NABU-Ehrennadel in Silber für Holger Goergens

Zunächst einmal ein paar Worte zum Begriff der "Neophyten". Zu diesen sich invasionsartig ausbreitenden, ursprünglich bei uns nicht heimischen Pflanzen gehören u.a. die Kanadische Goldrute, der Japanische Knöterich, die Topinambur und das Indische Springkraut. Das letztgenannte Staudengewächs, das bis zu 2,5 Meter hoch wird, im Juli/August sehr schön weiß-rosa blüht, ist einer der hartnäckigsten Vertreter und steht daher bei der Bekämpfung der unerwünschten Eindringlinge ganz oben. Die im Volksmund auch "Bauernorchidee" oder "Orchidee des armen Mannes" genannte Pflanze wächst an feuchten Standorten und hat sich deshalb leider mittlerweile auch entlang des Urbachs ausgebreitet. Durch ihr massives Vorkommen wird z.B. der dort heimische Blutweiderich und der seltene Sumpfstorchschnabel immer mehr verdrängt, beides wertvolle Wirtspflanzen für Schmetterlinge und andere Insekten. Was hat aber letztendlich dazu beigetragen, dass sich das Indische Springkraut überhaupt im Urbacher Raum so rasant ausgebreitet hat? Darüber können auch wir nur spekulieren. Am Beginn stehen i.d.R. neophytische Gartenabfälle, die dann entweder einfach direkt an der Bachböschung oder am Rande eines Feuchtgebietes aus Unwissenheit und zudem auch illegal entsorgt wurden.

Wie kommt es aber nun zu der explosionsartigen Ausbreitung? Schon zur Blüte des Indischen Springkrautes reifen langsam die Samenkapseln heran. Ist die Reife erreicht, dann platzen die Kapseln bereits bei geringster Berührung auf. Jede Pflanze hat ein paar Hundert bis ein paar Tausend Samen und diese können in einem Umkreis von 7 bis zu 10 Metern herausgeschleudert werden, daher auch der Namen Springkraut. Dieser im Prinzip sehr geniale Mechanismus ist für die weitere Verbreitung entscheidend. Hinzu kommt, dass die Samen auch über den Wasserweg weitertransportiert werden, das erklärt das massive Vorkommen entlang von Fließgewässern.

Bei der am 20.07.2013 erstmals im ganzen Rems-Murr-Kreis durchgeführten NABU-Aktion gegen die neophytischen Gewächse waren wir von der Ortsgruppe Schorndorf ebenfalls mit von der Partie. Los ging es in einem kleineren Waldstück im Gutenauertal in der Nähe des Urbachs. Dort haben wir mit unserer doch recht kleinen Truppe (5 Personen) eine noch überschaubare Fläche vom z.T. schon in voller Blüte stehenden Indischen Springkraut befreit, auf der das Jahr zuvor nur ganz vereinzelte Exemplare zu finden waren.

Aufgrund des stellenweise bereits sehr massiven Vorkommens innerorts haben wir kurzerhand beschlossen, unsere Artenschutzaktion vom Freibad Urbach an bis zur Mündung in die Rems fortzusetzen. So manch ein Bachanlieger beobachtete unser Treiben eher skeptisch, doch es entstanden daraufhin sehr interessante Gespräche, kannten doch viele das Indische Springkraut entweder gar nicht oder waren sich der verheerenden Auswirkungen auf unsere heimische Pflanzenwelt nicht bewusst. Auch waren unsere allgemeinen Natur-/Artenschutzkenntnisse immer wieder gefragt. So gab es Fragen zur richtigen Anbringung von Nisthilfen, zum Bachbewuchs und den dort heimischen Lebewesen, wie z.B. der wunderschönen Prachtlibelle. Für eine willkommene Abkühlung bei den hochsommerlichen Temperaturen sorgten dann zwischendurch die immer wieder leicht angestauten Bereiche, bzw. unsere zu niedrigen Gummistiefel.

Alleine während unserer zweiwöchigen Bekämpfungsaktion innerhalb von Urbach konnten wir sage und schreibe rund 3.000 der Stauden vernichten. Um nachhaltig einen Erfolg zu erzielen, wurden zuerst die Blüten-/Samenstände abgerissen und zur thermischen Verwertung in Müllsäcken gesammelt. Anschließend wurden die Stauden mitsamt der flachen Wurzel entfernt, und auf asphaltiertem Boden großflächig zum Vertrocknen ausgebreitet. Natürlich waren wir auch in Sachen Umweltschutz aktiv! So war es für uns selbstverständlich, den ganzen Unrat im Urbach auch zu entsorgen. Erschreckend waren die enorme Mengen an Glasflaschen, viele davon dann auch noch zerbrochen, eine sehr gefährliche Hinterlassenschaft rücksichtsloser Zeitgenossen für spielende Kinder und auch für die Tierwelt. Ansonsten fanden wir Wasserarmaturen, Batterien, Fahrradteile, Teppichstücke, Styropor, Kleidungsstücke, ein Stahlregal, Abflussrohre u.v.m.. Aber auch Erstaunliches kam zum Vorschein! So fanden wir die Überreste eines wohl sehr alten Lederschuhes, denn die Sohle war noch mit mittlerweile natürlich sehr stark verrosteten Nägeln befestigt!

Eine Bürgerin teilte uns mit, dass aus den Blüten des Indisches Springkrauts Tee hergestellt werden kann, des weiteren wurde uns von einem Gelee-Rezept berichtet. Vielleicht animiert diese Art der Verwertung ja jemanden, selbst mal Versuche in der Kräuterküche zu machen - von unserer Seite aus sehr gerne, denn dieses Jahr wird es von den Stauden leider wohl wieder mehr als genug geben!

Gunther Kurz und Jörg Daiss



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