Schorndorfer Nachrichten
vom 3. Februar 2005

Zu Gast aus Lappland und aus der russischen Taiga: Seidenschwanz

NABU-Mitglied Schnabel bittet darum, Beobachtungen zu melden

Seidenschwanz
Bild: Schnabel
Schorndorf.
Seit ein paar Tagen fielen Naturschutz­bund-Mitgliedern Vögel auf, die sonst eher selten zu sehen sind: Schwärme von Seiden­schwänzen mit bis zu hundert Exemplaren wurden im Remstal. Wieslauftal und an den Hängen der Region beobachtet. Mit tril­lerndem Ruf und leisem "srieh" machten sie auf sich aufmerksam.
Die Seidenschwänze sind aus den sump­figen Nadelwäldern Lapplands und aus den lichten Nadel- und Birkenwäldern der rus­sischen Taiga hergekommen, wo sie ihre Brutreviere haben. Der exotisch anmutende Singvogel ist etwa starengroß, sein Gefieder rötlichbraun, Kehle und Schwanz sind schwarz. Er trägt eine deutlich sichtbare Federhaube, einen Augenstrich und eine gelbe Schwanzspitze. Die schwarzen Flügel haben rote, gelbe und weiße Abzeichen.
Beinahe jeden Winter tauchen einzelne Tiere oder kleine Trupps dieser farbenfro­hen Vögel auf. Zum massenhaften Zuflug kommt es jedoch, wenn der Bruterfolg be­sonders gut war und dadurch die Nahrung im Norden knapp wird. Zum besseren Nah­rungsangebot in unseren Breiten gehören unter anderem die noch reichlich vorhande­nen Beeren an einheimischen Sträuchern.
Die letzte Seidenschwanz-Invasion war 1988/89. Durch Hinweise aus der Bevölke­rung gewann der NABU ein gutes Bild von Umfang, Ausdehnung und Verlauf des Ge­schehens. Auch die aktuelle Invasion möch­te der NABU Schorndorf und Umgebung dokumentieren und kartieren. Er bittet um Mithilfe und Informationen, wann wo etwa wie viele Seidenschwänze gesehen wurden. Ansprechpartner ist Wolfgang Schnabel
Massenhaft zufliegen können auch Berg­finken, Birkenzeisige, Nordische Gimpel, Rotdrossel und Tannenhäher. Die Schwarmgröße kann dann bis in die Millio­nen gehen - so etwa bei der Bergfinken-In­vasion in der Weihnachtszeit 2001. Die Vö­gel kommen aus Skandinavien sowie aus den nördlichen Regionen Osteuropas und Russlands. Gewissermaßen umgekehrt ist es bei der Wachholderdrossel, die sich der­zeit ebenfalls in großen Mengen zeigt. Im Remstal halten sich mindestens 10 000 Exemplare auf. Der hohe Bestand ergibt sich nicht durch Zuzug aus nördlichen Re­gionen, sondern dadurch, dass die Vögel gute Bruterfolge hatten und jetzt nicht weg-fliegen. Sie finden nämlich gerade auf den zahlreichen Streuobstwiesen der Täler und Hänge reichlich Nahrung, weil dort in die­sem Winter noch viele Apfel an den Bäumen hängen oder am Boden liegen.


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