Schorndorfer Nachrichten
Mittwoch, 16. Juli 2003

Vor-Ort-Aktion: Wie arbeitet ein Bio-Landwirt?

Gruppe des Naturschutzbundes aus Schorndorf beim Bioland-Bauer Karl Gruber in Rienharz zu Besuch / Produkte gleich getestet


Alfdorf/Schorndorf (cb).
Im Rahmen der Landesaktionstage "Öko-Landbau" hat eine Gruppe des Naturschutzbundes Schorndorf den Bioland-Bauer Karl Gruber in AlfdorfRienharz besucht. Wie arbeitet ein Bio-Bauer und was macht er anders? - wollten die Teilnehmer vor Ort erfahren.
Vor dem hübschen, holzverkleideten Haus mit dem bunten Blumenschmuck empfing der Landwirt, der 1986 auf Bio umgestellt hat, seine Besucher. Unweit des Wohnhauses konnten die Besucher den Stall, Schatten spendende Bäume und erste Vorbereitungen für das Vesper im Freien entdecken. Und dann ging's für die großen und kleinen Gäste auch schon los mit der Treckertour über die Felder.
Karl Gruber baut Futter, zum Beispiel Klee, für seine 20 Stück Milchvieh und die zwölf Jungtiere, aber auch Getreide mit hoher Backqualität wie Grannenweizen an. Diese Weizensorte hat einen hohen Nährstoffgehalt, ist anspruchslos von der Düngung her und wird viel in der Dritten Welt angebaut, denn sie ist sehr trockenresistent. "In diesem Sommer passt das natürlich gut", so Bauer Gruber. "Sehr ertragreich ist sie allerdings nicht", fügt er hinzu, "aber der Welzheimer Wald ist eben auch kein typisches Weizenanbaugebiet." Nach der Ernte in der ersten Augustwoche werden die Stoppeln bearbeitet, ganz flach, damit liegen gebliebener Samen auskeimt. Danach wird tief umgepflügt. Gedüngt wird mit Mist und Senf, der eigens dafür angesät wird. "Mineralischer Dünger ist für uns Bio-Bauern verboten, auch dürfen wir keine Chemikalien, wie Unkrautvernichtungsmittel und Insektizide, verwenden", erklärt der umweltbewusste Landwirt.
Auf dem nächsten Feld wachsen Hafer, Gerste und Erbsen in trauter Eintracht auf einem Feld. Was für ein Durcheinander! Aber wenn das Durcheinander mit dem Mähdrescher abgeerntet worden ist, ergibt es schmackhafte Kälbernahrung und Kraftfutter - übrigens das einzige, das hier auf dem Hof verwendet wird. Die Nährstoffe dieser Körnermischung können die Kälber direkt nach der Milchentwöhnung besser verwerten als Heu.
Auf dem Roggenfeld stehen die Halme niedrig, und es ist Unkraut zu sehen. "Erst gab es zu viel Regen, dann kam die Trockenheit", fasst Karl Gruber zusammen. Die Klee-Untersaat, die das Unkraut unterdrücken soll und meistens im April zwischen die Roggenpflänzchen gesät wird, ist nicht aufgegangen. Das bedeutet noch eine zusätzliche Einbuße, denn der Klee wird normalerweise als Viehfutter genutzt.
Ein hübsches Kornblumenblau zeigt sich im Dinkelacker. Vor 15 oder 20 Jahren gab es nur eine Sorte Dinkelsaatgut. Das hat sich geändert, die Nachfrage nach Dinkel ist gestiegen. Bauer Gruber baut eine alte Schweizer Sorte das "Oberkulmer Rotkorn" an. "Biologisches Saatgut ist teuer", gibt er zu bedenken, "und der Ertrag des Dinkels ist mit dem des Weizen nicht zu vergleichen."
Auf dem daneben liegenden Kartoffelacker mit den Sorten Nicola und Marena findet der vierjährige Paul einen Kartoffelkäfer, den er stolz herumzeigt. Zum Glück handelt es sich hierbei nur um ein Einzelstück, denn der Landwirt ist der Larven- und Käferplage schon längst mit biologischen Spritzmitteln zu Leibe gerückt. Diese schädigen den Darm der Larve, so dass sie nicht mehr fressen kann.
Nach der Treckertour über die Felder wird der Stall besichtigt. Ganz neu eingerichtet hat der Bauer einen Anbau mit Teilüberdachung, eingestreuten Liegeboxen und moderner Mistentsorgung. Vorher hatte eine Kuh zwei Quadratmeter Platz, im Laufstall hat sie zehn Quadratmeter. An den glatten, braunen Fellen der Limpurger, einer vom Aussterben bedrohten Rasse, sehen alle, wie gut die argerechte Haltung den Tieren bekommt. Auch im Winter gehen die Kühe gern raus. "Kühe sind Eiszeittiere. Für die Kuhr sind fünf Grad Celsius so angenehm, wie für uns 20 Grad. Kühe haben eher Stress mit Wärme", so Karl Gruber. Um Milch und Fleisch in Bioqualität zu erzeugen ist artgerechte Haltung erforderlich und es darf nur biologisch erzeugtes Futter verwendet werden. "Wir Biobauern haben hohe Auflagen, kaufen teuer ein und haben zur Zeit wegen der Wirtschaftsflaute Absatzprobleme. So kann ich jetzt meine Biomilch nicht in eine Bio-Molkerei abgeben, weil diese sie nicht mehr verkaufen kann", sagt der Rienharzer Landwirt.
Für die Gäste vom Naturschutzbund steht jedoch fest, dass die ökologisch durchdachte Landwirtschaft für die Insekten- und Vogelwelt und damit für den gesamten Naturkreislauf von Nutzen ist. Biobauern wie Karl Gruber helfen die artenreiche und vielseitige Landschaft zu erhalten.
Nach der informativen Führung testeten die Schorndorfer Gäste die Bioqualität gleich an Ort und Stelle. Ein leckeres Salatbuffet, Weißwürste, Gemüseauflauf und Bio-Bier waren nur einige der Schmankerln, die die Gäste in fröhlicher Runde verzehrten.
Verschaffen Sie sich einen Überblick über Seiten mit ähnlichen Themen


zum Seitenanfang Drucken