Schorndorfer Nachrichten
vom 7. April 2004

'Da unte sitzt se!' - die Wasseramsel

Naturschützer aus Schorndorf und Rudersberg beobachteten diesen und andere Vögel im Wieslauftal

Rudersberg (cb).
Claudia Barth und Michael Pfundt vom Naturschutzbund Schorndorf haben mit 18 interessierten Erwachsenen und sechs Kindern die bunte Vogelwelt im Wieslauftal erlebt.
Wasseramsel (Klicken zum Vergrößern, 22 kByte )
Die Wasseramsel - gut an ihrem weißen Brustlatz zu erkennen - sitzt gern auf einem Stein und sucht im Wasser nach Nahrung.
Bild: Gernot Becker
Das Projekt "Wasseramsel" liegt den beiden Naturschützern besonders am Herzen. Seit dem Jahr 2000 betreuen und beobachten sie kontinuierlich den Bestand, der in den vergangenen Jahren bei acht bis zehn Brutpaaren stabil gehalten werden konnte. Insgesamt können sie im Raum Schorndorf und Lorch sogar 25 bis 30 Wasseramsel-Brutpaare verzeichnen. Und natürlich wollen sie die Lebensbedingungen für diesen besonderen, relativ gefährdeten Vogel weiter verbessern.
Die rundliche Wasseramsel ist nicht alltäglich und gut getarnt. Ein bisschen ähnelt sie dem Zaunkönig, dem Vogel des Jahres, ist aber wesentlich größer. Mit ihrem rotbraunen bis dunkelbraunen Gefieder und dem schmucken weißen Brustlatz fällt sie am Ufer der Wieslauf nur dem geschulten Beobachter auf. Die Vogelfreunde konnten sie mehrmals an diesem Morgen direkt im Wasser entdecken. "Da unte sitzt se!" Gerne sitzt sie auf einem Stein und schaut ins Wasser, denn hier findet sie ihre Nahrung. Wasseramseln sind echte Alleskönner: Sie sehen unter Wasser, tauchen und schwimmen. Sie können sogar Steine im Wasser umdrehen, wenn sie darunter Leckerbissen vermuten. Ihre Nasen und Ohren können sie dabei im Wasser verschließen.
Den Vogelbeobachtem fiel außerdem die weiße Haut in ihren Augen auf, die immer zu sehen war, wenn die Wasseramsel mit den "Wimpern klimpert", was sie übrigens recht häufig tut. Diese so genannte Nickhaut dient der Reinigung des Auges. "Zwischen Männchen und Weibchen sieht man keine auffallenden Unterschiede. Die Wasseramsel ist sehr reviertreu und brütet zwei bis drei Mal im Jahr, wobei das Weibchen vier bis sechs Eier legt. Im Schnitt gibt es dann fünf. Junge", erklärte die Expertin Claudia Barth.
Logisch, dass ein solcher "Wasservogel" eine gute Wasserqualität braucht, um zu überleben. Die Wasseramsel liebt lebendiges Wasser mit kleinen Schnellen. Außerdem müssen die Ufer unverbaut sein. Uferflächen, die zu Hochwasserschutzmaßnahmen abgeholzt werden, mag sie gar nicht. Sie braucht Gehölz am Ufer und die Naturfreunde bieten ihr Nisthilfen an, die gerne von ihr angenommen werden.
Aber das frühe Aufstehen hatte sich auch sonst gelohnt. Das Wieslauftal ist reich an Vogelarten und Vogelstimmen: Gleich zu Beginn sahen alle turtelnden Rotkehlchen auf der kleinen Straße am "Weru-Wehr" zu. "Dass die beim Balzen so die Hälsle strecket, han i no nie gesehe", meinte ein Nabu-Mitglied aus Rudersberg. Hoch oben in den Lüften war ein Zaunkönig zu hören. Unterwegs überraschte ein elegant dahinrauschendes Stockentenpaar. In einem Wäldchen unweit der Wieslauf saß ein Goldammermännchen im goldenen Prachtkleid und sang: "Wie-wie-wie-wie-hab-ich-dich-lieb". Ein Kind wies auf eine aufgeplusterte Amsel hin, die sich vor der morgendlichen Kälte schützte und deutete dann auf ein großes Krähennest in den Bäumen. "Zilp-zalp!" zwitscherte der gleichnamige Vogel im Hintergrund seinen Namen.
Und plötzlich zwischendrin ein ganz komisches Geräusch, das Gelächter in der Runde auslöste. "Das ist jetzt keine Vogelstimme, sondern ein Handy!", konstatierte schmunzelnd Michael Pfundt.
Weiter ging's! Im Wasser wippte eine Bachstelze. Feldsperlinge saßen im kahlen Geäst. Kohlmeisen und Blaumeisen waren zu hören. Und durch das Fernglas sah man, wie die Singdrossel aufgeregt ihren Schnabel ständig auf und zu machte. Auf dem geteerten Feldweg dann später ein Klaiber. Erwin Lang, Vogelstimmenprofi aus Schorndorf, wies auf einen Sperber hin und später auf einen Grünspecht mit seinem Lachen. "Leider sind aber die Wiesenvögel, wie etwa die Wachtel, das Rebhuhn, die Schafstelze, das Braunkehlchen oder die Grauammer durch die intensive Wiesenbewirtschaftung bei uns nahezu ausgestorben", meinte er traurig. Freute sich dann aber gleich wieder über das Schnarren einer Wacholderdrossel, früher Krammetsvogel genannt. Wie schön und vielfältig unsere Natur ist und wie sehr sie unseren Schutz braucht, wurde allen an diesem Sonntagmorgen deutlich.


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