Schorndorfer Nachrichten
vom 25. August 2003

Dann kam noch der große Abendsegler

Richtige Fledermaus-Prozession durch Schorndorf / NABU war vom Andrang selbst überrascht

Günther Lang erklärt
Die Fledermaus-Führung des NABU Schorndorf mit Günther Lang (mit Detektor) lockte am Samstagabend mehr als 100 Leute an, darunter auch 20, 30 Kinder, die bis zum Schluss ohne Murren ausharrten und letztlich in der Lortzingstraße für ihre Geduld belohnt wurden. Bild: Steinemann
Schorndorf (mpf).
Fledermäuse haben sich in den giftreichen 70er Jahren fast von Schorndorf verabschiedet, bis auch die Leute merkten, dass so genannte Holzschutzmittel wie DDT und Lindan auch vor ihnen nicht Halt machen. Inzwischen sind die Tiere wieder häufiger zu sehen, doch der Vorführeffekt schien bei der Fledermausführung, zu der die Naturschutzbund-Gruppe Schorndorf (NABU) auf Samstagabend eingeladen hatte, lange im Vordergrund zu stehen - machten doch die geheimnisvollen, hochsensiblen Tiere lange einen Bogen um die stattliche, mehr als hundertköpfige Schar. Zum Schluss aber, nach einer gut zweistündigen Fledermausprozession hinten am Grüß-GottWegle, dann später auch am Rehfeldsee und unten bei den insektenreichen Straßenlaternen der Lortzingstraße, schlugen die mitgenommenen Fledermaus-Detektoren auf mehreren Frequenzen an. Da waren sowohl die Laute der öfter vorkommenden Zwergfledermaus zu hören (auf 45 Hertz-Frequenz) und zu sehen wie auch auf 20 Hertz die Rufe des selteneren, großen Abendseglers. Als einer der Abendsegler auch noch wendige Flugkünste zeigte, war nicht nur ein Raunen bei den zahlreichen Kindern festzustellen, die bis dahin trotz warmer Nacht und weitem Weg bemerkenswert geduldig ausgeharrt hatten. Wie Günther Lang vom NABU verdeutlichte, haben sich die Fledermaus- Populationen in Schorndorf wieder erholt. Auch im Burgschloss, aus dem bei der Dachsanierung (als gefährdete Art unter Naturschutz stehend) eine Große-Mausohr-Kolonie vertrieben worden ist, zeigten sich die Tiere heuer wieder. Mehrere Dutzend Weibchen säugten ihren Nachwuchs in diesem Sommer. Lang sah morgens, wie die Tiere nach der Jagd wie am Flughafen Warteschleifen drehten, bis eins ums andere im Loch verschwand. Die vor allem im Mittelalter als teuflisch beleumundeten Fledermäuse fressen in jeder Nacht mit Insekten etwa die Hälfte ihres Körpergewichts an. Ihr Kot sei entgegen landläufiger Meinung nicht hochgiftig, wie ein so genannter Experte einer Schorndorferin dieser Tage weismachte. Er sei ein wertvoller Blumendünger. Im Winter fallen die Säugetiere in einen Schlaf, aus dem sie aber erwachen, wenn sie gestört werden. Die Weibchen empfangen das Sperma meist im Herbst, und der Nachwuchs (ein Junges) wird in gemeinsamem Wochenbett mit anderen Weibchen empfangen, wobei bei der Geburt der Nachwuchs in die Schwanzflughaut der Mutter plumpst und dann zu den Zitzen krabbelt. Wer im Sommer eine Wochenbett-Kolonie auf seinem Dachstuhl entdeckt, dem rät Lang: "Urlaub machen." Die störungsempfindlichen Tiere lassen öfter Junge hilflos zurück, und die Aufzucht ist schwierig. In Deutschland gibt es noch 24 Arten, in Schorndorf weiß der NABU wohl von sieben, acht, darunter auch Wasser- und Wald-Fledermäuse.
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