Schorndorfer Nachrichten
vom 18. August 2004

Nach der Wahl ist nicht vor der Wahl

Kübler und Bürgerinitiative kritisieren gegensätzliche Aussagen der Grünen zur Ortsumfahrung

Als befremdlich und unglaubwürdig kritisieren sowohl Oberbürgermeister Winfried Kübler als auch die Bürgerinitiative "Pro Ortsumfahrung Haubersbronn", dass sich die Schorndorfer Grünen vor der Kommunalwahl sogar beim Bundesumweltministerium für die Ortsumfahrung stark machen wollten und dass sie sich jetzt, kaum dass die Wahl vorbei ist, mit der Forderung nach 18 Hektar Ausgleichsfläche für den tangierten "Sporn" wieder voll und ganz auf die Seite des NABU schlagen.
"Man kommt sich richtig verarscht vor", formuliert Wilhelm Heinle, der Vorsitzende der BI, drastisch, was er von solhem Verhalten hält, das dadurch komplettiert wird, dass die Grünen im Gemeinderat gegen die Bebauungspläne für die Ortsumfahrung gestimmt haben. Wobei sich Heinle schon gewundert hat, dass Grünen-Sprecher Andrew Philips eine Kopie des Schreibens, mit dem er sich angeblich bei Trittin für die Ortsumfahrung eingesetzt hat, ohne Angabe von Gründen partout nicht herausrücken wollte.
Oberbürgermeister Winfried Kübler weist zunächst einmal "schärfstens" die Kritik des Grünen-Ortsverbandes an der Informationspolitik der Stadt zum Thema Ortsumfahrung zurück. Während des sich über zwei Jahre hinziehenden Bebauungsplanverfahrens sei das Thema nicht weniger als zehnmal vom Gemeinderat und den Ausschüssen beraten worden, nicht gerechnet die Beratungen in den Ortschaftsräten und diverse öffentliche Veranstaltungen. Insgesamt umfassten die Gemeinderatsdrucksachen zur Ortsumfahrung 418 eng beschriebene Seiten, auf denen alle Anregungen, Bedenken und Einwendungen und die dazugehörigen Stellungnahmen samt Auszügen aus Gutachten aufgeführt und erläutert seien.
Was die Forderung der Grünen (und des NABU) nach 18 Hektar Ausgleichsfläche für einen 1,4 Hektar großen Sporn, der zudem nur 0,6 Prozent des gesamten Vogelschutzgebietes ausmacht, anbelangt, so ist die für Oberbürgermeister Winfried Kühler auch deshalb jenseits von Gut und Böse, weil dadurch landwirtschaftliche Flächen in einem Maße in Anspruch genommen werden müssten, dass einige zum großen Teil ökologisch wirtschaftende Betriebe in Existenznöte gebracht wurden. Kübler wandelt in seiner Stellungnahme deshalb den Spruch des NABU-Vorsitzenden Arnold Sombrutzki, wonach Berggorillas in Ruanda leichter zu schützen seien als der Halsbandschnäpper im Remstal, so ab: "Ein Berggorilla in Ruanda ist leichter zu schützen als ein ökologisch wirtschaftender Landwirtschaftsbetrieb in Schorndorf." Derweil droht die Bürgerinitiative schon mal mit Protest und kündigt Demonstrationen an, "wenn versucht wird, den Baubeginn weiterhin zu verschleppen".
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