Schorndorfer Nachrichten
Mittwoch, 09. Juli 2003

Zwerg-Bläulinge (selten!) bei Urbach entdeckt

Bisher war nicht bekannt, dass der Tagfalter im Rems-Murr-Kreis vorkommt - er ward vorher noch nie gesehen

Zwerg-Bläuling Rotklee-Bläuling
Die Bilder beweisen's: Der Zwerg-Bläuling (links) ist nur schwer vom Rotklee-Bläuling (rechts) zu unterscheiden.   Bilder: Rommel

Urbach.
Mit Skepsis las Michael Rommel vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) Schorndorf folgende E-Mail: .... "Mit großer Wahrscheinlichkeit beobachtete ich [bei Urbach] Zwerg-Bläulinge... '" Der Absender, Thorsten Götz, ist ebenfalls NABU-Mitglied und als versierter Schmetterlings-Kenner bekannt.
Bläulinge sind aber schwierig zu bestimmen, und der Zwerg-Bläuling kann leicht mit dem im Raum Schorndorf häufigen Rotklee-Bläuling verwechselt werden. Daher machten sich Götz und Rommel gemeinsam auf, um den Fundort zu kontrollieren. Sie konnten dabei tatsächlich mehrere Zwerg-Bläulinge beobachten und rund 50 Eier finden. Damit war die Existenz dieses Tagfalters im Remstal entdeckt und eine intakte Population nachgewiesen. Thorsten Götz überprüfte daraufhin mehrere in Frage kommenden Biotope zwischen Urbach und Eselshalden und fand an zwei weiteren Stellen Eier des Zwerg-Bläulings.
Im gesamten Rems-Murr-Kreis war bisher kein Vorkommen des Zwerg-Bläulings bekannt. In den letzten 150 Jahren wurde diese Art aus dem Gebiet östlich des Neckars zwischen der Schwäbischen Alb und Schwäbisch Hall nur ein einziges Mal gemeldet. Bei dieser Beobachtung aus dem Jahr 1962 im Tal der Blinden Rot handelte es sich nach heutiger Auffassung jedoch sehr wahrscheinlich um eine Verwechslung mit dem schon erwähnten Rotklee-Bläuling.
Der Zwerg-Bläuling (Cupido minimus Fuessly, 1775) ist mit einer Spannweite von nur etwa 20 bis 25 Millimetern die kleinste der europäischen Tagfalterarten. Die Flügel-Oberseite beider Geschlechter ist braun gefärbt, lediglich bei manchen Männchen ist die Flügelbasis leicht blau bestäubt. Vorkommen kann der Winzling nur dort, wo der Wundklee wächst, von dessen Blüten die Raupe lebt. Diese frisst die unreifen Samenanlagen im Innern der röhrenartigen Blüten, so dass man sie praktisch nie zu Gesicht bekommt. In seiner Entwicklung ist der Zwerg unter den Bläulingen derart gut an den Wundklee angepasst, dass die Raupe ausgewachsen ist, bevor die Samen des Wundklees reif sind. Sie vollendet ihre Entwicklung in nur 18 Tagen, was für Schmetterlingsraupen eine ausgesprochen kurze Zeit ist.
In Baden-Württemberg kommt die Art vor allem in der Oberrhein-Ebene, der Schwäbischen Alb und dem Tauberland vor und wird in der Roten Liste der gefährdeten Tierarten Baden-Württembergs als "gefährdet" eingestuft. Ebenso wie viele an andere Schmetterlingsarten ist auch diese Art vielerorts im Rückgang begriffen.
Einer der Zwergbläuling-Fundorte liegt innerhalb einer für die Öffentlichkeit nicht zugänglichen Biotop-Fläche. Für dieses Gebiet erstellt die Naturschutz-Abteilung des Landratsamts Rems-Murr derzeit einen Pflegeplan. Es wäre ein Erfolg, wenn aufgrund der Zwergbläuling-Meldung der NABU-Gruppe Schorndorf hierbei berücksichtigt würde, die Standorte des Wundklees vor der Verbuschung zu bewahren und sie nur einmal im Jahr zu mähen, wenn die Samen des Wundklees reif sind - also frühestens im Juli, besser erst ab September.
Auch wenn die Anwesenheit des Winzlings im Schorndorfer Raum den meisten Spaziergängern verborgen bleiben wird, so ist er doch eine Bereicherung für die recht spärliche Tagfalterfauna des Remstals und nicht zuletzt ein Teil eines Ökosystems, das umso stabiler ist, je mehr Tier- und Pflanzenarten es enthält. Götz und Rommel hoffen, dass der Name dieses kleine Nahrungsspezialisten nicht schon kurz nach seiner Entdeckung die Liste der ausgestorbenen Tierarten des Remstals verlängern wird.
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