Schorndorfer Nachrichten
vom 5. Januar 2004

Vogelfütterung kann sinnvoll sein

NABU-Vorsitzender Arnold Sombrutzki meint: Beitrag zum Artenschutz ist fraglich

Futterhäuschen sind frei an einem Ast anzubringen, wobei sich als Anflug und Versteckmöglichkeit mehrerer Bäume in der Umgebung befinden sollten.
Archivbild: Zürn
Welzheim/Schorndorf (Ig/stü). Die Winterfütterung von Vögeln macht Menschen Freude. Sie kann pädagogisch sinnvoll sein, so der Schorndorfer NABU-Vorsitzende Arnold Sombrutzki, der im Alfdorfer Ortsteil Pfahlbronn wohnt. Ob die Futterstellen ein Beitrag zum Artenschutz sind, ist allerdings mehr als fraglich.
Eine Futterstelle nahe der heimischen Wohnung, wo Groß und Klein entweder draußen oder vom Fenster aus den kleinen Piepmätzen beim "Futtern" zuschauen können, ist ein Naturerlebnis für sich, vermittelt Artenkenntnis und gibt Naturverbundenheit. In diesem Sinne hat der Vorsitzendes des Naturschutzbundes, Arnold Sombrutzki, Verständnis dafür, wenn Vögel auch außerhalb langer Frostperioden im Winter gefüttert werden. Die Natur wird nämlich so den Kinder näher gebracht. "Das kann ich akzeptieren." Ein Zufüttern anfürsich wäre aber sonst nicht nötig. Allenfal]s, wenn die Schneedecke drei oder vier Wochen lang liegen bleibt, der Frost anhält und die Vögel nicht mehr an die Sämereien gelangen, sei Winterfütterung sinnvoll. Nötig sei sie aber keinesfalls.
Die Winterfütterung ist außer dem Aufhängen von Nistkästen die beliebteste Form des Vogelschutzes. Jahr für Jahr geben bundesdeutsche Vogelfreunde mehrere hundert Millionen Euro dafür aus. "Vögel füttern - aber richtig" lautet das Motto für Hobby-Tierschützer, die zur frostigen Jahreszeit mit Körner- und Obstleckereien Vogelleben retten wollen oder einfach die kalten Wintertage für das Federvieh erträglicher gestalten möchten. Bei diesem Thema gehen stets die Meinungen auseinander: Manche Tierschützer und Vogelfreunde plädieren fürs Füttern, damit kein schwacher oder kranker Vogel bei schlechten Witterungsverhältnissen den Hungertod erleiden muss. Andere Natur- und Artenschützer warnen, diese Maßnahme helfe keiner bedrohten Art, sondern begünstige Standvögel gegenüber Zugvögeln. Im schlimmsten Fall verändere dieser Eingriff in die Natur das natürliche Zugverhalten der Vögel und diese beginnen möglicherweise, den Winter über "zu Hause" zu bleiben oder verlernen die selbstständige Futtersuche.
Eine Entwicklung, die der Schorndorfer NABU-Vorsitzende nur bestätigen kann: "Es ist deutlich zu beobachten, dass mehr Vogelarten hier überwintern und nicht mehr in den Süden ziehen." Sombrutzki nennt den Hausrotschwanz, die Bachstelze und den Star. Zufüttern sei letztendlich ein Eingriff in die natürliche Auslese. Ähnlich sieht es Sombrutzkis Kollege im Remstal: "Normalerweise regelt sich die Natur ja von alleine", meint der Vorsitzende des Weinstädter Naturschutzbundes Dr. Hermann Spiess. "Wenn man jedoch einige wichtige Regeln zur Fütterung beachtet, ist dies keine schlechte Sache." Man sollte erst bei Frost und geschlossener Schneedecke mit dem Füttern beginnen - ab dann regelmäßig morgens und nachmittags. Spätestens Anfang März ist die Fütterung einzustellen, da die Tiere sich sonst zu sehr an die Fütterung gewöhnen und die Fähigkeit verlieren, selbstständig Nahrung zu finden.
Um die Ubertragung und Ausbreitung von Krankheitserregern an der Futterstelle zu verhindern, sollten die Tiere nicht im Futter herumlaufen und es mit Kot verschmutzen können. Es ist besser zweimal täglich kleinere Portionen Futter auszulegen. Große Futterstellen, die von vielen Vögeln besucht werden, können zu Krankheitsherden werden. Deshalb empfiehlt es sich, mehrere kleine Futterstellen zu verteilen. Auch sollte der Tierfreund herkömmliche Futterhäuschen regelmäßig mit heißem Wasser reinigen.
Die Futterstellen sollten mindestens zwei Meter Abstand zur nächsten Glasscheibe haben und an einer freien Stelle positioniert sein, damit sich keine Katzen anschleichen können. Futterhäuschen müssen so gebaut und angebracht werden, dass das Futter auch bei starkem Wind, Schnee und Regen nicht durchnässt werden kann und dann verdirbt oder vereist.
"Grundsätzlich ist zu beachten, dass man keine gewürzten oder gesalzenen Speisen oder Essensreste füttert. Auch Brot ist nicht zu empfehlen, da es im Magen der Vögel aufquillt", erklärt Hermann Spiess. "Ansonsten sind die üblichsten Futtervarianten Sonnenblumenkerne, Maisknödel und Obst." Beim Obst gilt es zu beachten, dass der Vogelfreund lieber einen ganzen Apfel oder eine ganze Birne im überreifen Zustand bereitlegt, anstatt kleine Stückchen, da diese schneller gefrieren und somit schädlich für die Tiere sind.
Grundsätzlich unterscheiden sich die Singvögel in Körnerfresser und Weichfresser. Zu den Körnerfressern gehören Meisen, Finken, Spatzen, Gimpel, Dompfaffen, Goldammern, Lerchen und Sperlinge. Zu den Weichfutterfressern Amsel, Drossel, Star, Rotkehlchen, Baumläufer, Heckenbraunelle, Wintergoldhähnchen und der kleine Zaunkönig. Kleiber, Specht und Zeisig fressen Weich- als auch Körnerfutter.
Körnerfressern sollten Sonneblumenkerne, Hanf-, Gurken- und Kürbissamen angeboten werden. Auch in Speiseöl getränkte Haferflocken dienen als Ergänzung des Körnerfutters. Getreidekörner wie zum Beispiel Weizen oder Hafer, darüber hinaus Mohn, Leinsamen und zerkleinerte Erdnüsse eignen sich ebenfalls für die Winterfütterung. Natürlich gibt es auch die Möglichkeit, vorgefertigte Futtermischungen, Futterringe und Meisenknödel zu kaufen. Hier ist zu beachten, dass auch Vogelfutter nur begrenzt haltbar ist. Alle Vogelfreunde sollten sich bei aller Einsatzfreude merken: "Unsachgemäße Fütterung schadet den Tieren mehr als gar keine Fütterung!"


zum Seitenanfang Drucken