Schorndorfer  Nachrichten
vom 17. Juli 2001

Naturnahe Schädlingsbekämpfung durch Nützlinge

Mit dem Naturschutzbund bei der Katz Biotech in Welzheim 
Zucht von Nützlingen  - und von Schädlingen als Futter

(st). Für die Teilnehmer der vom Naturschutzbund (NABU) Schorndorf organisierten Besichtigung der Firma Katz Biotech Services Welzheim, einer bekannten Nützlingszuchtfirma, war die Führung eine spannende Sache. Ist der Einsatz von wenig chemischen Schädlingsbekämpfungsmittel doch Bestandteil eines naturnahen Gemüse-und Zierpflanzenanbaus.

Schädlinge sollen durch ihre natürlichen Gegenspieler, die Nützlinge, bekämpft werden. Am bekanntesten sind die läusefressenden Marienkäfer; sie zu züchten ist wegen ihres Kannibalismus sehr aufwendig:
Die Käfer machen sich nämlich über ihre Eier und Larven her. Dennoch bietet Katz Biotech Marienkäfer-Eier und -Larven an; und den australischen Marienkäfer gegen Wollläuse an Zierpflanzen. Wie gierig die kleinen Glücksbringer Laus für Laus verspeisen, konnten die Teilnehmer durch bereitgestellte Mikröskope eindrucksvoll beobachten. Was bei Zierpflanzen und unter Glas funktioniert, wäre etwa bei einem Kirschbaum, auf dem sich 20 bis 50 Millionen Blattläuse tummeln, viel zu teuer, weil hier 50 000 Marienkäfer gebraucht würden.


Dr. Katz
Dr. Peter Katz, Gründer und Chef der Nützlingszuchtfirma in Welzheim, zeigt Getreidehalme, auf denen Schlupfwespen gezüchtet werden.
Bild: Baireuther

Läuse gibt's in etwa 1000 verschiedenen Arten

Gegen Läuse, von denen es etwa Tausend verschiedene Blattlausarten neben Bohnen-und Getreideläusen gibt, kommen aber nicht nur Räuber zum Einsatz, die eine nach der anderen auffressen oder aussaugen, sondern auch Parasiten. Sie legen ihre Eier im Körper des Schädlings ab; die Nachkommen fressen die Laus von innen her auf. Schlupfwespen und Schwebfliegen sind solche Parasiten; eine Schlupfwespe kann in bis zu Hundert Blattläuse ein Ei legen. Daraus entstehen innerhalb von zwei Wochen normalerweise 50 Weibchen, die sofort wieder Eier ablegen - dann in bis zu 5 000 Blattläusen. Während die Schlupfwespe
sich in zwei Wochen also auf das Fünfzigfache vermehrt, kann die Lauspopulation nur auf etwa das Achtfache wachsen. Damit die Bekämpfung mit relativ wenigen Parasiten erfolgreich ist - eine Schwebfliegen-Versandpackung enthält 100 Larven -  muss man sie frühzeitig einsetzen, so lange die Blattlauspopulation noch relativ klein  ist, sagte Dr. Katz. In der Hochsaison verschickt sein Betrieb bis zu 20.000 Schwebfliegenlarven in der Woche. Für die Zucht der Nützlinge wird Futter gebraucht in Form der Schädlinge, die deshalb ebenfalls von Katz Biotech gezüchtet werden, zum Beispiel bis zu 50 000 Läuse täglich.

Früher auch die Widersacher der Schädlinge zu Tode gespritzt

Die Nützlinge werden auch zum Test von Pflanzenschutzmitteln gebraucht - schließlich sollen sie den Schädlingen den Garaus machen, die Nützlinge jedoch verschonen. Früher wurde hierzulande nämlich bei der Bekämpfung der Obstbaum-Spinnmilbe auch gleich ihr natürlicher Widersacher, nämlich die Obstbaum-Raubmilbe, zu Tode gespritzt, so Dr. Katz. Neben Läusen und anderen Insekten sind die Spinnmilben bedeutende Schädlinge, denen mit einer Raubmilbe aus Südamerika zu Leibe gerückt werden kann. Die Milben verschickt Katz auf einem Pflanzenblatt.

Biologische Schädlingsbekämpfung seit etwa 50 Jahren

Die biologische Schädlingsbekämpfung hat vor etwa 50 Jahren an Bedeutung gewonnen, als fremde Schädlinge importiert wurden. So kam der Kartoffelkäfer aus Südamerika; der Versuch, auch seine Feinde zu importieren, blieb erfolglos. Hingegen konnte zur Schildlaus im Obstbau die passende Schlupfwespe erfolgreich nachimportiert werden.

Einsatz zumeist beim ökologischen Anbau

Die in Welzheim gezüchteten Milben, Käfer- und Fliegenlarven kommen hauptsächlich im ökologischen Gemüse- und Pflanzenbau unter Glas zum Einsatz, aber auch bei Zierpflanzen - zum Beispiel im Mercedes-Verkaufshaus in Berlin, wo chemische Pflanzenschutzmittel die Lacke der Ausstellungsfahrzeuge angreifen könnten. Außerdem gehören immer mehr Hobbygärtner,. insbesondere mit Kleingewächshaus, zu den Kunden.

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