Schorndorfer Nachrichten
vom 21. Juni 2004

Auf der Jagd nach dem Wendehals

Bei der Vogel-Rallye des NABU und der NAJU wurden 36 verschiedene Vogelarten festgestellt

Schorndorf/Urbach.
Eine Rallye besonderer Art bot die NABU-Ortsgruppe Schorndorf und Umgebung zusammen mit der Naturschutzjugend NAJU zum weltweiten "Tag der Artenvielfalt" an: In der Zeit von 19 bis 21.30 galt es in Urbach für die Teilnehmer, möglichst viele Vogelarten zu entdecken. Die Gruppe war damit eine von über 50 NABU-Gruppen in Baden-Württemberg, die an diesem Tag im Wettbewerb um die Höchstzahl an zu beobachtenden Vogelarten stand.
Jörg Daiss und Arnold Sombrutzki leiteten die Rallye durch Streuobstwiesen, am Waldrand und Bach entlang sowie durch Wiesen und Felder. Die Regeln waren schnell erklärt: Jeder, der irgendetwas Vogelartiges hört, sieht oder auch nur vermutet, sollte sich sofort melden, damit gemeinsam die Vogelart bestimmt werden kann. Vor dem Start durfte noch jeder einen Tipp abgeben, wie viele Arten bei der Begehung angetroffen würden - diejenigen, die am Schluss am nächsten dran waren, erhielten ein kleines Geschenk.
Nachdem bereits während der Einweisung Amsel, Mehlschwalbe, Rauchschwalbe, Star, Buchfink, Distelfink, Grünfink sowie Grauschnäpper au! dem Parkplatz beim Freibad beobachtet wurden, war die Erwartung groß und alle Teilnehmer packte das "Jagdfieber". Nach ein paar Metern konnten gleich drei Vogelarten in einem Baum ausgemacht werden: Sumpf-, Blau- und Kohlmeise - fast wurde vor lauter Begeisterung die Bachstelze wenige Meter daneben übersehen. Derart motiviert ging es dann in die Streuobstwiesen, in denen sich erwartungsgemäß bald der Gartenrotschwanz zeigte. Leider nur wenigen glückte der Blick auf einen vorbeifliegenden Halsbandschnäpper. Unübersehbar dafür für alle der in der Abendsonne kreisende Mäusebussard und der in schnellem Flug Insekten jagende Mauersegler. Ebenso unübersehbar und unüberhörbar auch Rabenkrähe und Eichelhäher. Etwas zurückhaltend waren die hier an Arten zahlreich vorkommenden Spechte: Nur der Buntspecht ließ sich kurz sehen.
Eine Rallye stellt natürlich auch gewisse Ansprüche an die Geländegängigkeit der Teilnehmer: Steil aufwärts ging es hoch zum Waldrand, wo nach weiteren, nun waldbewohnenden Vogelarten Ausschau gehalten wurde. Kaum verschnauft, wurde die Mühe rasch belohnt: Tannenmeise, Sommergoldhähnchen, Kleiber, Singdrossel und Rotkehlchen waren zu hören. Auf dem Rückweg durch Streuobstwiesen ging es vorbei an Mönchsgrasmücke und Zaunkönig zum Bach, wo sich eine Wacholderdrossel präsentierte. Anschließend bot sich in der offenen Landschaft noch ein Einblick in die Kinderstube der Turmfalken; Goldammer und Elster zeigten sich im Abendlicht.
Die Zählung ergab 36 Vogelarten. Bei der Auswertung der Tipps zeigte sich, dass sich unter den elf erwachsenen und elf jugendlichen Teilnehmern gute Kenner der heimischen Vogelwelt befanden: Gleich sechs Teilnehmer hatten auf 35 bis 37 Arten getippt. Insgesamt nahmen in Baden-Württemberg über 870 Beobachter an der Rallye teil und registrierten insgesamt über 80 Arten.
Fachkundig wurden zum Abschluss die Beobachtungslisten untereinander nochmals abgeglichen und ergänzt, zufrieden Ferngläser und Bestimmungsbücher verstaut und begeistert gingen die meisten kurz vor Sonnenuntergang dann nach Hause. Und vielleicht hat sich der eine oder andere gleich am nächsten Tag nochmals auf den Weg gemacht, um doch noch den übersehenen Wendehals, Neuntöter oder Rotmilan zu sehen.


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