Stuttgarter Zeitung
vom 19. März 2004

Vogelschützer: Mehr Ausgleichsfläche für Umfahrung

Naturschutzbund legt Beschwerde in Brüssel ein, die Haubersbronner Trasse beschneide das Brutgebiet des Halsbandschnäppers

Täglich 25 000 Autos in Haubersbronn. Durch die Beschwerde des Nabu sehen einige das ProjektUmgehungsstraße gefährdet.
Foto: Stoppel/Archiv
SCHORNDORF. Straßenverkehr kontra Vogelschützer: vor drei Jahren ist ein Vogelschutzgebiet für die Umfahrung von Haubersbronn beschnitten worden. Eine Beschwerde des Naturschutzbunds droht jetzt, den Bau der Straße komplett zu kippen.
Von Gabriela Uhde
Nach einer jahrzehntelangen Leidensgeschichte der Haubersbronner schien Abhilfe in greifbarer Nähe: Die Pläne für den Bau der Westumfahrung wurden Ende Januar genehmigt, die nötigen 10,8 Millionen Euro im Landeshaushalt bereitgestellt. Die zwei Kilometer lange Trasse westlich von Haubersbronn sollte den Schorndorfer Ortsteil von der täglich 25 000 Autos langen Blechschlange entlasten. Doch nun hat die Ortsgruppe des Naturschutzbunds (Nabu) bei der Kommission der Europäischen Gemeinschaft in Brüssel Beschwerde eingelegt, dass das EU-Vogelschutzgebiet 7123401 (Streuobst und Weinberggebiete zwischen Geradstetten und Urbach) "aus politischen Erwägungen beschnitten worden ist.
Arnold Sombrutzki, der Vorsitzende des Nabu Schorndorf, erklärt, dass sein Verband prinzipiell durchaus bereit sei, die Westumfahrung für Haubersbronn mitzutragen, wenn die Bürger dies wollten. Die Straße müsse aber auch "gegenüber der Natur verantwortbar sein". So könne es nicht angehen, dass ein Teil eines Vogelschutzgebiets einfach aus dem Schutzstatus herausgenommen werde, weil es dem Straßenbau im Weg sei. Laut Aussage von Ulrich Müller, dem Landesminister für Umwelt und Verkehr, habe das Kabinett die den Straßenbau störende Ausbuchtung im Dezember 2000 aus dem Vogelschutz herausgenommen.
Eine solche Herausnahme könne jedoch nur aus "fachlichen Gründen" erfolgen, also: wenn es dort keine schützenswerten Vögel mehr gäbe. Dies sei aber nicht der Fall. Die Streuobstwiesen um Schorndorf seien deswegen Vogelschutzgebiet, weil dort mehrere vom Aussterben bedrohte Arten brüteten, unter anderem auch der Halsbandschnäpper, von dem der Naturschutzbund 150 Paare gezählt habe. Das seien drei Prozent des gesamten bundesdeutschen Bestands.
Bereits bei der Anhörung im November 2002 habe der Nabu auf das Problem hingewiesen, im September 2003 erneut. Mit einer genügend großen Ausgleichsfläche für die Vögel würde sich der Nabu zufrieden geben. Er fordert 18 Hektar, die Stadt ist bereit, fünf Hektar auszuweisen. "Wir wollten das auf dem kleinen Dienstweg regeln", sagt Sombrutzki. Da aber auf lokaler Ebene keine Einigung zu Stande kam, habe man mit einer formlosen Beschwerde jetzt Brüssel "als Schiedsrichter" angerufen. Schorndorfs Oberbürgermeister Winfried Kübler hält die Nabu-Aktion für einen "Störfaktor". Er ist der Meinung, dass die Herausnahme des umstrittenen Zipfels Vogelschutzgebiet seinerzeit von der Landesregierung rechtlich in Ordnung war. Er befürchtet, dass die Nabu-Beschwerde die Umgehungsstraße insgesamt gefährdet. Eine Prüfung durch die EU koste Zeit. Womöglich komme das bereits zugesagte Geld inzwischen einem anderen Projekt zugute und Schorndorf schaue später in die Röhre. Um das zu verhindern fahre man jetzt zweigleisig: Zum einen will man in Brüssel die städtische Position darlegen, zum anderen mit dem Nabu weiter verhandeln.
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