Schorndorfer Nachrichten
vom 4. August 2005

Sie lieben den Halbschatten und Käse

Zwei besondere Schmetterlingsarten, der Große und der Kleine Schillerfalter fliegen auch bei uns

Schorndorf.
Von Ende Juni bis in den August hinein kann man in der Umgebung von Schorndorf Schmetterlingen begegnen, die zu den prächtigsten Arten Europas zählen und auch den Vergleich mit der tropischen Konkurrenz nicht zu scheuen brauchen: die Schillerfalter.
Nicht sonnig-heiße Blumenwiesen sind ihr Revier, sondern feuchte, schattendurchwirkte Wälder. Dort, wo laue Sonnenstrahlen durch das Blätterdach dringen und die dunklen, feuchten Schatten erhellen, sind sie zu finden. Doch selbst hier meiden sie das pralle Sonnenlicht und halten sich meist in den halbschattigen Bereichen auf. Von den drei europäischen Arten kommen gleich zwei in der Umgebung von Schorndorf vor: Großer (Apatura iris) und Kleiner Schillerfalter (Apatura ilia). Beide sind in der Roten Liste Baden-Württembergs als gefährdet eingestuft.
Die weiblichen Schillerfalter halten sich meist in den Baumkronen auf, man bekommt sie nur sehr selten zu Gesicht. Die Männchen saugen dagegen gerne auf Waldwegen und Bachrändern an übel riechenden Stoffen wie Aas oder Exkrementen. Nur sie besitzen die speziell gebauten Flügelschuppen, denen die Art ihren Namen verdankt.
Großer Schillerfalter (Klicken zum Vergrößern, 24 kByte )
So sieht er aus, wenn man ihn zu sehen bekommt, der Große Schillerfalter.
Um auf diese prachtvollen Tiere aufmerksam zu machen, veranstaltete der NABU Schorndorf eine Führung, auf der die Tiere und ihr Lebensraum vorgestellt wurden. Thorsten Götz und Michael Rom-mel führten 20 Interessierte durch das Reich der Schillerfalter. Als sich die Gruppe aufmachte, um dem Verlauf eines angenehm schattigen Waldwegs zu folgen, durchzuckten plötzlich irisierende, blaue Lichtblitze die Luft und in einem Wirbel aus Farben umflatterte ein Schillerfalter die Gruppe. Ein Männchen des Kleinen Schillerfalters war von seinem Nahrungsplatz am Wegrand aufgescheucht worden und inspizierte die Eindringlinge. Im Halbdunkel des Waldes, in dem sich Licht und Schatten in rascher Folge abwechseln, kann das Auge dem schnellen Flug kaum folgen. Nach mehreren Rundflügen ließ es sich in einiger Entfernung wieder nieder. Jetzt zeigte sich, wie scheu diese heimlichen Waldbewohner sind. Näher als zwei bis drei Meter konnte sich niemand dem Tier nähern, ohne dass es wieder aufflog.
Rommel legte den mitgebrachten Käseköder aus, der auf dem Rückweg kontrolliert werden sollte, denn neben Kot und Aas zeigen die männlichen Tiere auch eine besondere Vorliebe für menschlichen Schweiß und Käse. Auf dem dreistündigen Rundgang wurde an einer Wegkreuzung ein auffallend großer Falter gesichtet, der dort im Halbschatten saß und an der vom nächtlichen Regen noch feuchten Erde saugte. Es handelte es sich um ein Männchen der zweiten hier beheimateten Schillerfalterart: ein Großer Schillerfalter. Auch seine Flügel zeigten bei jeder Bewegung das bereits bekannte irisierende Blau.
Zurück bei dem zuvor ausgelegten Köder zeigte sich, dass dieser seine Wirkung nicht verfehlt hatte. Ein Schillerfalter-Männchen - ein Rotschiller - hatte ihn entdeckt und labte sich daran. Beim Rotschiller handelt es sich um eine Unterart des Kleinen Schillerfalters, bei der die Flügelgrundfarbe ockerbraun ist und strahlend violett leuchtet. Sie ist im Schurwald häufiger als.die dunkle Form. Das sonst so scheue Tier war von dem Geschmack des Käses derart angetan, dass es Annäherungen bis auf wenige Zentimeter duldete.


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