Schorndorfer Nachrichten
Montag, 23. Juni 2003

Natur schätzen und schützen - das verbindet

NABU-Exkursion an den Kaiserstuhl: Vielfalt von Blumen, Pflanzen und Tieren, als wär's ein Stück vom Paradies

Schorndorf (stlred). Die Exkursion des Naturschutzbunds an den Kaiserstuhl bot nicht nur Gelegenheit, den exotischen Bienenfresser, einen Prachtspapageien in Kleinformat, zu bewundern. Die Teilnehmer wurden auch mit den naturunverträglichen Folgen einer Rebflurbereinigung konfrontiert. Die Exkursion war eine gelungene Mischung aus Natur und Kultur.
Inmitten der Kaiserstuhl-Berge, in Oberrotweil, hatten die Teilnehmer ihre Quartiere. Zur ersten Station, dem Kirchberg, führte Engelbert Mayer, Vorsitzender des NABU Kaiserstuhl, der auch an den folgenden Tagen seine Heimat und deren Naturschätze zeigte. Sr schilderte die Folgen der umstrittenen Rebflurbereinigung am Kaiserstuhl: Die neu geformten Terrassen hatten Gefälle zum Berg hin: Kaltluftstaus ließen viele Reben über den Winter erfrieren. Die Umgestaltung der Neigung zum Tal hin löste Erosionen aus. Die durch die Terrassierung entstandenen Steilhänge sind schwer zu pflegen, weshalb die Flächen naturwidrig immer stärker abgeflammt wurden. Mayer erreichte eine naturverträgliche Lösung.
Am Kaiserstuhl gibt es prachtvolle Blumenwiesen wie aus dem Bilderbuch, mit einer Vielfalt und Abwechslung, als wär's ein Stück vom Paradies. Auch Besonderheiten wie die Teufelskralle, der amethystblaue Sommerwurz und heimische Orchideen wie die Violettrote Pyramidenorchis und der seltene Violette Dingel. Um diese Orchideen-Blüte zu fotografieren, reisen Spezialisten aus ganz Deutschland an.
Auf der Rückseite des Kirchbergs öffnet sich der Blick auf Rebflächen, die zum Revier des Bienenfressers gehören. Sobald einige dieser exotisch anmutenden Vögel auf Stromleitungen ausgemacht waren, wurde es still in der Gruppe: Was für ein farbenprächtig leuchtendes Gefieder! Die Gruppe konnte sich an diesen Prachtpapageien im Kleinformat nicht sattsehen - weshalb die Oko-Weinprobe Stunden später begann.
Anderntags führte Engelbert Mayer zum Haselschacher Buck, an dessen Fuß sich Zauneidechsen und Smaragdeidechsen in der Morgensonne aufwärmten: imposante Reptilien, blaugrün schillernd gefärbt und mit ausgesprochen langem Schwanz, Gesamtkörperlänge mindestens 30 Zentimeter. Dann wieder Blumenwiesen auch mit Orchideen wie Bocksriemenzunge und Honigorchis. Aus einem Wäldchen meldete sich der Bauinpieper. Von Baumspitzen aus flog der Vogel in die Höhe, um dann wie ein Fallschirm herunterzugleiten. Zur Abwechslung dann Stadtbummel in Breisach mit Blick vom Münster zu den Vogesen. Am Abend Treffen mit Mitgliedern des NABU Kaiserstuhl. Dabei wurde spürbar: Natur schätzen und schützen - das verbindet.
Anderntags war das Naturschutzgebiet Taubergießen Ziel. Dieses Gewässersystem ist vom begradigten Rhein abgeschnitten ("taub"), wird aber über unterirdische Quellen gespeist, in die sich letztlich doch Rheinwasser ,,gießt". Bei der Wanderung durch das Auengebiet wurden zahlreiche Vogelarten beobachtet. In den Wiesen betörte eine Vielzahl blühender Pflanzen.
Am Sonntag empfing der Vorsitzende des NABU Kaiserstuhl die Gruppe in seinem Heimatort Eichstetten zu einer letzten Rundwanderung. Auf Hohlwegen, die sich durch Erosion in den Löss gearbeitet haben, ging es nochmals in die Weinberge. Den Weg säumte die Rapunzel-Glockenblume, deren Wurzeln früher als Gemüse genutzt wurden und die in dem gleichnamigen Märchen tatsächlich gemeint war - nicht der Ackersalat. Der Blick abwärts zu einer Hütte mit eingebautem Wiedehopf-Nistkasten ermöglichte die Beobachtung des bei uns kaum mehr anzutreffenden Wiedehopf mit seinem typischen schmetterlingsartigen Flügelschlag. Zum Abschluss besuchte die von Christoph Haller und Michael Rommel geleitete Exkursionsgruppe den Eichstettener Kräuter- und Samengarten, in dem engagierte Gärtner ursprüngliche Kräuter- und Gemüsesorten durch Anbau und Samengewinnung zu erhalten versuchen.

(Beachten Sie auch unseren ausführlichen Bericht mit Artenlisten )



zum Seitenanfang Drucken