Schorndorfer Nachrichten
Dienstag, 10. Juni 2003
Vogelbeobachtung
Sie lauschten am Pfingstsonntag früh dem Gesang der gefiederten Gesellen im Wald südlich von Weiler: die wohl 30 Teilnehmer an der vom NABU Schorndorf angebotenen vogelkundlichen Führung. Sie begegneten dabei nicht nur Vögeln, sondern auch Campern mit Fuhrpark auf dem Buiters, Joggern, Reiterinnen und Leutchen, die wohl im Wohnmobil im kühlen Walde geschlummert hatten.
Bild: Habermann

Am Pfingstmorgen zum Neuntöter

Fast 30 Vogelfreunde pirschten mit dem NABU hoch auf den Buiters oberhalb von Weiler

Schorndorf-Weiler (mpf).
Sind schon alle Vögel da? Sich davon zu überzeugen und aus dem Munde von Erwin Lang und Claudia Barth Wissenswertes über Singvögel zu erfahren, dazu kam am Pfingstsonntag um 8 Uhr eine stattliche Schar Interessierter zum WeiIermer Schützenhaus-Parkplatz. Im Walde galt es aber nicht nur Tauben, das Pfingstsymbol schlechthin, und andere Vögel zu entdecken, sondern auch einige weitere Gäste.
"Diidiididida", "Tschllp tschilp", "Tirillie" "Guruguu",- akkustisch ist einiges geboten am Wa1desrand bei Weiler, wenn sich Amsel, Singdrossel, Buntspecht, Mönchsgrasmücke, Mehlschwalbe, Zaunkönig, Buchfink, Tannenmeise, Goldhähnchen (mit hoher Frequenz), Heckenbraunellen, Zilpzalp, Raben und Ringeltauben ein Stelldichein geben, schimpfen und warnen, wenn da schon wieder ein Trupp Zweibeiner ins Revier eindringt und die Sorge um den noch kleinen, aber schon hörbar fiependen Nachwuchs zu allerlei Täuschungsmanövern stimuliert.
Erwin Lang, der erfahrene Vogelexperte des NABU, weiß die Vögel trefflich am Gesang zu erkennen. Woher kommt's? Sein Vater hat ihn früh statt in die Stadt in den Wald mitgenommen, und dort hat's den Erwin gepackt, die gefiederten Orchestermitglieder auch mal aus der Nähe kennen zu lernen. So entstanden Fähigkeiten, die nur bewundern kann, wer als Kind seinerzeit nur auf den Sportplatz geschleppt wurde. Freilich: Die Strecke vom Schützenhaus hoch zum Buiters ist nicht nur eine beliebte für Vögel, Jogger und Wanderer. Kaum betritt die vom NABU geführte. Gruppe den. Wald, kommt ihnen schon ein Mobil entgegen mit Leutchen, die wohl versucht haben, eine romantische Nacht in frischer Waldesluft gegen eine hitzig-schwüle im Tale einzutauschen. Doch regelmäßig kehrt bemerkenswerte Stille ein - wenn die Gruppe lauscht. Da fahren Antennen aus, die sonst wenig genutzt sind, da entsteht Sympathie für die singenden Gesellen, Verständnis für ihre Nöte, Schutzinstinkt. Der Mensch erwacht aus zivilisatorischer Abstumpfung. Nun traben in stolzer Haltung zwei Damen auf Rössern vorbei. Und oben auf dem Buiters prescht ein Kalb von einem Hund auf die Gruppe zu. Befürchtet er Böses für die teils noch gut mit Alkohol versorgte Gruppe samt Kindern, die da mit Autos und Zelten oben am Vogel- und Kirschbaum-Idyll übernachtet hat? Die Stimmung droht zu kippen, als eine Frau vor dem Hund Mords-Angst bekommt. Werden nun Autonummern notiert? Gehören die zu denen, die dann auch noch den Müll liegen lassen? Doch unweit vom bierseligen Camper-Idyll wartet das eigentliche Ziel der Buiters-Expedition: Ein Neuntöter-Pärchen, das, erholt von seinem Flug aus dem Winterquartier in Südafrika ausgiebig Flugkünstlerschaft beweist. Schade: Nur ein Pärchen ist da. Vor wenigen Jahren waren es noch drei, hat Erwin Lang beobachtet..


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