Schorndorfer Nachrichten
vom 5. November 2004

Wie kommt der Apfel(-saft) ins Glas?

Naturschützerjugend (NAJU) lernte auf dem Hegnauhof wie das Saften geht

Schorndorf/Urbach.
Obstwiesen prägen die Landschaft rund um Schorndorf. Ein stolzer Besitzer spricht von seinem "Stückle", das er bewirtschaftet. Dass diese Arbeit belohnt wird, davon überzeugten sich 25 Teilnehmer bei einer Führung des Naturschutzbundes (NABU) zusammen mit der Naturschutzjugend NAJU. Um das Thema Saften und Mosten ging es auf dem Hegnauhof in Urbach, wo Helmut Ziegler in das Handwerk einführte.
Äpfel, die tags zuvor noch in der Herbstsonne leuchteten, stehen in Säcken bereit. Brettacher, Luikenäpfel, Boskop und Bittenfelder - typische Vertreter heimischer Apfelsorten. Die NAJU ist zahlreich vertreten und nach kurzer Einweisung hat jeder bereits alle Hände voll zu tun: Das Obst wird in Körben unter kaltem Wasserstrahl gewaschen und danach in die Obstmühle geschüttet. Heraus kommt ein feiner Brei, der in Eimern schnell weitergereicht wird zur Obstpresse. Hier werden in mehreren Lagen, jeweils eingeschlagen in einem Presstuch, circa fünf Zentimeter hohe Maische-Päckchen aufeinander gestapelt. Abgetrennt werden diese durch Holzroste. Mit etwa 20 Lagen ist die Presse befüllt für den ersten Durchgang. Gleich kommen die ersten Liter frisch gepresster Apfelsaft heraus.
Doch zur beschaulichen Begutachtung bleibt keine Zeit: Schnell muss die Auffangwanne geleert werden, um ein Überlaufen zu verhindern. Ein bereitgestelltes Fass ist rasch voll und eifrig wird der Saft in Flaschen abgefüllt. Der erste Pressvorgang ist beendet, die Presstücher werden geleert. Von der fruchtigen Füllung bleibt nur ein trockenes "Früchtemüsli" übrig. Derweil werden die Tücher bereits für einen zweiten Pressdurchgang gefüllt. Jetzt lassen sich auch erste Messungen des " Oechsle" -Wertes durchführen; das heißt die Süße des Saftes wird bestimmt. Mit Hilfe eines speziellen Messglases werden 51 Oechsle gemessen. Ein Wert, der witterungsbedingt dieses Jahr niedriger ist als in den sonnigeren und wärmeren Vorjahren.
Die Mädchen und Jungen der NAJU sind mittlerweile voll eingespielt und treiben die "Moste" fachmännisch um; alles geht Hand in Hand. Endlich ist der letzte Eimer Obst in den Presstüchern verpackt und der zweite Pressgang kann beginnen. Schließlich stehen über 200 Liter frischen Apfelsaftes in Eimern, Fässern und Flaschen verteilt. Endlich gibt es Gelegenheit, den frisch gepressten Saft zu genießen. Der eine oder andere muss feststellen, dass der Magen etwas empfindlich auf das süße Gut reagiert.
Für die letzen 60 Liter Apfelsaft finden sich keine Abnehmer mehr; in einem Mostfass reifen sie nun zu Most heran. Er wird nächstes Jahr bei den Pflegeeinsätzen in den Streuobstwiesen des NABU als Vespermost zur Verfügung stehen. Damit schließt sich der Kreis.
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