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Schorndorfer Nachrichten
vom 28. Oktober 2008 Das kurze Leben eines Zwergtaucher-AlbinosDieter Schnabel entdeckte auf einem Weiher bei Plüderhausen seltene Spielart der Natur / Vogel sah wenig und flog nicht
Plüderhausen. Der Zwergtaucher ist ein Wasservogel, der zur Familie der Lappentaucher gehört und in unserem Raum regelmäßig brütet. Mit 25 bis 30 Zentimeter Länge ist er kleiner als der bekannte Haubentaucher. Er lebt auf vegetationsreichen, ruhigen Gewässern, wo ihn sein braunes, kastanienfarbenes Gefieder gut tarnt
Dieter Schnabel entdeckte heuer auf einem Weiher bei Plüderhausen einen Albino-Zwergtaucher. Er sah Ende März ein Vogelpaar mit fünf etwa zwei, drei Tage alten Jungvögeln. Eines der Jungen war vollständig weiß mit roten Augen, ein Vollalbino. Auslöser ist ein Mangel des Hormons Melanin. Dieser wird vererbt, erscheint jedoch meist generationenlang nicht. Jetzt bot sich für den Nabu und Interessenten die seltene Chance, die weitere Entwicklung zu beobachten und zu dokumentieren: Gibt es Verhaltensauffälligkeiten? Wie groß sind die Überlebenschancen? In den ersten Wochen: nichts Besonderes. Alle Jungvögel bettelten heftig um Nahrung und wurden regelmäßig gefüttert. Nach sechs bis sieben Wochen können junge Zwergtaucher fliegen. So war es nicht überraschend, dass Ende Mai eines der fünf Geschwister fehlte. Der Albino blieb da. Die Eltern fütterten jetzt unregelmäßig. Die Jungen unternahmen Tauchgänge. Dabei erbeuteten sie offensichtlich nur kleine Tiere und verschluckten sie sofort. Bereits Mitte Juni jagten alle Jungvögel selbstständig in verschiedenen Bereichen des Teiches. Dennoch bettelten sie ihre Eltern heftig, aber erfolglos um Futter an. Von Aggressionen der Altvögel gegenüber dem Albino war nichts zu sehen. Als die Jungen neun Wochen alt waren, konnte man nur noch einen der beiden Altvögel, einen Jungvogel und den Albino am Teich sehen. Jetzt war der Altvogel manchmal aggressiv zu dem schon gleichgroßen Albino. Der weiße Zwergtaucher entwickelte eine auffällige Sensibilität: Er zuckte bei jedem Warnlaut benachbarter Teichrallen zusammen und legte dabei das Gefieder wie vor einem Tauchgang an. Einmal warnten die Teichrallen wegen eines vorbeifliegenden Sperbers heftig. Die erwachsenen Zwergtaucher versteckten sich 20 Minuten lang im Schilfgürtel. Das normal gefärbte Junge verschwand ebenfalls, aber nur für vier Minuten. Auch der Albino versteckte sich, blieb allerdings rund eine Stunde lang unsichtbar.
Nach 15 Wochen - Mitte Juli - zeigten sich wieder beide Altvögel. Das Paar hatte wieder gebrütet und kümmerte sich nun um drei Jungvögel. Der normal gefärbte Jungvogel aus der ersten Brut wurde wiederholt von den Eltern angegriffen, wenn er sich den Kleinen näherte. Obwohl der Albino dabei nur einen Meter neben seinem Geschwister schwamm, attackierten ihn die Eltern nicht. Möglicherweise erkannten die Altvögel den weißen Zwergtaucher nicht als Artgenossen. In den folgenden Wochen bevorzugte der Albino offenbar Bereiche des Weihers, die das Elternpaar nicht nutzte. Vielleicht wurde er doch von den Eltern dorthin verdrängt. Für kurze Phasen gesellte sich sein Nestgeschwister zu ihm.
Anfang August war der Albino fünf Monate alt. Jetzt wurde deutlich, dass er nicht fliegen, nur flattern konnte. Unbeholfen flüchtete er, wenn die Teichrallen erschreckt aufflogen. Ein paar Tage später gab es ihn nicht mehr. Vermutlich ist er leichtes Opfer eines Fressfeindes geworden. Albinos sehen wegen des Melaninmangels nur schlecht und sind durch ihr weißes Federkleid sehr auffällig. So hat der Albino seine 20. Woche offenbar nicht mehr erlebt.
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