Schorndorfer Nachrichten
vom 13. Oktober 2003

Landschaftspflege zum Nulltarif gibt es nicht

Landrat Johannes Fuchs bricht Lanze für den Pflegetrupp des Landkreises / OB kündigt weitere Flächen am Waldrand an

Landrat Johannes Fuchs testete vor seiner Rede einen Balkenmäher am
Gelände hinterm Rehfeldsee.
Bild: Bernhardt
Schorndorf (mpf).
Auf dem sechseinhalb Hektar großen Gelände des heutigen Rehfeldsees bauten einst die Arbeiter der Ziegelwerke Schorndorf Lehm ab. Inzwischen ist es längst zum Natur-Kleinod geworden durch die Pflege von Naturschützern. Am Samstg wurde dort im Rahmen des ersten Landschaftspflegetags geschafft im Beisein von Landrat Fuchs und OB Kübler, der vor der Lidl-Steg-Einweihung eine Stippvisite machte.
Dass die Pflege eines solchen Biotops - nach der Auflassung durch die Ziegelwerke Mitte der 70er Jahre längst Standort für seltene Orchideen, Lebensraum für Amphibien und Vögel - kein idyllisches oder gar ruhiges Unterfangen ist, wurde bald klar. Der eingesetzte Maschinenpark Konnte Sich lassen und war unüberhörbar: große Balkenmäher, Motorsägen, Häcksler und Heuwender sind im Einsatz, und die Sense, die sowohl der Schorndorfer Rathauschef (Johannes Fuchs: "Winfried, du machsch des nedd zum erschten Mol!") wie auch der Landrat (Winfried Kühler: "Johannes, du machsch auch koi schlechte Figur") probehalber in die Hand nahmen und schwangen ist bei der Pflege eines solchen Gebiets inzwischen fast ein nostalgisch anmutendes Werkzeug. So ist auch mit großem Schlepper ein Landwirt unterwegs, mit Doppelbereifung, damit er den feuchten Boden nicht allzu sehr verdichtet. Zu tun gibt es viel: Gehölze zurückschneide und das Mäh- und Schnittgut abräumen.
Als eine "Perle im Ballungsraum" bezeichneten Landrat Fuchs, NABU-Chef Arnold Sombrutzki und Reinhard Wolf von der Bezirksstelle für Natur- und Landschaftsschutz das Gebiet, das gleichwohl ohne das Auslichten rasch verbuschen respektive verwalden würde. "Je reichhaltiger und schöner die Landschaft, desto reichhaltiger und schöner die Natur", beschrieb Wolf die Zielrichtung der Pflege, und Sombrutzki erläuterte die Unterschiede einer extensiven Pflege zur intensiven: kein Kunstdünger und Schwemmist und gemäht wird erst nach der sonnenreifen Blüte. Großes Lob gab's seitens der Naturschützerfür den kleinen Pflegetrupp des Landkreises, der aus dem Urbacher Landwirt Blümle und vier Zivildienstleistenden besteht. Sombrutzki zum Aufwand: "Peanuts im Vergleich zu dem, was für öffentliche Grünpflege ausgegeben wird." Der Pflegetrupp sei zuständig für viele "Filigranarbeiten" an Flächenbiotopen des Kreises und trotzdem steht er Jahr für Jahr im Kreistag zur Debatte, wenn's ums Ringen um die Kreisumlage geht. "Es wäre, wie wenn der ADAC Leitplanken montieren würde", sagen Wolf und Sombrutzki. Unklar blieb die Haltung von OB Kübler, bei dem der Landrat sich für den Erhalt des Pflegetrupps stark machte. Der Schorndorfer Rathauschef regte an, den privaten, ehrenamtlichen Naturschutz zu stärken und unter den Leuten mal dafür zu werben, dass sie sich nicht nur zum Wandern, sondern auch zur gemeinsamen Pflege eines Naturschutzgebietes treffen. Man könne ja sogar ein Fest folgen lassen.
"Die reine Unterschutz-Stellung, die Käseglocke reicht nicht aus", erklärte Landrat Fuchs, als sich die etwa 30 Helferinnen und Helfer (darunter auch Kinder) zum Pausenvesper versammelten. Fuchs würdigte deren Engagement ausdrücklich. Die Aufgabe, die Landschaft zu pflegen, könne nicht allein der öffentlichen Hand überlassen werden. Es gelte, die Aufgabe mit einem Netzwerk von ehrenamtlichen und professionellen Helfern zu meistern. OB Kübler offerierte das Bonbon, dass die Stadt Mittel, die sie als Ausgleich für die ll0-KV-Leitung durch den Wald erhält, nutzen werde, oben am Waldrand weitere fünf, sechs Hektar dem Landschaftsschutz zuzuschlagen.
Der Landschaftspflegetag widmet sich, erklärte Johannes Fuchs, einem aktuellen und angesichts leerer öffentlicher Kassen viel diskutierten Thema: der Erhaltung und Pflege der über Jahrhunderte hinweg gewachsenen Kulturlandschaft. Die Ausweisung eines Natur- und Landschaftsschutzgebietes sei heute nur noch ein erster Schritt zum Schutz der Natur. Die entscheidende, aufwändige Aufgabe folge erst: die Pflege und naturnahe Nutzung, "mit dem Erlass einer Rechtsverordnung durch die Naturschutzverwaltung allein sind Tier- und Pflanzenarten nicht zu erhalten". Fuchs "freut es ganz besonders, dass es im Kreis gelungen ist, bei der Pflege von schützenswerten Biotopbereichen eng mit den ansässigen Landwirten zusammen.zuarbeiten. So wird Herr Hess, der auch heute wieder mit anpackt, regelmäßig mit dem Abtransport des anfallenden Mähguts beauftragt." Von meßbarem Erfolg gekrönt sein werden künftig "einzig und allein Kooperationsmodelle und die Beteiligung vieler gesellschaftlicher Gruppen auf diesem Gebiet. Wir alle sind uns bewusst, dass die Erhaltung unserer bemerkenswert schönenen Landschaft ihren Preis hat.


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