Schorndorfer Nachrichten
vom 29. August 2005

Sie mögen Schnaken, Motten und das Zwielicht

... und haben doch viele Freunde: Zur Fledermaus-Exkursion des NABU Schorndorf kamen etwa 120 Interessierte

Über 100 Interessierte fanden sich zur Fledermausbeobachtung ein
NABU-Fledermausexperte Günther Lang erläutert seinen Detektor, ehe es losgeht zur Fledermausexpedition.
Bild: Pavlovic
Schorndorf (mpf). Sie mögen Schnaken, Motten, Nachtfalter, Laufkäfer und Zwielicht - und haben doch viele Freunde in der Stadt. Zur NABU-Fledermaus-Exkursion mit Günther Lang und Dietmar Reiniger am Samstagabend kamen 120 Interessierte. Mit bloßen Augen und zwei Detektoren beobachteten sie "Größe Abendsegler" und Zwergfledermäuse.
Um es vorwegzunehmen: Umschwärmt von Fledermäusen wurde die ansehnliche Schar nicht gerade, die erst die Lortzingstraße hoch lief und dann am Rehfeldsee entlang zum Grüßgottwegle marschierte und oben rum wieder über die Johannesstraße und den Ziegeleisee zurück. Aber immerhin ließen sich mehrere große Abendsegler sehen, und Dietmar Reiniger schaffte es, die rhythmischen Laute einer Zwergfledermaus mit seinem hochsensiblen Detektor (der die ausgesandten Laute in für Menschen hörbare Frequenzen übertrug) aufzunehmen und wohl vernehmlich wieder zu geben. Somit war die Fantasie und das Interesse der vielen Kinder geweckt. Sie fragten den beiden Fledermausschützern Löcher in den Bauch.
So erfuhren sie, dass es in Schorndorf etwa "sieben, acht Arten" (Zwergfledermaus, Wald- und Wasserfledermäuse, Fransenfledermaus, großer Abendsegler, großes Mausohr, vielleicht Hufeisennase) gibt und die Flattermäuse Gewohnheitstiere sind. Denn sie fliegen beim Jagen oft dieselben Strecken und kurven, wenn beispielsweise ein Baum gefällt wurde, immer noch drum rum, als ob er als Hindernis noch stehen würde.
Großer Abendsegler
Er war am Samstagabend nahe dem Rehfeldsee bei der Jagd zu beobachten: Großer Abendsegler.
Bild: Pavlovic/Archiv
Wer eine verletzte Fledermaus findet - erst kürzlich verfing sich in Oberberken eine Fledermaus an einem Säulenkaktus - sollte, so Günther Lang, aufpassen, dass er nicht gebissen wird. Sonst müsse das Tier getötet werden, um sicher zu gehen, ob es nicht Tollwut hatte. Lang selbst bringt verletzte Tiere, die sehr dünne, zerbrechliche Knochen haben, nach Tübingen zu einer Frau, die sich darauf spezialisiert hat, Fledermäuse zu kurieren.
Was manche auch nicht wussten: Die Weibchen bilden mit ihrem Nachwuchs eine Wochenstube, in der die Männchen nichts verloren haben. Drin geht's sehr sozial zu. Während einige Weibchen beim Nachwuchs bleiben und ihn säugen, gehen andere auf Futterjagd. Bei den ersten Flügen hängt sich der Nachwuchs, der das Fliegen erst noch lernen muss, an die Mutterzitzen und fliegt mit. Außerdem verstehen es die Weibchen, den Zeitpunkt der Geburten (Zwergfledermäuse bekommen meist einmal im Jahr Zwillinge, die andere Arten ein Kleines) so zu steuern, dass das Nahrungsangebot in der Natur ausreichend und die Jagdtemperaturen nicht zu niedrig sind. Die Jagdbeute wird oft in einer Hautfalte versteckt, nicht im Mund, mit dem die fast blinden Fledermäuse ihre hohen Laute ausstoßen müssen, um sich nächtens wie mit einem Echolot ein Raumbild zu verschaffen und zu orientieren.
Wo sind Fledermäuse in Schorndorf häufig zu sehen? Der "Große Abendsegler" etwa braucht viel Raum bei der Insekten-Jagd. Seine Laute sind 150 Meter weit zu hören und sollen so laut sein wie Presslufthämmer, sind aber wegen ihrer hohen Frequenz für Menschen nicht hörbar. Ihn sieht man vor allem auf den Feldern, auch nördlich von Weiler, meinte Dietmar Reiniger. Zwergfledermäuse und Mausohren seien hingegen auch in der Stadt anzutreffen. Sehr beliebt ist beispielsweise die Beleuchtung des Aldi-Parkplatzes (Reiniger) an der alten Bundesstraße, weil sie viele Insekten anzieht. Früher, bis zur Renovierung, war auch das Dach des Burgschlosses sehr belebt. Danach war die Kolonie verschwunden. Jetzt soll sie aber wieder 30, 40 Fledermäuse stark sein.


zum Seitenanfang Drucken