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Schorndorfer Nachrichten
vom 9. September 2008 Echte Rarität: Der große FeuerfalterThorsten Götz vom Naturschutzbund fand den Schmetterling bei Haubersbronn
Schorndorf. Der Große Feuerfalter ist unter den heimischen Schmetterlingen eine echte Rarität. Bisher war kein Vorkommen im Schorndorfer Raum bekannt. Jetzt hat ihn Thorsten Götz vom Naturschutzbund (Nabu) Schorndorf und Umgebung auf Haubersbronner Gebiet entdeckt. Zwei Weibchen des Großen Feuerfalters (Lycaena dispar) saugten an Blutweiderich, der unweit des Umfahrungs-Neubaus am Wegrand stand.
Bei der anschließenden Suche nach Eiern wurden 14 in der nahen Umgebung an Ampfer gefunden. Das ist eine typische Nahrungspflanze für die Raupen. Dies zeigt, dass sich die Art hier wohlfühlt und vermehrt.
Götz beschäftigt sich mit dem Großen Feuerfalter, der zur Familie der Bläulinge gehört, schon lange. In den letzten Jahren suchte er den Falter im Kraichgau und in der Oberrheinebene jedoch vergeblich, obwohl in diesen klimatisch begünstigten Naturräumen die Verbreitungsschwerpunkte Baden-Württembergs liegen. Die seltene Schmetterlingsart hat sich in den letzten 15 Jahren in Baden-Württemberg nach Norden und Osten ausgebreitet. Mögliche Erklärung dafür wäre eine Klimaerwärmung, von der die wärmeliebende Art profitiert. Diese Ausbreitungswelle scheint aber mittlerweile zum größten Teil gestoppt oder sogar wieder rückläufig. Jedoch gibt es in der Umgebung von Backnang seit einiger Zeit ein Vorkommen des Großen Feuerfalters. Eventuell ist er von dort nach Haubersbronn eingewandert. Götz vermutet weitere Vorkommen im Wieslauftal und Remstal.
Seine typischen Lebensräume sind blütenreiche Bachufer mit angrenzenden feuchten Wiesen, wo die Nahrungspflanze der Raupe wächst. Gleichzeitig müssen die Stellen sonnig, warm und feucht sein. Die Haubersbronner Fundstelle entspricht diesem Typus nicht so recht. Deshalb meint Nabu-Schmetterlingsexperte Michael Rommel, dass sich der Große Feuerfalter nicht infolge der Umfahrungs-Baumaßnahmen angesiedelt hat. Vielmehr gab es ihn wohl schon vorher dort, er wurde eben nur nicht entdeckt.
Es ist nicht leicht, den Großen Feuerfalter aufzuspüren: Die Populationen sind räumlich sehr eng begrenzt und die Schmetterlinge fliegen pro Jahr nur in zwei kurzen Phasen von jeweils etwa drei Wochen. Nur wenn man diese Flugtage erwischt, sind die Falter zu sehen, bei denen die attraktiven Männchen durch ihre intensiv goldrot gefärbten Flügel auffallen. Bei den Weibchen sollte man den Großen Feuerfalter nicht mit dem häufigeren Kleinen Feuerfalter (Lycaena phlaeas) verwechseln, dessen Hinterflügelunterseite dunkler gefärbt ist und nur kaum sichtbare Punkte aufweist.
Zu Gefährdung und Schutz führt Thorsten Götz aus: Der Große Feuerfalter ist in der Roten Liste gefährdeter Tiere Deutschlands als stark gefährdet eingestuft. Zudem ist die streng geschützte Art durch die Europäische Union im Anhang II der FFH-Richtlinie (Fauna, Flora, Habitat) als "Art von gemeinschaftlichem Interesse" aufgeführt, zu deren Erhalt die einzelnen Mitgliedsstaaten sich verpflichtet haben. Seine Gefährdung ergibt sich besonders durch großflächiges Mähen der Wiesen sowie durch Bach- und Grabenpflege während der Flugzeit. Durch die Mahd sind Eier, Raupen und Puppen bedroht und für die Falter geht das Blütenangebot zurück. Schutzziel muss es sein, unregelmäßig gemähte Wiesen entlang von Bächen und Entwässerungsgräben mit deren blütenreicher Ufervegetation zu erhalten.
Kurzschwänziger Bläuling auch da
Noch ein weiterer für den Raum Schorndorf neuer Tagfalter wurde entdeckt: der Kurzschwänzige Bläuling (Cupido argiades). Der Fund gelang bei einem Pflegeeinsatz des Nabu im Naturschutzgebiet "Morgensand und Seelachen". Namengebend sind die kleinen Schwänzchen an den Hinterflügeln. Der Falter ist sowohl in feuchten Wiesen und Gräben als auch an trockenen Wegrändern und Böschungen anzutreffen. Da es sich um eine vagabundierende Spezies handelt, kann jedoch noch nicht von einem stabilen Vorkommen gesprochen werden.
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