Schorndorfer Nachrichten
vom 11. Oktober 2003

Ein lautstarker Winzling

Zaunkönig ist Vogel des Jahres 2004

Der Zaunkönig, Vogel des Jahres 2004
Gesang mit bis zu 90 Dezibel. Foto: dpa
Berlin (AFP) - Der Naturschutzbund Deutschland (Nabu) hat den Zaunkönig zum Vogel des Jahres 2004 auserkoren. Dieser ist zwar winzig, aber sein schmetternder Gesang ist bis zu 500 Meter weit zu hören: Der heimische Zaunkönig, wissenschaftlich Troglodytes troglodytes, ist als zweitkleinster Vogel Europas mit seinem unauffälligen, rostbraun gebänderten Gefieder leicht zu übersehen. Seine Flügel sind kurz, weshalb er als schlechter Flieger mit seinem steil aufgerichteten Schwanz meist hüpfend durchs Gebüsch huscht. Im Gegensatz zum unscheinbaren Äußeren des auch als Mäusekönig oder Zaunschlüpfer bekannten Tieres steht sein bis zu 90 Dezibel lauter Gesang. Von exponierten Stellen wie zum Beispiel Zaunpfählen aus markieren die Männchen auf diese Weise unverwechselbar ihr Revier. Anders als das griechische Wort "troglodyt" (Höhlenbewohner) vermuten lässt, bewohnen Zaunkönige nur selten Höhlen, sondern bevorzugen unterholzreiche Wälder, Feldgehölze, Gärten und Parks, wo sie ausreichend Deckung für die Brutzeit finden. Sie mögen feuchte Standorte und fressen mit ihrem leicht gebogenen Schnabel fast ausschließlich Insekten wie Spinnen, Motten, Fliegen, deren Eiern und Larven. Für den Nestbau ziehen sich Zaunkönige häufig auch in Natursteinmauern oder künstliche Nischen zurück. So wurden die Kugelnester des nur zehn Gramm schweren Vogels schon in Briefkästen, leeren Blumentöpfen oder weggeworfenen Adventskränzen gefunden.
Seine Eier wiegen weniger als 1,4 Gramm und sind nur 17 mal 12,5 Millimeter groß. Die Familie der Zaunkönige zählt weltweit etwa 60 Arten, die vornehmlich im tropischen Mittel- und Südamerika leben. In Europa zählt der Zaunkönig zu den häufigsten Vogelarten, sein Bestand in Deutschland gilt mit 1,5 bis 2,2 Millionen Brutpaaren als stabil. Wer etwas für den Vogel des Jahres 2004 tun will, sollte laut dem Nabu heimische Stauden und Sträucher pflanzen und geeignete Brutplätze wie Hecken erst im Herbst zurückschneiden.


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