Schorndorfer Nachrichten
vom 27. Juni 2001

Macht der Siebenschläfer heuer Babypause?

Heute ist Siebenschläfer-Tag / Der Siebenschläfer wurde nach fettem Jahr im Schorndorfer Raum kaum gesichtet

(eb). So wie das Wetter am Siebenschläfer-Tag ist, soll es nach einer alten Regel sieben Wochen lang bleiben. Ob sich dies bewahrheitet oder nicht, das ist dem kleinen, braungrauen Bilch mit seinem langen, buschigen Schwanz wohl egal.

Siebenschläfer, so heißt der nachtaktive Kobold, weil er tatsächlich bis zu sieben Monate lang Winterschlaf hält. Der Schlaf kann bereits im Oktober beginnen und bis in den April dauern. Für die Überwinterung wählen die Tierlein gerne auch Vogelnistkästen in Waldesnähe.

Siebenschläfer
Macht sich heuer im Raum Schorndorf rar: Siebenschläfer.
Bild: NABU-Archiv
 

So ist es die "Schorndorfer Beringergemeinschaft" nach etlichen Jahren gewohnt, dass sie bei ihren Kontrollgängen im Frühjahr seine typischen Schlafnester aus mittlerweile getrockneten Blättern vorfindet.
Im Juni blicken den NABU-Aktiven dann aus einigen Kästen die großen, runden Kulleraugen des Siebenschläfers entgegen, der die Nisthöhle als Sommerquartier und für die Aufzucht seiner Jungen gewählt hat, die im August zur Welt kommen. In diesem Jahr war jedoch kaum ein Nistkasten mit Siebenschläfern besetzt: Im Kontrollgebiet Lindental fand NABU-Mitglied Manfred Stephan in den rund 100 Kunsthöhlen nicht ein einziges Winternest, auch nicht in den beiden seit fünf Jahren ununterbrochen besiedelten Kästen. Bei den bisherigen Kontrollgängen entdeckte Stephan auch kein einziges Sommernest des Siebenschläfers, wohingegen es bisher stets mindestens drei gab.
Ähnlich ist die Situation bei Rudi Mertens, der die Buhlbronner Nistkästen im Auge hat: Während in den vergangenen Jahren stets einige der rund 600 Nistkästen seines Gebietes mit Siebenschläfern besetzt waren, fand er dieses Jahr nur einen einzigen. Weitere Beobachtungen sollen zeigen, ob die Winterbelegung der Nistkästen ein Ausreißer war und ob der Siebenschläfer mit den Sommernestern in diesem Jahr einfach etwas später dran ist. Wie Manfred Stephan inzwischen in einem Gespräch mit Dr. Wolfgang Schlund vom Naturschutzzentrum Ruhestein erfahren hat, ist die Erscheinung, dass Siebenschläfer sich rar machen in Nistkästen, nicht unbekannt. Wenn die Siebenschläfer wie im vergangenen Jahr im Raum Schorndorf mit vielen Eicheln und Bucheln eine "gute Mast" haben, schlafen sie, vollgefressen wie sie sind, länger und wachen später auf.
Bei den Männchen seien nach solch fetten Jahren die Hoden unterentwickelt, so dass Nachwuchs eher unwahrscheinlich ist. Da aber nach einem guten Eicheln- und Bucheln-Jahr meist ein mageres Jahr mit wenig Nahrungsangebot folgt, passt die Babypause hervorragend. Stephan: "Die Siebenschläfer reagieren darauf so, dass sie sich nicht fortpflanzen. " Im Schönbuch (im großen Waldgebiet zwischen Echterdingen und Tübingen) sieht es derzeit übrigens ganz anders aus, teilte Dr. Schlund mit. Dort sind derzeit deutlich mehr Siebenschläfer in Nistkästen anzutreffen als im Vorjahr.



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