Schorndorfer Nachrichten
vom 31. August 2009

Mehr Streuobst-Apfelsaft trinken!

Das würde helfen, die wichtigen Schutzräume für die Tierwelt zu erhalten

Urbach. Warum sind die Streuobstwiesen mit ihren oftmals alten, verwitterten Bäumen so wichtig? Warum schaffen sich Ehrenamtliche den Buckel krumm, um diese Bäume zu erhalten? Antworten darauf gab jetzt Jörg Daiss vom Nabu im Rahmen unserer "Sommertour in den Lebensraum Streuobstwiese".
Urbach war einstmals eine der größten Weinbaugemeinden des Remstals. Als immer höhere Ansprüche an den Wein gestellt wurden - und als gleichzeitig die Reblaus den hiesigen Weinstöcken schwer zu schaffen machte, stiegen die Landwirte um auf Erwerbsobstbau.
Als die Grenzen in Europa immer offener wurden und der Handel globale Ausmaße annahm, war's aus mit der Herrlichkeit: Die Preise für Obst fielen in den Keller, die Landwirte konnten von ihren "Stückle" nicht mehr leben. Und viele, die heutzutage noch ein "Stückle" haben, würden es lieber heute als morgen abgeben - wenn sie denn einen Käufer fänden.
Bei der Führung durch die Urbacher Streuobstwiesen zeigte Jörg Daiss Beispiele besonders heruntergekommener und besonders gut gepflegter Streuobstwiesen. Tun die Besitzer nichts, dann holt sich die Natur in wenigen Jahren die Grundstücke zurück. Brennnesseln, Brombeeren und Weiden nehmen den Bäumen das Licht. Und am Ende ist's aus mit der Kulturlandschaft.
Jetzt könnte man ja sagen, dass eine Naturlandschaft besser sei als eine Kulturlandschaft. Eine sich selbst überlassene Naturlandschaft aber wäre, zumindest in unseren Breiten, das Ende der Zivilisation.
Die Kulturlandschaft, wie sie über Jahrhunderte bestanden hat, ist gleichzeitig auch eine recht naturnahe Landschaft: Wenn, um das Paradebeispiel zu nehmen, die Vogelwelt in einem Gebiet in Ordnung ist, dann ist auch die übrige Welt in Ordnung. Denn den Vögeln kann's nur dann gutgehen, wenn die Rahmenbedingungen stimmen: Das Futterangebot muss - insbesondere in und nach der Brutzeit - ausreichend sein. Raupen bilden hier das Rückgrat der Ernährung der jungen wie der alten Vögel. Außerdem brauchen die Vögel Brut- und Unterschlupfmöglichkeiten. Die finden sie in den Bäumen. Freilich nicht im ausreichenden Maße. Deshalb hängen die Leute vom Nabu oder auch vom Urbacher Verein Hochstamm Nistkästen auf, die freilich auch gepflegt werden müssen. Woraus ersichtlich wird, dass Natur- und Vogelschutz zusammengehören und Jörg Daiss froh darüber ist, dass das frühere Nebeneinander von Natur- und Vogelschützern aufgehört hat.
Der Verein hat Grundstücke aufgekauft
Jörg Daiss abschließend: "Wenn die Leute mehr Apfelsaft aus Streuobstgebieten trinken würden, dann würde sich die Arbeit für die privaten Grundstücksbesitzer auch mehr lohnen. Und dann hätte auch die Natur etwas davon."
Das Schaffen in den oft steilen Streuobstwiesen ist eine rechte Plackerei. Sie kostet viel Zeit und auch Geld. Nicht überall gibt's solche Vereine wie den "Hochstamm", die sogar Streuobstwiesen aufkaufen, um in zusammenhängenden Stücken relativ effektiv arbeiten zu können. Am liebsten wär's Jörg Daiss, wenn sich die jeweiligen Grundstücksbesitzer mehr um den Erhalt der Streuobstwiesen und die darauf stehenden Bäume kümmern würden (von einer Bewirtschaftung durch den Staat hält Daiss schon gar nichts). Der private Grundstücksbesitzer würde sich auch mehr engagieren, wenn er einen Sinn darin sehen würde. Beispielsweise in einem höheren wirtschaftlichen Ertrag. Dass das geht, sagte Fritz Oesterlen, Schnittkurs-Fachwart aus Winterbach: Dort haben sich Erzeuger zusammengetan und lassen zertifizierten Saft herstellen. Das hat, sagt Oesterlen, den Preis auf das Doppelte hochgetrieben.


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