Der richtige Umgang mit der Sense

Das Mähen mit der Sense erfreut sich zunehmender Beliebtheit. Man hat Bewegung an der frischen Luft, keine Abgase, keinen Motorlärm um sich herum und kann dadurch nebenbei mit allen Sinnen die Natur wahrnehmen. Der seit Jahrzehnten aktiv im Naturschutz tätige Heinz Bechtle begeisterte bei unserem Sensenkurs am 22. Juni die aus nah und fern angereisten Teilnehmerinnen und Teilnehmer durch sein enormes Fachwissen und seine ansprechende, humorvolle Art. Sehr interessiert versammelten sich die Besucher um zahlreiche auf Tischen ausgelegte Werkzeuge und Gerätschaften rund um das Thema Sense. So gab es etliche Varianten von Dengelstöcken mit den dazugehörigen Dengelhämmern zu bestaunen, ebenso eine Vielzahl verschiedener Sensenblätter, diverse Sensenworb-Ausführungen (Worb = Blatthalter aus Metallrohr oder Holz), Wetzsteine und Wetzsteinhalter (Kumpf), u.v.m. Der gelernte Schmiedemeister zeigte anhand eines neuen, mit "mähfertig" beschrifteten Sensenblattes, dass ein solches im Schneidebereich zwar scharf, aber oft viel zu dick ist. Erst durch die lokalen Dengelschläge entlang der Schneide wird das Blatt dünn ausgetrieben. Den letzten Schliff erzielt man dann durch das Schärfen mit dem nassen Wetzstein. Früher waren die Wetzsteinhalter oft aus einem Kuhhorn, es gab aber auch geschnitzte oder gedrechselte Varianten aus Holz, ebenso welche aus Blech, die aber natürlich gerne zum Durchrosten neigten. Bei den heutigen handelt es sich meist um Ausführungen in Kunststoff.

Nach der umfangreichen theoretischen Einführung durften die z.T. sogar aus dem Raum Aalen gekommenen "Sensenlehrlinge" selbst zu Hammer und Wetzstein greifen. Doch diese Vorarbeiten allein reichen nicht aus. Ebenso zeigte Heinz Bechtle, wie wichtig das richtige Einstellen der Sense ist, sprich die richtige Ausrichtung des Sensenblattes, ansonsten kann es durchaus sein, dass mit der Spitze immer in den Boden gemäht wird.

Als Höhepunkt des Kurses war dann natürlich der Praxistest, also das eigentliche Mähen angesagt. Heinz Bechtle erklärte zuerst ganz genau, wie ein optimaler Mähschwung auszusehen hat, und alle waren schwer beeindruckt, wie er seine Sense schön sanft, gleichmäßig und mühelos durchs hohe Gras gleiten ließ. Dies ist aber nur möglich, wenn der Mähschwung nicht nur aus den Armen heraus kommt, sondern zusätzlich auch der Oberkörper mitgedreht wird, und dabei das Sensenblatt bodennah geführt wird. Auf diese Weise hoch motiviert durfte dann anschließend jeder selbst seine Mähkünste rund um die Schinderhütte ausprobieren. Um den Bewegungsablauf besser einzuüben, wurde zuerst im ebenen, kurzflorigen Gelände begonnen, und zwar anfangs bewusst ohne überhaupt etwas abzumähen. Nachdem dies problemlos klappte, nahm sich die Truppe die Fläche oberhalb der Schinderhütte vor. Die besonders leicht zu mähenden hohen Brennnesseln garantierten ein schnelles Erfolgserlebnis, auch die leichte Hanglage war kein Hindernis, im Gegenteil, es war eine Herausforderung so nach dem Prinzip: "Wenn ich hier gleich am Hang das Mähen lerne, dann dürfte es mir ja auf meiner ebenen Streuobstwiese umso leichter fallen".

Und so waren alle Teilnehmer am Ende des rund 2,5-stündigen Kurses stolz auf ihre geleistete Arbeit und bedankten sich bei Heinz Bechtle für den für sie äußerst interessanten Nachmittag. Für die einen war es der erste Umgang mit der Sense überhaupt und vielleicht sogar der entscheidende Anstoß, künftig vermehrt diese umwelt- und auch tierfreundliche Mähtechnik anzuwenden. Andere etwas fortgeschrittene Sensenmäher wiederum freuten sich, dass sie nun endlich die letzten Kniffe durch einen so erfahrenen Fachmann gezeigt bekommen hatten.

Wer noch weitere Informationen rund um das Thema Sense erhalten möchte oder sonst allgemein irgendwelche schmiedetechnische Fragen hat, der kann Heinz Bechtle auch besuchen. Er ist an jedem ersten Samstag im Monat vormittags in der "Alten Schmiede", einem Museum in Schwaikheim, anzutreffen.

Gunther Kurz



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