Stuttgarter Zeitung
vom 27. August 2003

Auf der Jagd nach dem großen Mausohr

Für Fledermausfans geht der Naturschutzbund mit Hilfe des Bat-Detectors auf akustische Pirsch

SCHORNDORF. Die Bat-Night, initiiert, um Einblicke in das Leben der heimischen Fledermäuse zu geben, hat in Schorndorf gut 100 Interessierte angezogen. Seit sechs Jahren wird sie europaweit in der letzten Augustwoche ausgerufen.
Von Gabriela Uhde
Großes Mausohr
Auch Große Mausohren sind schon am Rehfeldsee gesehen worden
Foto: dpa
Da steht eine große Menschenansammlung am Alten Friedhof in Schorndorf und schweigt. Kinder und Erwachsene stieren in die Luft oder blicken konzentriert zu Boden. Sie alle lauschen, was Günther Lang mit seinem Bat-Detector an Geräuschen einfängt. Der kleine, 400 Euro teure Apparat in seiner Hand setzt die Ultraschallsignale der Fledermäuse in für uns hörbare Frequenzen um. Ab und zu knackt und rauscht es aus dem Lautsprecher, aber ein Fledermausruf ist nicht darunter.
Also macht sich die Gruppe auf zum Naturschutzgebiet Rehfeldsee. Die Dämmerung geht bereits in dunkle Nacht über. Und schließlich wird die Geduld für die lange Pirsch belohnt. Das Gerät lässt ein helles Klackern vernehmen, gefolgt von schnellen, zwitschernden Schmatzlauten. "Da", ruft ein Kind und zeigt mit dem Finger in die Luft. Tatsächlich: eine Fledermaus fliegt auf die Straßenlaterne zu. Ein Raunen geht durch die Menge, weitere Finger zeigen nach oben, entzückte Rufe werden laut.
Als ob das Tier sich seines großen Auftritts bewusst wäre, dreht es eine große Runde für sein Publikum. Einzelne Beobachter versuchen, den Flug der Fledermaus mit ihren Taschenlampen zu verfolgen und sichtbar zu machen. Doch schon ist sie wieder in der Dunkelheit der Nacht verschwunden.
Es war eine Zwergfledermaus, die bei uns am häufigsten vorkommende Art der nächtlichen Flattermänner. Günther Lang hat darüber hinaus in Schorndorf auch schon den Großen Abendsegler und das Große Mausohr beobachten können. Doch diese Spezies tut ihm an diesem Abend nicht den Gefallen, in Erscheinung zu treten.
Die Freude bei Groß und Klein, wenigstens die Zwergfledermaus, wenn auch nur für ein paar Sekunden, gesehen zu haben, ist dennoch groß, und damit ist der Zweck der Veranstaltung erfüllt. Der Naturschutzbund will mit dieser Führung darüber aufklären, dass Fledermäuse keinesfalls gefährliche Vampire sind, sondern liebenswerte Tierchen. Seitdem sie in den 70er Jahren durch den intensiven Einsatz von Insektiziden fast ausgerottet wurden, stehen sie jetzt unter strengem Naturschutz.
Wer Fledermäuse im eigenen Haus hat, könne sich glücklich schätzen, meint der Naturschützer. Nicht nur, dass die nachtaktiven Tiere bis zu 4000 Insekten pro Nacht vertilgen, also der beste Schutz gegen lästige Stechmücken sind. Auch ihr Kot sei "der beste Blumendünger", weder ätzend noch stinkend. Lang hat eine Mausohr-Kotprobe in einem Plastikdöschen dabei und reicht sie herum. Stimmt. Stinkt nicht.
Noch so manch interessantes Detail erzählt Lang von den fliegenden Säugetieren: etwa, dass sich die Weibchen umgekehrt an die Decke hängen, wenn sie gebären, und sie ihr Junges mit der Flughaut am Schwanz auffangen, wenn es zur Welt kommt. Wer Fledermäuse bei sich ansiedeln will, kann einen Nistkasten aufhängen, besser zwei bis drei verschiedene Modelle, denn die Tiere sind sehr wählerisch bei ihrer Quartiersuche. Ansonsten bleibt nur: auf die Pirsch gehen, um sie in der freien Natur zu beobachten. Und Geduld mitbringen.
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