Pflegeeinsätze im Jahr 2005Fitnessprogramm für Mensch und NaturViel Zeit und Engagement wurden auch im abgelaufenen Jahr wieder für unsere Pflegemaßnahmen aufgewendet. Die von uns betreuten Flächen nehmen ständig zu - und mit ihnen erfreulicherweise auch die NABU-Aktiven, die sich bereit erklären, in ihrer Freizeit die oft schweißtreibende Arbeit in Biotoppflege, Naturschutz und Landschaftspflege zu übernehmen. Nach wie vor ist der beste und effektivste Naturschutz die Sicherung und der Erhalt bedeutender Flächen! Der erste Einsatz widmete sich der Pflege unserer Streuobstwiesen am Alten Berg und am Linsenberg sowie der Streuwiese an der Linsenbergquelle in Urbach. Anschließend ging es noch zum Abrechen/Abräumen der herrlichen Streuobstwiese am Konnenberg Plüderhausen. Diejenigen, die dabei waren, schwitzen wohl noch heute beim Gedanken an die Arbeit bei schönstem Sommerwetter in steilster Hanglage. Zwei Pflegeeinsätze waren wieder reserviert für den Rehfeldsee in Schorndorf. Hier standen dieses Jahr wieder umfangreiche Mäharbeiten und Gehölzpflege an. Um das Mähgut besser abräumen und damit die Pflanzen aussamen zu lassen, wird übrigens bei diesen Einsätzen bereits ein paar Tage zuvor von uns gemäht. Zahlreiche Helfer arbeiten bei diesen Pflegeeinsätzen kräftig daran, dass der Rehfeldsee auch weiterhin zu den bedeutendsten Naturschutzgebieten des Rems-Murr-Kreises gehört. Ebenfalls zwei Termine beanspruchte das Naturschutzgebiet Morgensand/Seelachen zwischen Urbach und Schorndorf. Dort steht weiterhin die Offenhaltung der Uferbereiche an erster Stelle unserer Bemühungen. Die Früchte dieser Arbeit sind unter anderem nachzulesen in der Rubrik "besondere Beobachtungen" in diesem Heft - viele Vogelarten danken uns diese Pflegemaßnahmen und halten sich sehr gerne im Naturschutzgebiet Morgensand/Seelachen auf. Zu den planmäßigen, im Jahresprogramm aufgelisteten Pflegeeinsätzen kamen wie jedes Jahr wieder weitere kurzfristige, bedarfsabhängig durchgeführte kleinere Aktionen. Moorgeister, Leberkäswecken und Eisvogel: ein Pflegeeinsatz beim NABU SchorndorfDa aufmerksame Leser unserer NABU-Mitteilungen mittlerweile unsere Pflegeflächen in- und auswendig kennen, will ich dieses Jahr auf die Schilderung einzelner Maßnahmen verzichten und einmal schildern: Wie sieht eigentlich so ein Pflegeeinsatz-Tag beim NABU-Schorndorf aus? Eigentlich beginnt so ein Einsatz wie der am Samstag, 20. August 2005, schon bei der vorausgehenden Sitzung (immer am ersten Freitag eines Monats in der Schinderhütte - übrigens kein Geheimzirkel, sondern öffentlich für jedes NABU-Mitglied!). Dort wird koordiniert, welche Arbeiten am Termin durchzuführen sind, ob evtl. das "Sondereinsatzkommando" vorarbeiten muss (z.B. Mähen), welche Geräte erforderlich sind, ob diese auch alle funktionieren und nicht zuletzt, wer für das Vesper zuständig ist. Freitags vor dem Einsatz: Joseph und Erwin, zuständig für die Technik beim NABU, packen den Gerätewagen. Alles, womit Landschaft in Ordnung gebracht und Naturschutz gemacht wird, scheint auf einen Anhänger und in ein Auto zu passen. Samstag, 8 Uhr: Man kann so pünktlich zum Pflegeeinsatz kommen, wie man will, einige sind immer schon da! Eine kurze Lagebesprechung durch den, der die Einsatzleitung hat (meist der, der sich am besten im Gebiet auskennt), und alle, die da sind, können sich aus einem umfangreichen Sortiment aus Mähern, Freischneidern, Motorsägen, Rechen, Gabeln und weiteren Gerätschaften bedienen und das für sie Passende aussuchen. Streit hat es dabei noch nie gegeben. 9 Uhr: Auch die Langschläfer und die Jüngeren sind mittlerweile eingetroffen. Wo zwei Stunden zuvor noch Nebel über dem See hing und ein Graureiher verloren krächzte, ist die Landschaft voll von emsig tätigen Menschen, ein Brummen von unzähligen Sägen und Motorsensen erfüllt die Luft. Während ein Balkenmäher sich hartnäckig weigert, sich auch nur einen Meter zu bewegen, ist eine Motorsäge schon wieder ein erster Wartungsfall. Da es nur wenige Pflegeeinsätze im Jahr gibt, hat man sich natürlich viel zu erzählen und dabei laufen der Rechen und die Gabel wie von selbst über das widerspenstige Gemisch aus Weiden und weiterem Gestrüpp, das aus der gemähten Fläche entfernt und am Rand auf großen Häufen geschichtet wird. Zwei Unerschrockene machen sich mit der Hacke an Weidenwurzeln zu schaffen. Damit aus den Uferbereichen kein Wald wird, müssen immer wieder aufwachsende Gehölze entfernt werden. Diese Arbeit im Feuchten hinterlässt natürlich Spuren und nach kurzer Zeit sehen die zwei aus wie Moorgeister. 10.30 Uhr: Vesper! Zuverlässig schleppt Ingrid Körbe mit Kaffee, Brötchen sowie dem Pflegeeinsatz-Klassiker Leberkäs herbei. Unglaublich, wieviel man davon essen kann, wenn man zuvor zwei Stunden gearbeitet hat! Auch Rudi legt nach mehrmaliger Aufforderung seine Motorsense beiseite und für einen kurzen Moment herrscht wieder Ruhe im Naturschutzgebiet. Günther hat aus dem Dickicht zwischen Rems und Seen ebenfalls wieder herausgefunden und sieht aus als käme er aus dem Dschungelcamp. Bei Apfelsaft und Almdudler kommen langsam die Kräfte zurück und Heinz erzählt die erste von vielen Geschichten heute: "Also damals, als hier noch der Steinkauz brütete, es war 1971..." 11.00 Uhr: Arnold wird als erster unruhig und verteilt neue Aufgaben. Dort noch ein Gehölz entfernen, hinten sollte man noch nachmähen und da drüben wurde schon seit Jahren nichts mehr gemacht! Patrick scheucht den Balkenmäher im Rund herum, als würde jemand Rundenzeiten stoppen. Hinter ihm stehen schon Claudia und Renate startklar mit Rechen und Gabel. Unversehens ist jeder wieder mit Feuereifer dabei und wenn nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung macht, dann endet seltsamerweise kein Pflegeeinsatz um die Uhrzeit wie im Programm angegeben! 13.00 Uhr: Nach und nach kommen alle zum Treffpunkt zurück. Eine wichtige Neuigkeit bei den Pflegeeinsätzen dieses Jahr sind übrigens die Bänke. Nach einem solchen Einsatz sitzt man gerne noch zusammen und fachsimpelt noch bei einer Tasse Tee, Kaffee oder auch einem Bier über den Tag und den Naturschutz. Angelika und Thorsten sind froh, die Hacke endlich loszuwerden und wir bemitleiden ihre Waschmaschinen. Wolfgang hat selbst bei der Pflegearbeit irgendwelche Vögel gesehen, die sonst keiner sieht, und manch einem fällt beiläufig auf, dass er ja schon seit eineinhalb Stunden zu Hause sein sollte. Ein neugieriger Eisvogel traut sich bereits wieder ins Naturschutzgebiet und begutachtet die Pflegemaßnahmen. Kurz wird noch besprochen, was beim nächsten Mal noch alles zu tun ist (denn fertig ist man im Naturschutz nie!) und man geht mit dem Wissen nach Hause, dass man heute nicht nur für sich selber etwas Gutes getan hat. Haben Sie jetzt Lust bekommen, auch einmal mitzumachen bei einem Pflegeeinsatz? Es gibt für jeden etwas zu tun, falsch gemacht werden kann nichts und wir freuen uns über jede neue Helferin und jeden neuen Helfer. Jörg Daiß
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