Schorndorfer Nachrichten
vom 31. August 2004

NABU wettert über 'primitive Hetzaktion'

An den Ortseingängen von Haubersbronn hängen Plakate: Gesucht wird der Halsbandschnäpper, der "Horror-Vogel"

Von unserem Redaktionsmiiglied Ilka Ennen
Wanted? Wat den?
Den Haubersbronnern stinkt das Theater um die Umgehungsstraße mittlerweile gewaltig: Sie machen mit Plakaten an den Ortseingängen Stimmung gegen den Naturschutzbund.
Schorndorf-Haubersbronn.
Einige Haubersbronner würden dem berühmt-berüchtigten Halsbandschnäpper wahrscheinlich am liebsten den Hals umdrehen: Weil er sich in der Umgebung eingenistet hat, hängt der Bau der Umgehungsstraße in der Luft. Seit dem Wochenende hängen an den Ortseinfahrten Plakate, die ordentlich Stimmung machen gegen den "Horror-Vogel" und den Naturschutzbund.
Menschen, die nicht den ständigen Verkehrsstau, den Lärm und Gestank in Haubersbronn ertragen müssen und denen das Wohl oder Wehe des seltenen Halsbandschnäppers piepschnurzegal ist, können beim Anblick der Plakate schmunzeln: Gesucht wird mit zwei "Fahndungsfotos" das Halsbandschnäpperpaar von Haubersbronn, das dem folgenden Vergehen beschuldigt wird: Baustopp einer bereits geplanten und finanzierten Straße. Auch der Aufenthaltsort ist bekannt: ein NABU-Nistkasten. Statt eines Kopfgeldes wird als Belohnung ein geringerer Benzinverbrauch und mehr Zeit versprochen.
Der Halsbandschnäpper von Haubersbronn ist mittlerweile nicht nur in Schorndorf und Umgebung eine berühmt-berüchtigte Spezies. Eine Boulevard-Zeitung, die vergangene Woche mit dicken Schlagzeilen über den "Horror-Vogel" berichtete, hat den kleinen Vogel in der ganzen Region bekannt gemacht. Ein Ausschnitt des Artikels hängt als großformatige Kopie ebenfalls an den Ortseingängen.
Fragt sich, wer die Plakate aufgehängt hat. Bereits seit einem Vierteljahr säumen die Wieslauftalstraße zwei Protestschilder der Bürgerinitiative "Pro Ortsumgehung Haubersbronn": "Dem NABU sei Dank, weiterhin Stau und Gestank" und "Wir fordern den sofortigen Baubeginn". Doch Wilhelm Heinle, der Vorsitzende der Bürgerinitiative, weiß von der neuen Aktion nichts. "Ich kenn' die Plakate gar nicht. Ich war bis Sonntag in Urlaub." Auch BI-Gründungsmitglied Erich Bühler weist jegliche Verantwortung von sich: "Das haben irgendwelche Leute aufgehängt. Das sind nur die ersten Anzeichen der Bürger, die auf die Barrikaden gehen."
Die Stimmung in Haubersbronn ist aufgeheizt, die Fronten im Streit mit dem Naturschutzbund verhärtet, seit er mit seiner Beschwerde bei der Europäischen Kommission in Brüssel den Baubeginn der Umgehungsstraße blockiert hat, weil sie aus seiner Sicht einen Eingriff ins Vogelschutzgebiet darstellt.
Die Naturschützer sind sauer, Andreas Stanicki zeigt Verständnis
Die Naturschützer sind sauer und fordern die Stadtverwaltung in einem offenen Brief auf, die Plakate entfernen zu lassen. "Wir betrachten das als unterste Schublade. Das ist nicht das Niveau, auf das wir uns begeben werden. Das ist eine primitive Hetzaktion, die da stattfindet", ärgert sich NABU-Pressesprecher Manfred Stephan. Die Stadt hat die Plakate nicht genehmigt und will den Fall rechtlich prüfen. Grundsätzlich reagiert Baubürgermeister Andreas Stanicki mit Nachsicht auf die Aktion der Anwohner: "Ich habe Verständnis für den Protest der Haubersbronner, die täglich einiges aushalten müssen, nämlich 27 000 Autos direkt am Fenster vorbei, davon ein Großteil Schwerlastverkehr." Im Oktober soll in Brüssel die Entscheidung über die NABU-Beschwerde fallen. Bis es soweit ist, werden sich die Haubersbronner möglicherweise noch mehr einfallen lassen.
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