Schorndorfer Nachrichten
vom 3. November 2001

Wer hebt nun den ökologischen Zeigefinger?

Der langjährige Naturschutzbeauftragte Hans Scheerer, der "Luis Trenker des Rems-Murr-Kreises", ist im Alter von 89 Jahren gestorben

Schorndorf (wtg).
Ein ökologischer Zeigefinger wurde er genannt oder auch der "Luis Trenker des Rems-Murr-Kreises". Fast 40 Jahre lang war Hans Scheerer Naturschutzbeauftragter. Im Alter von 89 Jahren ist der Schorndorfer Naturschützer gestorben.
"Sein Name und der Begriff Naturschutz waren eine Einheit", kondoliert Landrat Horst Lässing Hans Scheerers Sohn. Als Naturschutzbeauftragter des Rems-Murr-Kreises habe sich Hans Scheerer mit großem Engagement und Sachverstand für die Ziele des Naturschutzes eingesetzt. Von 1957 war er Naturschutzbeauftragter des früheren Kreises Waiblingen und anschließend des RemsMurr-Kreises. Seit 1996 war er als ehrenamtlicher Sonderbeauftragter für Natur- und Landschaftsschutz für Urbach und Winterbach zuständig und kümmerte sich um Naturdenkmäler, Natur- schutzgebiete und um die Abgrenzung von Landschaftsschutzgebieten. Scheerer hat für sein Wirken das Verdienstkreuz erster Klasse sowie die Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg erhalten.
Dr. Hans Scheerer
Hans Scheerer
Hans Scheerer hat Biologie, Chemie, Geologie und Geographie studiert, bevor er in den Schuldienst ging. Er galt als einer der profiliertesten Naturschützer im Land. In seinen vielen Ämtern setzte er sich für
den Artenschutz und die Schaffung von Naturoasen ein. Unter seiner Regie sind annähernd 1 000 Naturdenkmäler zwischen Rems und Murr kartiert worden, was Scheerer nicht nur Freunde machte und als amtlichen Naturschutzbeauftragten umstritten machte. So hatten sich 1993, bei seiner Wiederwahl, im Kreistag seine Gegner formiert und wollten mit Hinweis auf Scheerers Alter und seine Urteilsfähigkeit seine Wahl verhindern. Knapp stimmte der Kreistag ein letztes Mal für eine weitere Amtszeit.
1994 zog es den früheren Leiter des Burggymnasiums Schorndorf (von 1955 bis '76) in die Politik. Scheerer (Bild) kandidierte 1994 für die ÖDP. 1997 machte Scheerer für einen Jüngeren Platz, nicht zuletzt, weil er sich im Umweltausschuss des Kreistages weniger mit seinem angestammten Thema Naturschutz als vor allem mit Müll herumschlagen musste. Ein Thema, das ihm nach eigenem Bekunden nicht lag.

Scheerers Vermächtnis:Grundstücke im Dornhau als Geschenk an die Natur

Als ein Vermächtnis hinterließ, er, dass der Kreis seine Grundstücke im Korber 'Dornhau', wo einst die Müllverbrennungsanlage des Kreises geplant war, nicht verkaufen, sondern der Natur überlassen sollte.


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