Gemeindeblatt der Gemeinde Urbach
vom 27. März 2003

Nisthilfen für Vögel auf dem Urbacher Friedhof

Ein aktiver Beitrag der Gemeinde zum Naturschutz
Der Friedhof der Gemeinde Urbach ist auch nach den Umgestaltungsarbeiten im Jahr 2001 ein wichtiger Lebensraum für viele Vögel. Mehr und mehr verschwinden in Urbach innerorts großflächige Gärten und Grünflächen, in denen die Vögel jahrhundertelang in der Nachbarschaft des Menschen gelebt haben, kaum mehr findet sich ein größerer Baum als Singwarte, Jagdansitz oder Nistmöglichkeit. All dies ist auf dem Friedhof mit seinem alten Baumbestand noch vorhanden; zudem bilden offene Flächen, Hecken, Sträucher und Mauern die Grundlage für ein großes Artenspektrum an Insekten. Diese wiederum sind Nahrungsgrundlage für viele den Friedhof bewohnende Vögel. Positiv auf diesen Lebensraum wirkt sich natürlich auch aus, dass auf dem Friedhof weitgehend auf den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmittel verzichtet wird.
Durch die Anbringung von Nistkästen lassen sich in einem solchen "Insel-Ökosystem" - oftmals liegen ja Parks oder Friedhöfe inmitten von Dörfern oder Städten - viele Vogelarten ansiedeln. Im Dezember 2001 fand der Vorschlag von Jörg Daiss, Mitglied in der NABU-Ortsgruppe Schorndorf und Umgebung und aktiv im Vogel- und Naturschutz in Urbach tätig, auf dem Friedhof Nisthilfen aufzuhängen in Verwaltung und Gemeinderat breite Zustimmung. Hr. Daiss übernimmt als "Pate" auch die Betreuung, Reinigung und Pflege der Nistkästen Der Urbacher Friedhof ist aufgrund seiner südexponierten Lage und den am östlichen und südlichen Rand anschließenden Streuobstwiesen besonders attraktiv für die Nistkastenbewohner. Eine Besiedlung kann sowohl von außerhalb brütenden Vögeln erfolgen, und viele der auf dem Friedhof ausgeflogenen Jungvögel finden in den umliegenden Streuobstwiesen ihre zukünftige Heimat. Im Januar 2002 wurden 45 Nisthilfen für höhlenbrütende Vogelarten von Hn. Daiss angebracht: 30 Nistkästen, wie sie auch in Gärten und Streuobstwiesen eingesetzt werden mit zwei unterschiedlichen Durchmessern des Einflugloches (28 und 32 mm) für z. B. Meisen; 5 Nistkästen für Kleiber (großvolumige runde Nistkästen), 5 für Baumläufer (diese Kästen liegen am Stamm an und haben zwei Ein- bzw. Ausgänge). Weitere 5 Nistkästen sind mit ihrer halboffenen Bauweise für Halbhöhlen-Brüter wie Bachstelze oder Hausrotschwanz gedacht. Im Laufe des Frühjahrs wurden viele der Kästen dann von den Vögeln angenommen. Dabei ließ sich eine sehr gute Annahme der Nistkästen vor allem von Meisen feststellen. Erwartungsgemäß waren es im Jahr 2002 noch nicht sehr viele Kästen, in denen gebrütet wurde, da gerade die Meisenvögel sehr reviertreu sind und neue Reviere erst in den nachfolgenden Jahren durch in der Nähe aufgewachsene Jungvögel besetzt werden. Die von übernachtenden Meisen genutzten Nisthöhlen lassen hier auf eine positive Entwicklung hoffen. Die Kohlmeise brütete in 9 Nistkästen, die Blaumeise in 10. In einem Nistkasten brütete der Hausrotschwanz. Nicht zu überzeugen von den Nistkästen war bis jetzt der Kleiber, der auf dem Friedhof wohl noch in seinen angestammten Naturhöhlen brütet. 70 % des gesamten Europa-Bestandes des Kleibers brütet übrigens in Deutschland, und auch hier nur sehr lokal. Auf dem Urbacher Friedhof ist dieser, oft kopfunter den Stamm hinunterkletternde Vogel, sehr häufig. Bleibt zu hoffen, dass er seine geräumigen Nistkästen vielleicht dieses Jahr bezieht. Auch der Gartenbaumläufer, für den eigens 5 Nistkästen angebracht wurden, hat diese zumindest zum Brüten noch nicht angenommen. Wünschenswert bleibt, dass sich im Laufe der Jahre auch Sumpfmeise, Haubenmeise, Tannenmeise und der  Trauerschnäpper für als Brutvögel einstellen.
Blaumeise am Nistkasten Blaumeise am Nistkasten
Blaumeise am Nistkasten. Bilder: Manfred G. Stephan
Vor allem im Winter werden übrigens viele der Nistkästen zu Übernachtungen von den Vögeln genutzt. Seltenere Bewohner sind Fledermäuse. Selbstverständlich brüten auf dem Friedhof in Urbach nicht nur Vögel in Nistkästen. Zilpzalp, Mönchsgrasmücke, Rotkehlchen, Zaunkönig, Grün- und Buntspecht, Grünfink, Stieglitz, Dompfaff, Buchfink, Kernbeisser, Turmfalke, Elster sind einige der Vogelarten, die hier optimale Bedingungen zum Leben und Brüten vorfinden. Diese Vögel bauen auf dem Friedhof in natürlichen Baumhöhlen. Mauernischen und natürlich im Geäst von Bäumen und Sträuchern. Auch die Türkentaube, in den 80er Jahren ein weitverbreiteter Brutvogel in Urbach, hat auf dem Friedhof eines ihrer letzten Reviere.
Die Nistkästen auf dem Urbacher Friedhof leisten einen wichtigen Beitrag für die Artenvielfalt der Vögel in der Gemeinde Urbach und sind somit ein wertvolles Stück praktischer Naturschutz. Ein Nistkasten "funktioniert" übrigens nicht nur auf großen Flächen wie hier, auch im heimischen Garten oder auf dem Stückle lassen Bewohner sicher nicht lange auf sich warten!
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