Schorndorfer Nachrichten
vom 22. Juli 2003

Richtig dengeln ist beim Mähen 'halber gschaffd'

Heinz Bechtle (rechts) erklärt den Teilnehmern
Auch der Sensenbogen muss richtig sitzen. Heinz Bechtle (rechts) erklärt's den Teilnehmern
Bild: Habermann
Von unserer Mitarbeiterin
Christine Born
Schorndorf.
Wie geht man mit der Sense um? Das wollten mehr als 25 Personen wissen, die sich auf einer Streuobstwiese des Naturschutzbundes Schorndorf in der Nähe des Haubersbronner Kreisels mit ihren Sensen einfanden und sich von Heinz Bechtle in die Kunst des richtigen Mähens einführen ließen.
Heinz Bechtle aus Schwaikheim ist ausgebildeter Schmied. Mähen mit der Sense, sagt er, ist eine umweltfreundliche Technik: leise und ohne zusätzliche Energie außer der menschlichen Muskelkraft. Jeder kann mähen lernen, alles reine Übungssache. Früher konnte es ja auch jeder. Heute kauft man eine Sense und obwohl "mähfertig" darauf steht, ist sie nur geschliffen und die Schneide im Grunde viel zu dick. "Ohne Dengeln kein Mähen", lautet die Devise des Schmiedes, der als Rentner in der "Alten Schmiede", einer sehenswerten Schauschmiede in Schwaikheim, mitarbeitet.
Es dauert etwa 15 bis 20 Minuten, bis eine Sense gängig gemacht ist
Mit der Spitze des Dengelhammers wird Schlag für Schlag die Schneide der Sense, die auf dem Dengelstopfen aufliegt, dünn geklopft wie eine Rasierklinge. Mit dem feuchten Wetzstein, den man früher in einem Kuhhorn, das mit etwas Wasser gefüllt war, am Gürtel mit sich führte; erreicht man den letzten Schliff. Etwa 15 bis 20 Minuten dauert es, bis man so eine Sense wieder gängig gemacht hat. Heinz Bechtle kann sich gut erinnern, wie sein Vater, der auch Schmied war, in der Erntezeit bereits morgens um fünf Uhr anfing, die Sensen der Landarbeiter zu dengeln. Und der typische Klopfrhythmus des Dengelns hielt den ganzen Tag an. "Und da denkt man immer, man kann nicht mähen", meint einer der Teilnehmer zu einem anderen, "dabei liegt's nur an der Schneide." Aber es liegt nicht am Dengeln allein. Die Sense muss auch richtig eingestellt sein, sonst hackt sie - und dabei sollte sie locker durch das Gras gleiten. Heinz Bechtle erklärt anhand einer Sense, deren Griff er dazu auf den Boden aufstellt, wie der Sensenbogen zu sitzen hat. "Richtig dengeln und einstellen isch scho halber gsdhaffd", sagt er lachend. "Und jetzt probiere Sie mal!"
Sensen haben ihren Preis gehalten: heute 35 Euro, früher 70 Mark
Das muss er den Teilnehmern nicht zweimal sagen. Es wird gedengelt, gewetzt und gemäht, was das Zeug hält. Mittendrin steht der Schmied und gibt Antworten auf alle Fragen. Auch zwei alte Dengelapparate sind im Einsatz. Sensen werden übrigens bis heute in Handarbeit hergestellt und haben ihren Preis gehalten. Schon vor Jahr- zehnten kostete eine Sense mit ordentlicher Qualität um die 70 Mark, heute etwa 35 Euro.  Beim Mähen sollte man sich der Umwelt  zuliebe angewöhnen, immer ein Stück Gras einfach stehen zu lassen - für die Insekten und Schmetterlinge. Gerade die Brennnessel- und Distelecken sind manchmal die interessantesten. "Rechter Fuß nach vorne, gerade halten, Oberkörper mitdrehen... Mach ich's richtig?", will eine junge Frau aus Winnenden wissen, die bereits vor zwei Jahren am Mähkurs des Nabu teilgenommen hat. Der "Sensenlehrer" kann sie beruhigen. Der 14-jährige Andreas hat den Bogen beim Wetzen raus. "Hat mir der Bruder meines Opas beigebracht", bemerkt er stolz. "Ich habe ein Stückle in Haubersbronn am Hang", meint ein weiterer Teilnehmer, "da passt das Mähen mit der Sense gut. Außerdem - kostet nix, kein Lärm, dafür Bewegung an frischer Luft."  Nach etwa zwei Stunden ist die Wiese weitgehend gemäht. Bei der Hitze sind die gekühlten Getränke willkommen. "Jetzt  isch Sense, vielen Dank für die Tipps", sagt ein Teilnehmer, schultert sein Arbeitsgerät  und macht sich auf den Heimweg.
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