Schorndorfer Nachrichten
vom 23. Februar 1999

Versuch, den Naturschutz lächerlich zu machen

NABU-Ortsgruppe für schnellen Hochwasserschutz / Es geht nicht um den Laufkäfer, sondern um alle Tierarten

Ob der Herr Kübler die Ergebnisse des Termins beim Landratsamt in Sachen Hochwasserschutz möglicherweise nur mißverstanden hat, weil er der Sitzung "nur am Anfang beiwohnte und sich nach kurzer Einführungsrede verabschiedete - obwohl ihm das Projekt so wichtig erscheint"?
Die NABU-Ortsgruppe Schorndorf kann sich sonst nicht erklären, weshalb Kübler den Naturschutz zum Buhmann für von ihm prognostizierte Verzögerungen beim Schutzdammbau zu machen versucht.
Beim Termin der beteiligten Behörden und Organisationen am 4. Februar ist der Untersuchungsrahmen für die gesetzlich vorgeschriebene Umweltverträglichkeitsprüfung für die Hochwasserschutzmaßnahmen Rems abgesteckt worden. Die Ortsgruppe Schorndorf  im  Naturschutzbund Deutschland (NABU) versichert in einer Stellungnahme zur Kübler-Kritik, sie sei "für die schnelle Realisierung des Baus eines Hochwasserrückhaltebeckens zwischen Winterbach und Schorndorf".
In NABU-Kreisen ist man deshalb ziemlich verwirrt ob der Vorhaltungen Küblers an die Adresse des privaten Naturschutzes. Seien doch aus dessen Reihen "mögliche zeitliche Verzögerungen durch die gewünschte Untersuchung" angesprochen worden. Die Vertreter des Wasserverbands seien darauf aber nicht eingegangen. Ob's an der "Unausgereiftheit der Projektplanung" lag? Die habe sich auf die "Abgrenzung des Überflutungsraums" beschränkt - ohne Konkretem zu technischen Details. Nach Ansicht des NABU versucht das Bürgermeisteramt den Naturschutz als Buhmann anzuprangern, um von "selbstgemachten" Problemen abzulenken.
So richtig gram ist man Winfried Kühler aber, weil er den Eindruck erwecke, mit der "Laufkäfer-Untersuchung" sollten nur die Auswirkungen der geplanten Hochwassermaßnahmen auf deren Population beleuchtet werden. Richtig sei indes ein Massensterben von Tieren aller Art, die nicht einfach davonfliegen können, wenn ein natürliches Überschwemmungsgebiet geflutet wird. Einige retteten sich auf Ausweichflächen und besiedelten das Areal nach dem Abfluß (Versickern) der Hochwasser wieder. Die geplanten Maßnahmen an der Rems würden dies aber nicht ermöglichen Das Überschwemmungsgebiet habe, bedingt durch B 29 und umgebende

Wenn der flinke Feldhase dem Hochwasserschutz und der nahen Bebauung zum Opfer fällt

Bebauung, eine Insellage. Die Untersuchung solle für den Fall einer späteren geschlossenen Bebauung bis dicht an den Überflutungsraum (für Teilbereiche sei das heute schon vorgesehen) klären, ob dann flugunfähige Insekten und etliche Säugetiere für immer aus dem Gebiet verschwinden würden. Weil sie ertrinken und ihre Artgenossen keinen Zugang mehr auf die Rückhalteflächen finden. Die NABU-Leute nennen beispielhaft den flinken Feldhasen, dem seine schnellen Beine indes kaum was nützen würden, weil er "entweder auf die B 29 oder in die Bebauung gerät". Wie würde sich die Natur verändern? Könnte das Gebiet seine überregionale Bedeutung als Brutplatz für Vögel behalten oder würde diesen ihre spezifische Nahrung fehlen? Schäden an der Natur zu minimieren und ein Artensterben zu verhindern, sei Ziel der Untersuchung.
Kübler indes wolle mit seinem Herausgreifen des Laufkäfers die Naturschutzbelange insgesamt lächerlich machen. In Wirklichkeit sei der Laufkäfer nur beispielhaft für alle betroffenen Tierarten. Außerdem: Weder

Schuld am nächsten Hochwasser sind Remsbegradigung und fortschreitende Versiegelung des Bodens

der Laufkäfer noch die privaten Naturschützer seien schuld am nächsten Hochwasser. Sondern neben der Remsbegradigung auch die ständig weiter voranschreitende Versiegelung des Bodens durch die Bebauung des Einzugsbereichs der Rems. Als völlig unnötig nennen die NABU-Aktiven in diesem Zusammenhang das Versiegeln von Feldwegen zum Beispiel an der neuen B 29, wo teils beidseits "fast Straßenqualität" anzutreffen sei.
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