Schorndorfer Nachrichten
vom 17. November 2004

Ortsumfahrung: Durchbruch scheint geschafft

NABU sieht sich bestätigt, weil Vogelschutzgebiet großzügig erweitert wird, und die Stadt ist auch (mit sich) zufrieden

Vogelschutzgebiet
Am oberen Bildrand liegt es, das Vogelschutzgebiet, das weiter in Richtung Haubersbronn und damit auch in Richtung der Straßentrasse am unteren Hang ausgedehnt werden soll.
Bild:Zürn
Schorndorf-Haubersbronn (hap).
Es gibt Signale aus Brüssel, wonach der Streit zwischen Vogelschützern auf der einen und Stadt beziehungsweise lärm- und staugeplagten Haubersbronnern auf der anderen Seite so gut wie beigelegt und der Durchbruch für die Ortsumfahrung geschafft ist. Und wie immer gibt's am Ende nur Gewinner: Der NABU sieht sich durch die Signale aus Brüssel in seiner Position bestätigt, und die Stadt nimmt für sich in Anspruch, dem sich abzeichnenden Kompromiss den Weg geebnet zu haben.
Einem Antwortschreiben der Brüsseler EU-Generaldirektion Umwelt haben die hiesigen Vogel- und Naturschützer entnommen, dass "eine deutsche Behörde am 23.9.2004 weitere umfassende Gebietsvorschläge zum Ausgleich der Umgehungsstraße Haubersbronn" vorgelegt hat. Und dass dieses Angebot, wenn es adäquat umgesetzt wird, nun Grundlage für eine Einstellung des vom NA.BU angestrengten Beschwerdeverfahrens sein könnte.
Diese der Stadt bis gestern noch unbekannte Nachricht ist die Reaktion der EU-Behörde auf vom NABU eingereichte Vorschläge zur Lösung des Konflikts Vogelschutz-Ortsumfahrung, die in und um Haubersbronn zu einem "heißen Herbst" mit teilweise recht aggressiven Protestaktionen geführt hatte. Wobei sich NABU-Pressesprecher Manfred Stephan bei aller Freude darüber, dass offenkundig mehr für den Vogelschutz getan wird und gleichzeitig die Straßenplanung uneingeschränkt realisiert werden kann, auch gestern zunächst einmal noch nicht ganz erklären konnte, wie das Angebot der "deutschen Behörde", mit der nur die Stadt beziehungsweise das Land gemeint sein konnten, nach Brüssel gelangt ist, ohne dass der NABU davon in Kenntnis gesetzt wurde. Weshalb von Seiten der Naturschützer in einer Pressemitteilung auch gemutmaßt wurde, dass durch einen "taktischen Fehler" die Verzögerung des Baubeginns verursacht wurde. Schließlich habe es am 17. September eine vom SPD-Bundestagsabgeordneten Hermann Scheer initiierte Gesprächsrunde gegeben, in der ein gemeinsamer Vorschlag von weiteren Ausgleichsmaßnahmen vereinbart worden sei. Umso erstaunter sei der NA.BU dann gewesen, dass er von der Stadt zunächst nichts mehr gehört und dann auf Nachfrage am 4. November von Baubürgermeister Stanicki zu hören bekommen habe, die Stadt werde keine weiteren Vorschläge erarbeiten, bevor nicht Brüssel entschieden habe.
Halsbandschnäpper
Noch ein Sieger: der Halsbandschnäpper.
Alles nur "ein Mißverständnis", meint Oberbürgermeister Winfried Kübler, der die ihm erst durch unsere Anfrage bekannt gewordene Nachricht aus Brüssel nur so interpretieren kann, dass die EU-Behörde den von Schorndorf erarbeiteten und über das Land weitergegebenen Vorschlag akzeptiert, das bereits existierende Vogelschutzgebiet westlich von Haubersbronn unter Einbeziehung des vom NABU als faktisches Vogelschutzgebiet - Stichwort: Halsbandschnäpper - reklamierten Sporns auf breiter Front in Richtung Haubersbronn und damit auch in Richtung Umfahrungsstraße auszudehnen. Und zwar in einem Maße, dass unter Berücksichtigung der bereits beschlossenen Ausgleichsmaßnahmen insgesamt sogar mehr als die vom NABU geforderten 18 Hektar herauskommen. Wobei der Oberbürgermeister aber Wert auf die Unterscheidung legt, dass die Erweiterung des Vogelschutzgebietes, die teils städtische und teils private Flächen einschließt, zunächst einmal nur eine formale oder nominelle ist, die keine Nutzungsänderung und keine aktiven Maßnahmen zur Folge hat. Im Gegensatz zu dem, was der NABU immer als qualifizierte Ausgleichsfläche verlangt habe. Gleichwohl, so Kübler großzügig, dürfe es sich der NABU auf seine Fahnen schreiben, dank des Entgegenkommens der Stadt etwas für den Vogelschutz erreicht zu haben. Was Manfred Stephan erst dann so sehen will, wenn im fraglichen Gebiet wenigstens partiell "Aufwertungsmaßnahmen" erfolgen.
Grundsätzlich aber, so scheint's, können sowohl NABU als auch Stadt mit dem jetzt gefundenen Kompromiss, der als Möglichkeit immer mal wieder im Gespräch war, leben. Den Vorwurf der Verzögerung des Baubeginns aber weist der Oberbürgermeister zurück: So oder so hätte der amtliche Spruch aus Brüssel abgewartet werden müssen. Und der liegt noch nicht vor.
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