Schorndorfer Nachrichten
vom 1. April 2005

Viel Straße, viel Vogelschutz

Ausgleich für Ortsumfahrung wurde vom Gemeinderat und vom NABU abgesegnet

Von unserem Redaktionsmitglied Hans Pöschko
Als Schutzgebiet ausgewiesene Fläche
21 Hektar groß ist die Fläche, um die das Vogelschutzgebiet westlich von Haubersbronn formal erweitert ist, damit sind die von der geplanten Ortsumfahrung ausgehenden Beeinträchtigungen für die bedrohte Vogelwelt mit dem Halsbandschnäpper als ihrem Exponenten einigermaßen ausgeglichen. Jetzt steht, wie der Oberbürgermeister im Gemeinderat noch einmal bekräftigte, einem Baubeginn noch in diesem Jahr nichts mehr im Wege. Die Baufreigabe ist erteilt, derzeit läuft das Flurbereinigungsverfahren und die Ausschreibung der ersten Bauarbeiten für die Brückenbauwerke wird vorbereitet. Und: Auch einer Weiterplanung der Straße in Miedelsbach steht nichts mehr im Wege.
Schorndorf.
Nachdem jetzt sowohl der Schorndorfer Gemeinderat als auch der Naturschutzbund (NABU) Baden-Württemberg der Erweiterung des Vogelschutzgebietes westlich von Haubersbronn um 21 Hektar zugestimmt haben, ist jetzt auch offiziell und formell ein Schlussstrich unter die bis nach Brüssel gedrungenen Auseinandersetzungen um den angemessenen ökologischen Ausgleich für die Ortsumfahrung Haubersbronn gezogen.
Beide Seiten fühlen sich als Sieger: Der NABU, weil er mehr als die von ihm geforderten 18 Hektar Ausgleichsflächen erreicht hat und dieses Ergebnis seiner bis zu einer Klage in Brüssel führenden Beharrlichkeit zuschreibt. Die Stadt, weil sie für sich in Anspruch nimmt, der Ortsdurchfahrung zum Durchbruch verhelfen zu haben mit ihrem Angebot, weitere 21 Hektar Schutzgebiet auszuweisen, ohne diese gleich mit besonderen Einschränkungen
Berühmt: der Halsbandschnäpper
Kleiner Vogel, große Wirkung: der Halsbandschnäpper ist eine Berühmtheit geworden.
für die Landwirtschaft zu belegen. Andererseits weist aber auch der NABU darauf hin, dass die jetzt abgesegnete Gebietserweiterung genau dem entspreche, womit sich der NABU gegenüber der europäischen Kommission bereits einverstanden erklärt habe, bevor der städtische Vorschlag überhaupt bekannt geworden sei. Im Übrigen will der NABU, wie aus seiner Stellungnahme gegenüber dem Landesministerium für Ernährung und Ländlichen Raum hervorgeht, es unter dem Vorbehalt gesehen haben, "dass derzeit noch nicht bekannt ist, in welcher Dimension das Land EU-Vogelschutzgebiete für den Halsbandschnäpper an die Kommission melden wird, nachdem von dortiger Seite die bisherigen Gebietsmeldungen als unzureichend qualifiziert wurden". Im Gemeinderat wollte FDP/FW-Fraktionschef Peter Erdmann wissen, warum dieser nachher relativ geräuschlos zu Stande gekommene Kompromiss nicht früher möglich gewesen sei, wo doch klar gewesen sei, wie brisant die Angelegenheit sei und welchen Druck der NABU erzeugen werde. Es sei nicht absehbar gewesen, "dass diese Schwierigkeiten auftreten", begründete der Oberbürgermeister - einerseits abwiegelnd, andererseits darum bemüht, nicht noch einmal Öl ins Feuer zu gießen -, warum die Erweiterungsfläche erst auf den letzten Drücker angeboten worden ist. Küblers Schlusswort: "Ich bitte Sie, keine Schuldzuweisungen zu machen. So komplex, wie diese Themen heute sind, hätte das auch ganz anders ausgehen können."
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