Schorndorfer Nachrichten
vom 18. August 2004

Vögel können sich mit einer Straße arrangieren...

... meint Oberbürgermeister Winfried Kübler und nennt die Argumentation des NABU gegen die Ortsumfahrung "menschenverachtend"

Von unserem Redaktionsmitglied Hans Pöschko
Schorndorf.
Aus Sicht von Oberbürgermeister Kübler hat der örtliche Naturschutzbund (NABU) mit seinem Hinweis, dass im von der Ortsumfahrung bedrohten "Sporn" ein Halsbandschnäpperpaar sogar in unmittelbarer Nähe des Haubersbronner Schützenhauses registriert worden sei, ein klassisches Eigentor geschossen. Zeige sich doch an diesem Beispiel die Anpassungsfähigkeit dieser wie vieler anderer wild lebender Tiere, die sich zweifellos auch mit einer Umgehungsstraße arrangieren könnten.
Winfried Kübler verweist in diesem Zusammenhang auf die zahlreichen Graureiher, die sich im Lauf der Jahre entlang der B 29 niedergelassen hätten und sich vom Autoverkehr absolut nicht stören ließen. Und speziell Höhlenbrüter wie der Halsbandschnäpper und die anderem im fraglichen Sporn festgestellten Vogelarten zeigten keine besondere Scheu, sich der menschlichen Zivilisation anzunähern, meint der Oberbürgermeister, der aber dabei bleibt, dass sich der von der Umfahrungsstraße tangierte Sporn, den der NABU für ein "faktisches" und deshalb schützenswertes Vogelschutzgebiet hält, "schon von seiner bisherigen Struktur her" nicht besonders als Vogelschutzgebiet eignet.
Der immer wiederkehrenden Kritik des NABU, dass sich speziell Baden-Württemberg mit einem Anteil von 17 Prozent bei der Ausweisung von Vogelschutzgebieten bisher nicht besonders hervorgetan hat, begegnet Kübler ebenfalls zum wiederholte Male mit dem Hinweis, dass In Schorndorf bereits 33 Prozent der gesamten Markungsfläche entsprechend den EU-Richtlinien Fauna-Flora-Habitat- beziehungsweise Vogelschutzgebiet ausgewiesen seien. "An Schorndorf liegt's also ganz bestimmt nicht, wenn das Flächensoll nicht erfüllt wird", betont der Oberbürgermeister.
Auch dass der NABU-Vorsitzende Arnold Sombrutzki den Hinweis, die Vögel könn'ten sich doch einfach ein paar hundert Meter weiter niederlassen, mit dem Argument kontert, dass es, "wenn's so einfach wäre", überhaupt keine Vogelschutzrichtlinien brauche, lässt Winfried Kübler nicht gelten. Weil dieses Argument nämlich dann nicht ziehe, wenn den Vögeln in unmittelbarer Nähe ein tatsächlich geschütztes Revier zur Verfügung stehe. "Im Gegensatz zu den Menschen bauen nämlich die Vögel jedes Jahr ein neues Zuhause, sind also, wenn ihnen ein ausreichend großer und geeigneter Naturraurn zur Verfügung steht, durchaus zum Standortwechsel in der Lage", meint Kübler und nennt eine Betrachtung des Themas, bei dem die betroffenen Menschen völlig außen vor blieben, "zynisch und menschenverachtend".
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