Schorndorfer Nachrichten
vom 16. Januar 2003

664 Nistkästen - 375 waren bewohnt

Buhlbronn. vor allem Meisen scharf auf die Bruthöhlen / Hornissen, Hummeln, Wespen als Mieter

Von unserem Mitarbeiter Karl Gutbrod
Schorndorf-Buhlbronn. Vogelbetreuer Rudi Mertens vom Naturschutzbund hat von Ende Februar bis Ende Oktober vergangenen Jahres 664 Nisthöhlen auf der 270 Hektar großen Buhlbronner Markung kontrolliert, gereinigt und vor allem Jungvögel beringt. Dabei rückten zwölf Vogelarten in den Mittelpunkt der Beobachtungen. Mertens ist seit 22 Jahren ehrenamtlicher Mitarbeiter der Vogelwarte Radolfzell.
Seitdem untersucht er die Zahl der Gelege, hält Brutverläufe fest und gibt die Daten weiter an die Forschungsstelle für Ornithologie der Max-Planck-Gesellschaft in Raolfzell. Die ersten 50 Nistkästen waren bereits 1952, also vor 50 Jahren, aufgehängt worden. Buhlbronner Obst- und Gartenbaufreunde wollten den gefiederten Sängern und geschätzten Schädlingsvertilgern ausreichend Wohnraum zur Verfügung stellen und den standorttreuen Höhlenbrütern Schutzräume im Winter.
Nistkasten
Bild: Nistkasten - von Menschenhand geschaffene Wohnung für Höhlenbrüter. 
Bild: Archiv/Zürn
Mertens baumreiches Kontrollgebiet liegt zwischen den Höhenlagen der Berglen sowie der Wieslauf und dem Sehornbacher Tal. Von den 664 Nistkästen waren im vergangenen Jahr 375 mit Vögeln belegt. Im langjährigen Vergleich ist das ein recht zufriedenstellendes Ergebnis.
167 Kästen waren von der größten und bekanntesten heimischen Meisenart, der Kohlmeise, bewohnt. Auf den weiteren Plätzen in der Rangfolge der meisten "Mieter" folgen 89 Blaumeisenpaare, die Sumpfmeise mit drei und die Tannenmeise mit zwei Vogelpärchen. Diese Belegung durch verschiedene Meisenarten entspricht in etwa der des Jahres 2001.
Von ihrem westafrikanischen Winterquartier erreichten im vergangenen Sommer 18 Halsbandschnäpper die lieblichen Höhen der Berglen. In weiteren drei Kästen residierten aus der Verwandschaft zwei Trauerschnäpper und ein Grauschnäpper. Die Schnäpper betreiben die Jagd auf fliegende Insekten mit elegantem Flug von einer Sitzwarte aus.
Der prächtige Gartenrotschwanz war in sieben Nisthöhlen heimisch (2001 in acht). Drei Gartenbaumläufer-Pärchen waren Mieter in einer Baumläuferhöhle aus Holzbeton und brüteten dort weißgrundige, braun gefleckte Eier aus. Von den 26 Feldsperlingspaaren kamen neun zu einer zweiten Brut.
Der rindenfarbige Wendehals geht im September auf Reise ins tropische Afrika. Heuer ist der selten gewordene Gast nur zweimal auf den Berglen heimisch geworden. Bei den Kleibern beobachtete Mertens 13 Höhlenbrüter, zumeist an Waldrändern. Sie verkleben den Eingang ihrer Nisthöhle mit Erde, um das Gelege zu schützen. Einmal nistete ein Schleiereulenpaar in einer Scheune im Tal inmitten größerer Obstbaumbestände. Rundliche Eier lagen in den Nisthöhlen von drei tagscheuen Waldkäuzen. Außerdem brüteten sechs Starenpaare, bevorzugt in Ortsnähe. Ein Turmfalkenpärchen war erneut Gast im Wieslauftal.
Stimmungsvoll ist der Gesang von Rotkehlchen, die sich gern im dichten Gebüsch aufhalten und in Bodennähe brüten. Freilich: Nur ein Rotkehlchen fand Vogelfreund Mertens, das sich einen Nistkasten ausgesucht hatte. Am winterlichen Futterplatz erscheint das scheue Rotkehlchen erst dann, wenn die zänkische Meisenschar abgeflogen ist. Auch Insekten nehmen Nistkästen in Beschlag. In dreien saßen Hornissen, Hummeln und Wespen machten es sich in je einer Nisthöhle gemütlich.
In 14 von Menschenhand geschaffenen Sommerquartierbehausungen hatten sich 30 Fledermäuse (Vorjahr 24) niedergelassen. Sie leben von Insekten, die sie im Flug fangen. Der rattengroße Siebenschläfer mit dem buschigen Schwanz bezog sein Sommernest im vergangenen Jahr nur in neun Nistkästen (Vorjahr 17).
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