter Höhepunkt der Langen Lacke ist der Kiebitzregenpfeifer: Diesen bei uns sehr seltenen Tundra-Vogel sieht selbst der erfahrene Vogelkundler Erwin Lang erstmals in freier Natur - Gernot Becker und Erwin Lang sind die Leiter dieser mehrtägigen Exkursion. Gerade im Pflanzenbereich kann Gernot Becker auf zahlreiche Besonderheiten aufmerksam machen, so stellt er den Teilnehmern im Seewinkel den Echten neben dem Wiesensalbei vor, die violette Königskerze, etliche Orchideen-Raritäten und vieles mehr. Am Nachmittag dann eine Ausfahrt zu den Stinkerseen, die ihrem Namen keineswegs entsprechen. Vielmehr liegt der Duft von Holunder und Ölweiden in der Luft. Silberreiher ziehen in majestätisch-behäbigem Flug über den See, ein Schwarm von Alpenstrandläufern kreist über dem Wasser und zeigt dabei das Gefieder-Wechselspiel zwischen den rotbraunen Oberseiten und den schwarzen Bauchflecken. Endlich gelandet suchen sie emsig und unaufhörlich mit dem Schnabel im Wasser nach Nahrung. Zum Abschluss kommen auch noch die in Mitteleuropa recht seltenen Seeregenpfeifer vor die Ferngläser und Spektive; das geht für die Teilnehmer der Ausfahrt jedoch beinahe unter in der großen Fülle von Enten- und Gänsearten sowie Wat- und Wasservögeln, denen sie im Raum Neusiedler See begegnet sind. Manfred Stephan
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