Lebenszusammenhänge in der Streuobstwiese

Wie Pflanzen und Tiere in den Streuobstwiesen voneinander abhängen und zusammenwirken, das war Thema einer gemeinsamen Führung des NABU Schorndorf und Umgebung und des Bezirksimkervereins Remstal am 21. April 2013. In den Streuobsthängen am Rande von Urbach sind über 200 verschiedene Obstbaumsorten zu finden. Sie blühen zeitlich versetzt und bieten dadurch über einen längeren Zeitraum nicht nur den begeisternden Anblick der Frühjahrsblüte, sondern auch Nektar und Pollen für die Insekten und damit die Nahrungsgrundlage insbesondere für die Vogelwelt. Darauf wies Jörg Daiss hin, der die Führung seitens des NABU leitete. Er zeigte an den unterschiedlichen Entwicklungen in den vergangenen Jahren auf, wie deutlich sich witterungsbedingte Beeinträchtigungen der Frühjahrsblüte auf die Insekten- und Vogelwelt auswirken.

Geradezu lebenswichtig ist die Obstbaumblüte für die hiesigen Bienenvölker. Manfred und Erika Schröppel vom Imkerverein öffneten einen ihrer Bienenkästen, um eine Wabe zu entnehmen. Jetzt konnte man sehen, wie Brutzellen angelegt waren mit Maden, aus denen der Bienennachwuchs entsteht. Daneben waren Zellen mit Pollen gefüllt, um die Ernährung sicherzustellen. Honig, den der Imker erntet und ins Glas füllt, wird erst später produziert, wenn das Bienenvolk groß und stark genug ist.

Die Führungsteilnehmer konnten die Bienen und die entnommene Wabe in Augennähe betrachten, ohne einen Bienenstich davonzutragen. Bei Bedarf ließ Erika Schröppel etwas Rauch verströmen, was die Bienen dazu brachte, sich abzuwenden. Dieses Verhalten rührt daher, dass die Bienenvölker ursprünglich in den Wäldern lebten; Rauch signalisierte Waldbrand und löste die Flucht aus, erklärte Manfred Schröppel.

Wenn die Baumblüte vorbei ist, sieht es allerdings mager aus für die Honigbienen. In den Streuobstwiesen wird zu oft gemäht; richtige Blumenwiesen sind eine Rarität.

Wildbienen, Wespen und blütenbesuchenden Insekten genügen meist kleinere Bestände der blühenden Pflanzen, da sie meist einzeln oder in kleinen Grüppchen leben. Ein Bienenvolk hingegen kann es auf bis zu 40.000 Individuen bringen, sagte Manfred Schröppel. Andererseits finden diejenigen, welche auf bestimmte Pflanzenarten wie etwa Wildorchideen spezialisiert sind, nur noch an wenigen Stellen eine Lebensgrundlage. Viele Vögel der Streuobstwiesen schnappen ihre Insekten-Beute in der Luft; bienenfressende Vögel gibt es in unserer Region jedoch nicht, erklärte Jörg Daiss. Die stärkste Bedrohung für die Bienen sind Viren, die insbesondere von den Varroamilben übertragen werden. In den letzten Jahren sind laut Manfred Schröppel sowohl das Ausmaß des Milbenbefalls als auch die Vielfalt der Virenarten dramatisch gestiegen.

Die Bienen sind bedeutend für den Obstertrag und die Baumblüte ist bedeutend für den Honigertrag. So entfaltet das Zusammenspiel in den Streuobstwiesen einen zweifachen Nutzen für den Menschen. Ein gewisses Maß an Baumpflege gehört dazu. Wie Jörg Daiss darstellte, steht beim Obstbaumschnitt heute nicht mehr hoher Ertrag im Vordergrund, sondern der Erhalt der Bäume. Erfreulicherweise führen in den letzten Jahren wieder mehr Stücklesbesitzer solche Pflegemaßnahmen durch.

Manfred Stephan



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