Stuttgarter Nachrichten
vom 22. März 2004

Kurz vor Baubeginn: Umgehungsstraße gestoppt

Eingriff in Vogelschutzgebiet nicht ausgeglichen - Naturschutzbund ruft Europäische Kommission an

Schorndorf - Obwohl die Pläne für die Ortsumgehung von Haubersbronn bereits genehmigt sind und die Mittel bereitstehen, legt der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) Beschwerde gegen das Projekt bei der Europäischen Kommission ein. Er sieht ein Vogelschutzgebiet in Gefahr.
VON GERHARD SCHERTLER
Naturschutz rangiert über Menschenschutz - das befürchten in diesem Fall nicht wenige Einwohner des Schorndorfer Stadtteils Haubersbronn, die seit Jahren für eine Umgehungsstraße kämpfen und dafür nicht nur einmal demonstriert haben. Die Straße, die westlich um den Stadtteil herumgeführt wird, entlastet den Ort vom Durchgangsverkehr im Wieslauftal und in Richtung Welzheim. Die letzten Schätzungen gingen von fast 20 000 Fahrzeugen am Tag aus.
Westlich von Haubersbronn liegt aber auch ein 1629 Hektar großes Vogelschutzgebiet von europäischer Güte. Das Land hat die alten Obstbaumwiesen bereits vor Jahren der zuständigen EU-Kommission gemeldet, damit das Gebiet dieses Siegel erhält. Der Nabu wirft dem Land und der Stadt aber schon seit langem vor, absichtlich einen neun Hektar großen Sporn nicht gemeldet zu haben, damit dort die Trasse der Umgehung geführt werden kann. Die Naturschützer unterstellen der Stadt, von ihr bewusst an der Nase herumgeführt worden zu sein, denn über einen gerechten Ausgleich für die neun Hektar sei lang und breit diskutiert worden. Für den Nabu verliefen diese Gespräche nicht zufrieden stellend.
Um seinen Vorstellungen doch noch zum Erfolg zu verhelfen, droht der Naturschutzbund damit, Beschwerde bei der Kommission der Europäischer Union einzulegen. Dieses so genannte Natura-2000-Verfahren würde unverzüglich eine Verzögerung des Straßenbaus bedeuten, den eigentlich auch der Nabu nicht grundsätzlich ablehnt.
Die Stadt nahm für sich bis jetzt in Anspruch, dass die vorgelegte Planung für die Umgehungsstraße sowie die Größe des Vogelschutzgebiets von den zuständigen Stellen des Landes genehmigt wurden und diese Haltung durch zahlreiche Gutachten gestützt wird. Zudem weist Schorndorfs Oberbürgermeister Winfried Kübler darauf hin, dass die bereits jetzt feststehende Ausgleichsfläche mit fünf Hektar ebenso groß ist wie der Flächenverbrauch für den eigentlichen Straßenbau.
Um die bereits zugesagten 10,3 Millionen Euro für die Haubersbronner Ortsumgehung nicht zu gefährden, prüft die Stadt, wie sie dem Nabu entgegenkommen und ein langwieriges Beschwerdeverfahren verhindern kann. Unter Umständen bestehe die Möglichkeit, weitere städtische Flächen als zusätzlichen Ausgleich für den Eingriff in das Vogelschutzgebiet zur Verfügung zu stellen. Der Nabu verlangt, dass die zerstörten Flächen (insgesamt 18 Hektar) eins zu eins ausgeglichen werden - erst dann zieht er die Beschwerde zurück.
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