|
Schorndorfer Nachrichten
vom 19. Januar 2008 Es kreucht und fleucht im Rems-Murr-KreisDas ist aber ein dicker Wälzer: Der Schorndorfer Naturschutzbund hat an einem umfangreichen Nachschlagewerk mitgearbeitet
Von unserer Mitarbeiterin Silvia Dittinger
Schorndorf. Schuppig, glitschig und irgendwie prähistorisch: Von Reptilien und Amphibien war Gernot Becker schon als Kind begeistert. Seine Leidenschaft teilt er mit Arnold Sombrutzki. Zusammen mit Wolfgang Schnabel und Michael Rommel haben die beiden am Buch "Die Reptilien und Amphibien Baden-Württembergs" mitgearbeitet: ein beispielhaftes Engagement des Naturschutzbundes Schorndorf.
Bereits 1980 begann der Naturschutzbund Schorndorf und Umgebung (Nabu) mit der Erfassung einheimischer Amphibien und Reptilien. Die Arbeiten am Buch starteten bereits zwei Jahre früher. Knapp zwanzig Jahre später, 1999, integrierte dann die Landesanstalt für Umweltschutz (LfU) den Nabu in die Erfassung für das Buch. "Alle, die Kenntnisse besaßen, machten mit", erzählt Gernot Becker, seit 50 Jahren Nabu-Mitglied. Das Buch diene aber nicht nur der Aufzählung von Amphibien und Reptilien, sondern weise auch auf die Gefährdung der jeweiligen Arten hin. Im Rems-Murr-Kreis ist das Wesentliche zum Artenschutz aber bereits getan, meint Becker. Trockenmauern seien bereits geschützte Biotope und die raren Feuchtgebiete werden besonders gepflegt. Durch die jährlich vom Naturschutzbund veranstalteten Bach- und Kleingewässerführungen würden besonders Kinder an die Wichtigkeit des Naturschutzes herangeführt.
Nicht nur bei uns sind Amphibien und Reptilien bedroht. Es sei ein weltweites Problem. Ausgelöst durch verschiedene Pilze und die erhöhte UV-Strahlung. Gernot Becker erinnert sich an einen bizarren Fall in Stetten: "Plötzlich hatten die Kröten dort sechs oder acht Beine. Wir vermuten eine Vergiftung des Wassers hinter diesem Phänomen. Der Tümpel wurde daraufhin geschlossen."
Der größte Feind der schuppigen Tiere ist und bleibt jedoch der Straßenverkehr. Deshalb werden jedes Jahr Krötenzäune von den Bund-Naturschutz-Ortsgruppen aufgestellt. Auch beim Straßenbau könne der Naturschutzbund Einspruch erheben und eine Untertunnelung beantragen. "Das ist dann präventiver Artenschutz", erklärt Beckers Nabu-Kollege Arnold Sombrutzki.
"Die Zunahme der Ballungsräume und der steigende Flächenverbrauch führt zur Verinselung und Zerschneidung der Landschaft und somit auch zur Zerstörung der Lebensräume der Amphibien und Reptilien", so Sombrutzki weiter.
Nicht einmal die Wälder sind noch ungestörte Orte. "Waren die Wege früher noch mit Wasserläufen versehen, gleichen sie heute kleinen Autobahnen", findet Becker. Molche oder Gelbbauchunken zum Beispiel brauchen aber diese Wasserrinnen. Dort können sie noch ungestört leben und sich fortpflanzen, denn es gibt keine Fische oder andere Lebewesen, die ihnen und ihrem Laich gefährlich werden könnten. Aber da die Wege immer ebener werden, verschwinden auch die Bewohner der Wasserrinnen immer mehr. Nur noch in den rund einhundertfünfzig Kleinst- und Minibiotopen ist ein ungestörtes Leben noch möglich.
Zum Schluss konnten Becker und Sombrutzki auch noch mit einem hartnäckigen Gerücht aufräumen. Es gibt hier im Rems-Murr-Kreis keine giftigen Schlangen. Viele Menschen verwechseln eine Schlingnatter, aufgrund ihrer ähnlichen Zeichnung, mit einer Kreuzotter. Diese findet man aber nur im Schwarzwald. Es droht also keine Gefahr. Außer, es entwischt einem Schlangenbesitzer mal wieder sein beinloses Tier aus dem Terrarium.
Info
An diesem Buch haben die Engagierten des Naturschutzbundes Schorndorf und Umgebung mitgearbeitet: Laufer/Fritz/Sowig (Hrsg.): Die Amphibien und Reptilien Baden-Württembergs, Ulmer, 2007. 807 Seiten. Preis: 49,90 Euro.
|
|
||
|
|||