Schorndorfer Nachrichten
vom 13. Februar 2001

Mit jedem Skandal wächst der Appetit auf Bio

Reingeschnuppert beim Bioland-Hof Rapp in Schorndorf-Schornbach, der seine Produkte direkt vermarktet

Von unserer Mitarbeiterin Birgit Hardtke
Schorndorf.
Pestizidrückstände im Obst, hohe Nitratwerte in Salaten und Gemüse sowie BSE- und Medikamenten-verseuchtes Rind- und Schweinefleisch verderben mehr und mehr den Appetit. Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt.
Seit über zehn Jahren bewirtschaften Heinz und Margret Rapp ihren Hof in Schorndorf-Schornbach nach den Richtlinien des Bioland Verbandes. Bereut haben sie Rapps den Umstieg nie. "Die Sensibilität des Menschen, die Natur und die Schöpfung zu respektieren, wird heute verstärkt durchbrochen. Das muss doch Nebenwirkungen für Mensch und Tier haben", sagt Margret Rapp. 1989 hatten sich Heinz und Margret Rapp entschieden, der konventionellen Landwirtschaft den Rücken zu kehren und von nun an ihren Hof biologisch-organisch zu bewirtschaften. "Die biologisch-organische Landwirtschaft ist für uns als Familienbetrieb der Weg, sinnvoll in und mit den Kreisläufen der Natur zu leben, zu arbeiten und sie zu erhalten", hatten sie damals ihre Entscheidung begründet.
Silage, Heu und Getreideschrot aus eigenem Anbau bildet auf dem Bioland-Hof Rapp die Futtergrundlage für die Rinder. 
Bild: Steine
Eine Begründung, die sich für die Rapps bewährt und bis heute noch Gültigkeit hat. Auf 27 Hektar Ackerland werden in vielfältiger Fruchtfolge Weizen, Roggen, Dinkel, Futtergetreide, Leguminosen, Kleegras und Kartoffeln angebaut. 1,5 Hektar Streuobstwiesen liefern Äpfel, Kirschen und Zwetschgen. 23 Hektar Wiesen dienen als Weide und Futtergrundlage fürs Vieh. Die Kontrollen der Erzeugergemeinschaft " Bioland" werden regelmäßig und sehr genau durchgeführt. "Die haben von uns eine Flurkarte und eine genaue Dokumentation über Anbau und Düngung. So können sie auch Stichproben ohne Anwesenheit des Bauern durchführen" sagt Heinz Rapp. Schummeln geht nicht. Daher schluckt die Unkrautregulierung auch viel Zeit und Arbeitskraft. "Die Kartoffeln müssen da schon mal wie früher von Hand gehackt werden."
Was für den Ackerbau gilt, gilt in gleicher Weise fürs Vieh. Zur Zeit stehen acht Mutterkühe im Stall. Zwei davon werden demnächst kalben. Hinzu kommt noch das Jungvieh, im Schnitt zwölf bis 14 Stück vom Kalb bis zum schlachtreifen Ochsen. Die Rinder auf dem Rapp-Hof werden alle in Mutterkuhhaltung aufgezogen. Das heißt, Mutter und Kalb bleiben beieinander, das Kalb kann trinken wann es will, kein abmelken, kein zufüttern. "Seit wir auf die Mutterkuhhaltung umgestellt haben und die Rinder nicht mehr angebunden sind, ist die Tiergesundheit enorm hoch. Wir brauchen kaum noch den Tierarzt", freut sich Heinz Rapp. Keine Euterentzündung, kein Kälberdurchfall, keine Gelenkentzündung und vor allem kalben die Kühe besser. "Die Kühe schlecken ihre Kälber trocken, da kommt der natürliche Instinkt durch." Sage noch einer Rinder hätten kein Gefühl, denn seither stimmt auch die Beziehung im Stall. "Die Tiere danket oim dr Freilauf. Als die Kühe noch angebunden waren, konnte man sie kaum streicheln. Unsre Andrea, die kann ich heute sogar in den Arm nehmen", erzählt Bauer Rapp und schnappt sie sich gleich.
Silage, Heu und Getreideschrot aus eigenem Anbau bildet die Futtergrundlage im Winter. Zur Zeit läuft auch ein Baugenehmigungsverfahren für einen Laufhof. Wenn's klappt soll im Frühjahr mit dem Bau begonnen werden. Dann können die Kühe  Sommer wie Winter ins Freie. Zusätzlich kommen sie im Sommer noch auf die Weide. Au Rindern haben die Rapps noch acht  Schweine ~ zwei Ziegen rund Kleintiere. Hinzu kommen noch 24 Pferde, die in Pension stehen. Sechs Rinder und zwölf  Schweine werden im Schnitt pro Jahr geschlachtet, das Fleisch verkauft, geräuchert oder als Wurst eingedost. Die Nachfrage steigt, auch Metzger aus der Umgegend fragen verstärkt nach Jungtieren an. "Wir haben unsere Tierhaltung auf den Bedarf der Kunden abgestimmt. Zuerst müssen wir unserer Stammkundschaft gerecht werden, bevor wir Vieh weiterverkaufen können" betont Margret Rapp.
Seit 1. Dezember letzten Jahres haben die Rapps den neuen Ladenanbau bezogen. Das  Sortiment geht jedoch weit über die eigenen Produkte des Rapp-Hofes hinaus. Das Angebot reicht von Fleisch und Wurst über  Eier, Obst und Gemüse, Mehl und Getreideprodukte aller Art bis hin zu Säfte, Wein und Bio-Bier. Das Brot wird von der Bioland-Bäckerei Weber aus Winnenden gebacken. "Wir liefern Getreide nach Winnenden und kaufen dort unser Brot." Doch so einfach wie sich alles anhört, war es zu Beginn nicht. "Wir sind Direktvermarkter. Das heißt, wir müssen die Bäcker die unser Mehl kaufen, selber werben. Es gibt kein Verband, keine Gemeinschaft, die einfach unsere Produkte abkauft", sagt Margret Rapp. Direktvermarktung sei zwar eine große Chance, aber auch eine große Herausforderung und Aufgabe. Schließlich müsse man den Aufwand für Investitionen und Vermarktung sowie das Risiko alleine tragen. Hinzu kommt und
das haben sie mit ihren konventionellen Kollegen gemein, dass ein Überleben der Bio-
Bauern ohne Subventionen aus dem EU- Topf ebenfalls nicht möglich wäre.
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