Schorndorfer Nachrichten
vom 22. Mai 2004

31 Prozent unter europäischem Schutz

Weitere Vogelschutz- und FFH-Gebiete werden nach Brüssel gemeldet / "Wer kennt dort Buhlbronn?"

(hap). 18 Quadratkilometer oder fast 32 Prozent der Schorndorfer Gesamtmar. kungsfläche von knapp 57 Quadratkilometern sind als Natura-2000-Schutzge-biete ausgewiesen, wenn jetzt über das hinaus, was bereits im März 2001 an Vogelschutz- und FFH-Gebieten nach Brüssel gemeldet worden ist, noch weitere Gebiete nachgemeldet werden. Der Gemeinderat nahm die geplanten Nachmeldungen weitgehend widerspruchs-, aber nicht kommentarlos zur Kenntnis.
Natura 2000 ist ein Netz von Schutzgebieten zur Erhaltung europäisch bedeutsamer Lebensräume sowie seltener Tier- und Pflanzenarten. Rechtliche Grundlagen dieses grenzüberschreitenden Naturschutznetzwerks bilden die Vogelschutz- und die Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie (FFH) der europäischen Union. Baden-Württemberg hat der europäischen Kommission im März 2001 für das Natura 2000-Netzwerk 73 Vogelschutz- und 363 FFH-Gebiete gemeldet. Zu wenig nach Einschätzung der Experten der europäischen Kommission, weshalb jetzt Nachmeldungen fällig werden, denen ein umfassendes Beteiligungsverfahren vorausgeht. Auf Gemarkung Schorndorf sollen vor allem Waldflächen auf dem Schurwald und weitere Abschnitte auf Gemarkung Weiler -größtenteils als Erweiterungen bereits bestehender Schutzgebiete oder bereits als Natur- und Landschaftsgebiete ausgewiesene Flächen - als Natura-2000-Schutzge-biete ausgewiesen werden. Betroffen ist außerdem ein Fleckchen Natur im Gewann "Rohräcker" auf Gemarkung Buhlbronn, das Bestandteil des großflächigen Schutzgebiets Welzheimer Wald ist. Damit wären dann mehr als 31 Prozent der Schorndorfer Fläche unter europäischen Schutz gestellt, die Landschaftsschutzgebiete noch dazu gerechnet, ergibt sich ein geschützter Anteil von 44 Prozent. Und diese Zahlen, so Oberbürgermeister Kübler mit Bezug auf die lediglich zwölf Prozent europäischer Schutzfläche im Landesdurchschnitt, hätten auch in Brüssel bei seinen Sondierungsgesprächen zur Ortsumfahrung Haubersbronn "Eindruck gemacht".

Ent- oder Endbürokratisierung?

Dem CDU-Fraktionsvorsitzenden Dr. Werner Lempp missfällt an der europäischen Initiative vor allem der bürokratische Aufwand, der da für solche "Phänomenalentscheidungen" gänzlich im Widerspruch zu Wirtschaftsminister Clements Entbürokratisierungs-Forderungen - Winfried Kühler korrigierte in "Endbürokratisierung" - getrieben werde. Auch FDP/FW-Stadtrat Kurt Mächtlen findet's bedauerlich, dass das Naturschutzprogramm auf Brüssel - "Wer kennt denn dort Buhlbronn?" - hochgezont worden ist. "Aber wenn's hilft, dass Haubersbronn etwas positiver gesehen wird.. ."' versuchte er den Nachmeldungen und dem damit verbundenen Konsultations-Verfahren Sinnvolles abzugewinnen.

Schorndorf kann stolz sein

"Schorndorf kann stolz sein", hob SPD-Stadträtin Melanie Grawe im Gegensatz zu ihren beiden Vorrednern auf den Nutzen großer Schutzgebiete für den dicht besiedelten Raum ab. "Wenn die Natur stirbt, stirbt auch der Mensch", gab sie zu bedenken und räumte gleichzeitig ein, dass im Fall der Ortsumfahrung Haubersbronn die Sache mit dem Vogelschutzgebiet schon "ärgerlich" sei. "Wohlwollend Kenntnis" von der Erweiterung der Natura-2000-Flächen nahmen die Grünen, deren Sprecher Andree Phillips die erst nach Androhung von rechtlichen Schritten in Angriff genommenen Nachmeldungen "überfällig" nannte. Schließlich stammten die entsprechenden EU-Richtlinien aus dem Jahre 1992. "Schwer beeindruckt", dass jetzt in Buhlbronn eine schon lange als Naturdenkmal ausgewiesene Quelle unter europäischen Schutz gestellt wird, zeigte sich mit ironischem Unterton FDP/FW-Stadtrat Dr. Wolfgang Weigold. Der Haubersbronner CDU-Stadtrat Eugen Fezer wollte sichergestellt haben, dass nicht auch noch die Miedelsbacher Ortsumfahrung in Schwierigkeiten gebracht wird. Die künftige Umfahrung sei eindeutig nicht betroffen, genauso wenig wie potenzielle städtebauliche Erweiterungsflächen versicherte Planungsamtsleiter Manfred Beier - danach stand einer positiven Kenntnisnahme des Gemeinderats nichts mehr im Wege.
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