Schorndorfer Nachrichten
vom 6. November 2003

Weniger Vögel in den Nistkästen als im Vorjahr

Von 664 Nistkästen waren in diesem Jahr lediglich 234 mit Vögeln belegt / Die Gründe für den Rückgang sind ungeklärt

Da sitzen sie, aufgereiht wie eine Perlenkette. Hunderte von Starenmachen sich zum Abflug in wärmere Gefilde bereit. Vier Paare entdeckte Vogelbetreuer Rudi Mertens in Nistkästen auf der Gemarkung Buhlbronn. Im vergangenen Jahr hatte er sechs Paare beobachtet.
Bild: Frey
Schorndorf-Buhlbronn (kgu).
Vogelbetreuer Rudi Mertens vom Naturschutzbund hat von Ende März bis Ende September 664 Nisthöhlen auf der 270 Hektar großen Buhlbronner Markung mehrmals kontrolliert, gereinigt und vor allem Jungvögel beringt. Dabei rückten zehn Vogelarten in den Mittelpunkt der Beobachtungen im Jahreslauf.
Mertens ist seit 23 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter der Forschungsstelle für Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft und der Beringungszentrale der Vogelwarte Radolfzell. Seitdem untersucht er die Zahl der Gelege, hält Brutverläufe fest und beobachtet auch die Umgebung der Brutstätten. Die ersten 50 Nistkästen waren bereits 1952 aufgehängt worden. Die Buhlbronner Gemeinde, Schüler der Einklassigen-Landschule sowie Obst- und Gartenbaufreunde wollten den gefiederten Sängern und Schädlingsvertilgern ausreichend gesicherten Wohnraum, und den standorttreuen Höhlenbrütern Schutzräumee im Winter zur Verfügung stellen.
Das baumreiche Kontrollgebiet liegt zwischen den Höhenlagen der Berglen, sowie der Wieslauf und dem Schornbacher Tal. Von den 664 Nistkästen waren heuer nur 234 mit Vögeln belegt. Im letzten Jahr wurden 375 Kästen angenommen. Die Gründe für den Rückgang sind auch dem örtlichen Vogelbetreuer noch unklar. So wurden nur 98 Kästen von der größten heimischen Meisenart, der Kohlmeise, bewohnt. Im Jahr zuvor waren es 185. Auf den weiteren Plätzen der Rangfolge der meisten "Meisen-Mieter" folgen 53 Blaumeisenpaare (Vergleichszahl 2002: 89), die Sumpfmeise mit sieben (2) und die Tannenmeise mit zwei Vogelpärchen, wie im Jahr zuvor.
Von ihrem westafrikanischen Winterquartier erreichten im vergangenen Sommer 26 Halsbandschnäpper die Berglen. Bei dieser Vogelart gab's eine leichte Zunahme. 2002 waren es 18 Paare, die in die Nisthöhlen eingezogen waren. in weiteren vier Kästen residierten aus der Verwandschaft drei Tauerschnäpper und ein Grauschnäpper.
Der prächtige Gartenrotschwanz war in fünf Nisthöhlen heimisch (2002 in sieben). Drei Gartenbaumläufer-Pärchen waren Mieter in einer Baumläuferhöhle aus Holzbeton und brüteten dort weißgrundige, braungefleckte Eier aus. Von den 17 Feldsperlingspaaren kamen die meisten zu einer zweiten Brut. (2002: 26). Bei den Kleibern beobachtete Mertens nur drei Höhlenbrüter, zumeist an Waldrändern. Sie verkleinern den Eingang ihrer Nisthöhle, um sich und das Gelege zu schützen. Einmal nistete ein Schleiereulenpaar unterm Dach einer Feldscheune im Tal inmitten größerer Obstbaumbestände. Dieser geschützte Ort wird schon seit Jahren aufgesucht. Rundliche Eier lagen in der Nisthöhle von einem tagscheuen Waldkauzpärchen. Außerdem brüteten vier Starenpaare bevorzugt in Ortsnähe. (2002: sechs): Ein Turmfalkenpärchen war erneut Gast in einem Heuhaus im off enen Wieslauftalgelände. Für das Flugbild sind die schmalen Flügel charakteristisch. Gleich nach der Ankunft Ende März oder Anfang April sitzt das Weibchen über drei Wochen auf den vier bis sechs Eiern. Abzug in in sudhche Länder ist gegen Ende Okt rO. Einige bleiben auch bei uns. en Heuer fand Vogelfreund Mertens kein Rotkehlpärcben, das sich einen Nistkasten, ausgesucht hatte (2002: eins). Ausgeblieben sind auch die sperlingsgroßen Wendehälse. Mit seltsamen Verrenkungen von Kopf und Hals machen sie sich mit Vorliebe über Ameisen und deren Puppen her. Im letztenJahr waren es noch zwei Vogelpaare davon.
Auch Insekten nehmen Nistkästen in Beschlag. Feldbeobachter Mertens Feststellung: In acht saßen Hornissen. Hummeln machten es sich in einem und Wespen in zwei Nisthöhlen gemütlich. In drei Sommerquartierbehausungen hatten sich Fledermäuse (Vorjahr 30) niedergelassen. Sie leben von Insekten, die sie im Flug fangen. Der rattengroße Siebenschläfer mit seinem buschigen Schwanz und den großen Augen hat heuer in 16 Vogelnistkästen sein Sommernest gebaut und bezogen. Er liebt die Nähe von Wäldern. Dort findet er auch seine Nahrung: vor allem Beeren und Baumsamen. 2002 waren nur neun Kästen bewohnt.


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